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Legende: Video Spitzenkandidatin der Demokraten: Elizabeth Warren abspielen. Laufzeit 05:16 Minuten.
Aus 10vor10 vom 11.09.2019.
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Warren will Trump ablösen Der «Wall-Street-Schreck» im Aufwind

Von den Republikanern zum linken Rand der Demokraten. Von der staubigen Kleinstadt auf den Harvard-Lehrstuhl: Elizabeth Warren hat einen erstaunlichen Wandel hinter sich.

Elizabeth Warren ist volksnah und intellektuell und kann einfach erklären, was sie akademisch erforscht hat. Die Professorin für Wirtschaftsrecht studierte, wie Gesetze und Regeln in den USA das Leben der kleinen Leute beeinflussen. Ihr Fazit: das «System» benachteiligt die Mittelklasse. Das treibt Warren an.

Die einst Konservative wendete sich von den Republikanern ab und wechselte zu den Demokraten. Nach der Finanzkrise war sie eine einflussreiche Stimme bei der Bankenregulierung, seit 2012 ist sie Senatorin für Massachusetts. Und weil sie Grosskonzernen noch besser auf die Finger schauen will, wird sie schon mal als «Schrecken der Wall Street» bezeichnet.

In einfachen Verhältnissen aufgewachsen

Warren ist auch angetrieben von ihrer eigenen Geschichte. Von einer Kindheit, in der ihre Familie finanziell zu kämpfen hatte und nur dank der Arbeit der Mutter durchkam. «Sie kommt aus einer staubigen kleinen Stadt in Oklahoma. Ihr Vater verkaufte Teppiche.» Sie wisse selbst, wie es sei, von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck zu leben, und verstehe die Sorgen, die so viele Menschen in diesem Land hätten, meint Antonia Felix, die eine Biografie über Warren verfasst hat.

Als Mutter zweier Kinder Recht zu studieren, zu wenig Geld für Kinderbetreuung zu haben, auch das habe sie geprägt. Sie schaffte es schliesslich in einer von Männern dominierten Welt bis zur Professorin an der renommierten Harvard-Universität.

Umfragewerte demokratischer Kandidaten

Quelle: Realclearpolitics, 12.09.19 Umfragewerte demokratischer KandidatenUS-Präsidentschaftswahlen 2020403020100AprilSeptember 2019BidenSanders26.8%17.3%16.8%Buttigieg: 4.8%Harris: 6.5%Warren

Trump gab ihr den Übernamen «Pocahontas»

Ein Stolperstein für Warren könnte die Kontroverse um ihre Herkunft sein. Sie behauptete einst, von amerikanischen Ureinwohnern abzustammen. Präsident Trump gab ihr prompt den Übernamen «Pocahontas» und forderte sie auf, einen DNA-Test zu machen. Warren machte den Test, doch der Schuss ging nach hinten los.

Erstens wies er nur eine sehr entfernte Abstammung von Ureinwohnern nach, denn Warren ist 95 Prozent europäischer Abstammung. Zweitens brüskierte er Stammesangehörige, die einen solchen Test als Zugehörigkeitsbeweis zu ihrem Stamm als Affront sehen. Biografin Felix: «Warren hat zugegeben, dass sie falsch lag, als sie sagte, dass diese entfernte Herkunft ihre Identität geprägt hätte.» Sollte sich Warren als Kandidatin der Demokraten durchsetzen, wirdTrump das aber zu einem grossen Thema machen.

Frau in Brille.
Legende: Wird sie die Herausforderin von Donald Trump? Keystone

Im breiten Feld von 19 Kandidierenden hat Warren in den letzten drei Monaten am stärksten zulegen können. Hinter Ex-Vizepräsident Joe Biden, der klar führt, liegt sie Kopf-an-Kopf mit Bernie Sanders an zweiter Stelle.

Sie führt einen emotionalen Wahlkampf und bringt inhaltlich Substanz. «Warren has a plan for everything», ist längst zur prägenden Phrase ihres Wahlkampfes geworden: Von der Reichensteuer über die Aufspaltung grosser Techfirmen, zur staatlichen Einheitskrankenkasse, kostenlosen öffentlichen Colleges, der umfassenden Immigrationsreform, zu allem gibt es Pläne und klare Positionen.

Es ist gut möglich, dass Warren in nächster Zeit noch weiter zulegen kann. Biden und Sanders hinter sich zu lassen, wird aber nicht einfach. Mit Sanders ist sie bei vielen Themen praktisch deckungsgleich.

Beide buhlen um die Gunst der Parteilinken und werden sich gegenseitig Stimmen wegnehmen, was wiederum dem moderateren Biden helfen könnte. Aber es ist noch früh. Und es kann noch viel passieren.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Dahinden  (Marcel Dahinden)
    Ich glaube kaum, dass den Amerikanern klar wird, was sie da als Präsidenten haben. Die Zeit schreit schon länger nach einer Veränderung, eine Weibliche.
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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Es wird noch viel Wasser den Potomac hinunterfliessen bis dann klar ist, wer der nächste US Präsident sein wird. Es wäre zu wünschen, dass die nächste Adminitration nicht wieder die Technik des Spaltpilzes kultivieren würde, wie es die vorangegangen dauernd getan haben.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Apropos Bomben von Obama: Ich glorifiziere Obama keineswegs. Aber mindestens ein Teil der Bomben war gegen den IS, den ja niemand wollte. Ich bin gegen Krieg. Aber hier hat Obama für andere eine Art von "Drecksarbeit" geleistet - für andere. Trump hat das "Privileg", dass der IS militärisch einigermassen besiegt ist.Er hätte bestimmt auch Bomben auf ihn, den IS, abgeworfen, und wenn "nötig" auch auf andere. -Trump-Fans mögen nicht so tun,als ob Trump diesbezüglich ein "Unschuldslämmlein" wäre.
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    1. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Trump hat gezeigt, dass er den Dialog sucht (z.B. mit dem irren Kim, der unter Obama zur Atommacht wurde) und weiter hat Trump durch sein Handeln bewiesen, dass er eben keine Kriegsgurgel ist und keinen militärischen Konflikt mit dem Iran sucht (im Gegensatz zu Bolton, der als Weltpolizist Konflikte suchte). Man darf auch mal etwas positives über Trump berichten.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      "den IS, den ja niemand wollte" - doch, die USA (unter Obama!) wollten den IS wie Dokumente, Aussagen von US-General Flynn u.a. belegen. Sie haben den IS auch gross gemacht: als Armee um Assad zu stürzen. Warum hatte der IS ein Grossteil Sysriens unter Kontrolle und stand kurz davor, Assas zu stürzen, bevor die Russen eingriffen und bis dahin nur die USA und ihre Verbündeten in Syrien im "Krieg gegen den Terror" aktiv waren? Wenn der IS besiegt ist, dann sicher nicht dank den USA.
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    3. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      @Bernoulli: Ihre Interpretationen versetzen mich immer wieder in Erstaunen. Ich Frage mich allerdings auch, ob Sie diese Berichte und Aussagen auch wirklich immer komplett gelesen haben und nicht nur einzelne Sätze. Die Beiträge lassen auf Letzteres schliessen.
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    4. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @v.Känel
      Ohne in das Gegeifere von Einflussagenten Moskaus einzufallen, muss ich darauf hinweisen, dass der Aufstieg des IS im Irak durchaus auf Entscheidungen der Administration Obama zurückzuführen ist. Der von Obama veranlasste Abzug der US Truppen führte zu einem Machtvakuum in das der IS hineinstiess. In Syrien lief der Aufstand als Selbstläufer ohne wirklichen US Einfluss an. Der IS setzte sich dann als relevante Kraft durch. Führen von hinen ist nicht geführt!
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    5. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      @M. Koller: Im Falle des IS habe ich die veröffentlichten Dokumente des DIA durchgelesen, die Aussagen von Flynn mir angeschaut und weitere Quellen konsultiert (z.B. srf Camp Bucca). Und: warum liessen es die USA zu, dass der IS Waffenlager, welches sie für die irakische Armee angelegt hatten, einfach plündern konnten? Warum haben sie die IS-Truppen vorher oder nachher nicht angegriffen? Nichts gesehen?
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    6. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Der IS wurde nach dem fluchtartigen Rückzug der irakischen Truppen durchaus von den USA angegriffen. Man hat die Kampfkraft oder besser gesagt den Kampfwillen der Irakis überschätzt und war ob der schnellen Gebietsgewinne überrascht. Der DIA Bericht von 12/2012 wird gerne als angeblicher Beweis für eine gewollte Entstehung des IS herangezogen aber das ist schlicht an der Haaren herbei gezogen. Fährlässiges Versagen ermöglichte den IS in der damaligen Form.
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