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Legende: Audio «Tief, tiefer, am tiefsten»: der österreichische Wahlkampf abspielen. Laufzeit 05:59 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 10.08.2019.
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Wahlkampf nach Ibiza-Video «Ich fürchte, die Österreicher haben noch nicht genug»

Das «Ibiza-Video» hat in Österreich ein veritables politisches Erdbeben ausgelöst: Es zeigte den damaligen Vizekanzler und Chef der rechts-populistischen FPÖ, wie er im Gespräch mit einer vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen wenig Respekt vor Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit zeigt. Die Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz aus ÖVP und FPÖ zerbrach, ein Misstrauensvotum brachte sie ganz zu Fall.

Nun befindet sich Österreich im Wahlkampf, und dieser ist alles andere als zimperlich. Das Skandalvideo habe den Regierungsparteien aber offensichtlich nicht geschadet, meint der renommierte Journalist Christian Rainer.

Christian Rainer

Christian Rainer

Journalist

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Der 57-Jährige ist Herausgeber und Chefredaktor des unabhängigen Nachrichten-Magazins «Profil» in Österreich.

SRF News: Wie würden Sie den Wahlkampf in Österreich mit wenigen Worten beschreiben?

Christian Rainer: Tief. tiefer, am tiefsten. Für eine westliche Demokratie ist der Beginn dieses Wahlkampfes relativ unüblich und wir erwarten, dass es noch schlimmer wird. Online werden die verrücktesten Verdächtigungen gegenüber allen Beteiligten ausgesprochen.

Mann im Anzug.
Legende: Der Wahlkampf in Österreich ist schmutzig, auch Sebastian Kurz ist involviert. Keystone

Es gab ja auch in der Vergangenheit bereits Wahlkämpfe, welche mit harten Bandagen geführt wurden. Würden Sie sagen, dass es diesmal anders ist?

Der Unterschied ist, dass durch das Internet und die Möglichkeiten von Social Media die Emotionen schneller rauskommen, höher gehen und lauter sind. Und natürlich, dass der Wahlkampf durch jenes berühmt berüchtigte «Ibiza-Video» ausgelöst wurde.

Das Eigenartige ist, dass die FPÖ möglicherweise wieder in der Regierung sitzen wird.

Wenn das der Ausgangspunkt eines Wahlkampfs ist und wenn heute die gestürzte Partei wieder bei über 20 Prozent in den Umfragen liegt, darf einem das nicht wundern. Es gibt jene, die sich genieren für das, was in Österreich geschieht.

Heinz-Christian Strache
Legende: Die FPÖ, Partei des ehemaligen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache, ist trotz des «Ibiza-Videos» wieder im Aufwind. Keystone

Haben die Menschen in Österreich genug?

Ich fürchte, eben nicht. Wenn die Menschen im Land genug hätten, hätte jene radikale rechte Partei nicht wieder fast 25 Prozent des Elektorats. Das Eigenartige ist, dass die FPÖ trotz dieses unglaublichen Videos möglicherweise wieder in der Regierung sitzen wird.

Der ehemalige Kanzler Sebastian Kurz schliesst eine erneute Koalition mit den Freiheitlichen nicht aus. Fehlende Lernfähigkeit oder kluges politisches Taktieren?

Weder noch. Es wird schwierig sein, eine andere Konstellation herbeizuführen. Bei einer Wahl von Kurz würden zwei Möglichkeiten bleiben: Wieder mit der FPÖ oder mit der Sozialdemokratie. Das Klima zwischen der Sozialdemokratie und der ÖVP war vorher schon sehr zerrüttet. Während der Regierungszeit der letzten eineinhalb Jahre ist dieses Klima nicht besser geworden. Es fehlt eine Alternative.

Zeitungen.
Legende: Die Ibiza-Affäre löste in Österreich ein politisches Erdbeben aus. Keystone

Die Partei von Sebastian Kurz, die ÖVP, führt die Umfragen an. Heisst das auch, dass die Österreicher es ihm nicht übel nehmen, dass er mit der FPÖ eine Regierung gebildet hat, die gescheitert ist?

Wenn man es jemandem übel nehmen könnte, dann eher der Sozialdemokratie, welche in den Umfragen verloren hat. Wenn ich es richtig im Kopf habe, sind rund 60 bis 65 Prozent der Bevölkerung dafür, dass es wieder jene konservativ Koalition geben soll.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

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83 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Meier  (Bruno Meier)
    Eventuell sollte man sich einmal Gedanken machen, warum die FPÖ so stark ist/bleibt? Liegt es möglicherweise daran, dass die Wähler, welche FPÖ wählen, die vielleicht auch nicht mögen, aber den Rest noch mehr verabscheuen? Wer am Ende der Nahrungskette steht, müsste ja eigentlich SPÖ und nicht FPÖ wählen. Aber die scheren sich ja einen Deut um diese Gruppe. Der Druck durch Globalisierung und Migration wird immer grösser und eine wirkliche Lösung hat niemand. Also weiter wursteln und erschrecken
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  • Kommentar von Jürg Brauchli  (Rondra)
    Sugestivfragen an Einen, der diese Regierung nicht mochte. Was will man da erwarten?
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  • Kommentar von Urs Stäbler  (Stab)
    Wenn ich mitbekomme in welchen "Burschenschaften sich Strache und seine Kumpanen ihre Politik vertreten, muss ich mich schon fragen wo das hinführt. Haben die Nachbarn der Deutschen aus der Geschichte nichts gelernt? Solche Entwicklungen sind hochgefährlich. Ich war über das Ibiza-Video hoch erfreut. Leider hat es sich nicht, wie von mir erwartet, entwickelt. Es gibt offensichtlich eine Mehrheit in der Bevölkerung welche die Vergangenheit einfach ignorieren. Fragt sich nur um welchen Preis.
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    1. Antwort von Werner Christmann  (chrischi1)
      Hä bitte? Sie haben sich über das Ibiza-Video hoch erfreut? Über so was kann man sich nicht erfreuen, und dann noch die falschen Schlüsse ziehen. Schon tragisch.,
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    2. Antwort von Jürg Brauchli  (Rondra)
      Die Österreicher alleine, weder Sie noch Ich, bestimmen, was in ihrem Land läuft. Punkt.
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