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Auch Afrikas Wälder werden abgeholzt
Aus Rendez-vous vom 06.08.2020.
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Weltweiter Waldzustand Afrika überholt Südamerika bei der Abholzung

Mehr Anbaufläche, mehr Tiere: Auch in Afrika gehen grosse Baumbestände verloren. Das gibt Anlass zur Sorge.

Im Regenwald von Kamerun lassen die verschiedenen Vogelstimmen und Insekten Geräusche ahnen, wie vielfältig das Leben zwischen den tropischen Baumriesen ist. Doch in Afrika existieren nicht nur Regenwälder, sondern auch Busch und Baumsavannen. Und wie die Regenwälder werden auch diese Savannen zunehmend abgeholzt.

Der Hauptgrund ist die Ausdehnung der Landwirtschaft
Autor: Mette WilkieDirektorin Waldabteilung FAO

Dies zeigt ein eben veröffentlichter UNO-Bericht. Erstmals seit Jahrzehnten werden in Afrika am meisten Wälder abgeholzt. Bislang war regelmässig Südamerika vorne gelegen. Mette Wilkie ist die Direktorin der Waldabteilung innerhalb der UNO-Landwirtschaftsorganisation FAO. Sie nennt mehrere Gründe dafür: «Der Hauptgrund ist die Ausdehnung der Landwirtschaft». In Afrika sei ein Treiber der Abholzung die kleinräumige Landwirtschaft, auf denen Menschen Lebensmittel für den eigenen Bedarf produzieren.

Feuerholz und Holzkohle

Ein weiterer wichtiger Faktor sei der riesige Bedarf an Feuerholz und Holzkohle zum Kochen. In manchen Regionen wurden ganze Wälder regelrecht verfeuert. Nach Erkenntnissen der FAO dienen mehr als 80 Prozent aller gefällten Hölzer in Afrika als Feuerholz.

Ist der Wald einmal abgeholzt, wächst er schwerlich nach.
Autor: Mette WilkieDirektorin Waldabteilung FAO

Wenn zu diesen Faktoren noch Dürre komme, sagt die Expertin, verhindere dies das Nachwachsen des Baumbestandes. Dazu komme erschwerend hinzu, dass der Tierbestand zunahm. «Vor allem die Ziegen fressen Büsche und junge Triebe. Ist der Wald einmal abgeholzt, wächst er schwerlich nach.»

Mann in Holzkohlefabrik
Legende: Holzkohlefabrik in der Nähe von Abidjan, Elfenbeinküste. Holzkohle ist eine der wichtigsten heimischen Energiequellen des Landes. Ein Phänomen, das erheblich zur Entwaldung beiträgt. Keystone

Da mit dem starken Bevölkerungswachstum in Afrika auch der Bedarf an Anbauflächen steigt und gleichzeitig die Zahl der Kleintiere zunimmt, wird der Verlust von Waldflächen weiter zunehmen. Es sei denn, dieser Trend wird aktiv gestoppt.

Korruption und illegaler Handel

Raul Monsembula sieht vor allem für den Verlust des Regenwalds noch andere Gründe. Der Koordinator von Greenpeace Afrika meint: «Schlechte Regierungsführung, Korruption, fehlende Transparenz und die Tatsache, dass die lokale Bevölkerung in Entscheidungen nicht einbezogen wird». Davon sei der Forstsektor in vielen afrikanischen Ländern geprägt. Ohne eine Verbesserung der Forstverwaltung könnten die Wälder nicht geschützt werden.

Ohne eine Verbesserung der Forstverwaltung können die Wälder nicht geschützt werden.
Autor: Raul MonsembulaKoordinator Greenpeace Afrika

Auch der illegale Handel mit Holzkohle ist in vielen afrikanischen Ländern ein Millionengeschäft. Zum Teil finanzieren sich dadurch auch bewaffnete Gruppen wie die islamistische Shabaab Miliz in Somalia und Milizen im Ostkongo.

Projekt «Grüne Mauer»

Trotz des insgesamt düsteren Bildes sieht der Koordinator von Greenpeace auch positive Entwicklungen. «Am meisten Mut macht mir der Trend, dass die lokale Bevölkerung den Wald zunehmend selber verwalten kann.» Man beobachte dies in der Republik Kongo und in anderen Staaten in Zentralafrika. «Der Staat gibt in diesen Fällen Wald an die Gemeinschaften zurück. Sie können ihren Wald dann selbst verwalten, unterstützt von Experten oder lokalen NGOs.»

Auch die Expertin von der UNO-Organisation sieht in Afrika auch Erfolgsgeschichten, was den Erhalt von Bäumen oder die Wiederaufforstung angeht. Sie nennt unter anderem die geplante «Grüne Mauer» in der Sahara und dem Sahel. Geführt von der Afrikanischen Union soll quer über den Kontinent ein Band aus grüner und produktiver Landschaft entstehen. 15 Kilometer tief und über 8000 Kilometer lang. Der Anfang ist gemacht. Etwa 15 Prozent der Bäume wurden schon gepflanzt.

Klimawandel und Abholzung

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Bislang fehlen laut Mette Wilkie von der UNO-Organisation Daten zu der Frage, wie stark der Einfluss des Klimawandels auf den Waldverlust ist. Fraglos sei aber, dass lange Dürreperioden und häufige Starkregen den Wäldern und nachwachsenden Bäumen in trockene Regionen massiv schaden. Beides sei in Folge des Klimawandels häufiger geworden.

Rendez-vous, 06.08.2020, 12.30 Uhr

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Erich Deiss  (Erich Deiss)
    Wir sind jetzt 8 Milliarden Menschen, in hundert Jahren werden es etwa doppelt so viele sein. Und der grüne Meinstream redet uns ein, dass die Probleme schon gelöst sein werden, wenn nur jeder mit einem Elektromobil herumfährt.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      4.Versuch! Seit ca 10J nimmt die Weltbevölkerung exponentiell über 1.2% zu, vorher noch mehr, derzeit also 93.6Mio/J. (Coutrymeters) Spätestens in 10J wären wir dann schon 9Mia bei einer Zunahme von 108Mio/J, danach bereits nach 9J wiederum 1Mia mehr. Bei 10Mia dauert es noch 8J bis zu 11Mia usf. Geht das so weiter, schaffen wir es schon nach nichtmal 6Jz, uns zu verdoppeln. Dank Überbevölkerung Ist die CH abhängig von Nahrungsmittelimport, darum auch mitschuld an der Zerstörung der Urwälder.
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Am Hauptproblem vorbei. Die echten Auswirkungen werde ich nicht mehr erleben. Ich bin froh drum. Man darf ja sowieso kein Wort darüber sagen, also arbeiten wir fröhlich weiter, um Steuergelder für die ins Elend geborenen Kinder zu generieren. Tolle globale Welt, wahrlich...
    1. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      Genau meine Meinung, liebe Frau Fitzi.
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Das Jammern hilft niemandem. Der Vergleich mit der Abholzung von Europa vor X-100 Jahren kann nicht mit der aktuellen Abholzung in Südamerika+Afrika verglichen werden. Damals ging es um den Gewinn von Agrarland. Aktuell geht es um die Existenz der Menschheit: Klima, Wasserknappheit, Planetausbeutung, Naturzerstörung weltweit durch Mikroplastik, inkl der Meere, usw. Wikipedia-Vergleich: Erdbevölkerung im Jahr 1900 = 1'650 Mio. Zweibeiner, Jahr 2019 = 7'790 Mio. Zweibeiner, 4.5 MAL MEHR!! -- ????
    1. Antwort von Mark R. Koller  (Mareko)
      Herr Häberli, nicht Mio. sondern Mia. - jedoch, Sie haben wie viele im Westen das Problem des Bevölkerungswachstums erkannt. Jeder zusätzliche Mensch benötigt zusätzliche Anbaufläche, egal ob er auf dem Land oder in der Stadt lebt. Der Druck auf die Wälder wächst. Die tropischen und subtropischen Wälder um den Äquator herum haben, zusammen mit den Meeren, den entscheidenden Einfluss auf das Weltklima. Da können wir uns im Westen kasteien (Flugz./Autos), das hat zu wenig Einfluss, global gesehen.
    2. Antwort von Peter Meier  (pmeier)
      Natürlich ist es 100% vergleichbar. Die europäischen Wälder wurden zerstört, um Platz für Landwirtschaft, Strassen, Industrien und Städte zu schaffen, die Wohlstand und Konsumverhalten erzeugten. Warum sollten andere Menschen nicht das Recht haben, das Gleiche zu erreichen? Aber ja, Hauptsache jemand anders ist Schuld, und ich nicht.