«Die Welt braucht die WHO und diese bleibt ihren Prinzipien verpflichtet» – so heisst es in einem Werbevideo der UNO-Organisation. Die Wirklichkeit sieht anders, rauer aus. Die WHO leidet unter der generellen Schwächung der multilateralen Zusammenarbeit. Selbst die Gesundheitspolitik wird zum Spielball ideologiegetriebener Politik.
UNO-Generalsekretär António Guterres spricht zur Eröffnung der jährlichen WHO-Versammlung gar von «ramponierten Gesundheitssystemen in vielen, vor allem armen Ländern wegen der Kürzungen bei der bi- und multilateralen Hilfe».
Wichtige Geldgeber sind abgesprungen
600 Millionen Dollar muss die WHO allein deswegen sparen, weil ihr die USA unter Präsident Donald Trump den Rücken kehren. Ausgetreten ist auch Argentinien und zahlt entsprechend nicht weiter. Und viele weitere Geberländer sind finanziell klamm, mit ihren Beiträgen im Rückstand und nicht bereit, die durch Washington verursachten Zahlungsausfälle zu kompensieren.
Tausende von Angestellten musste die WHO bereits entlassen und Programme streichen. «Das schränkt die Unabhängigkeit und die Flexibilität der WHO enorm ein», klagt deren Generaldirektor Tedros Gebreyesus. Die Abhängigkeit – zu drei Vierteln des Budgets – von freiwilligen Spendern mache die Organisation finanziell verletzlich und abhängig von den Launen und Prioritäten wichtiger Geldgeber.
Instabilität und Misstrauen gegenüber der Wissenschaft
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider, welche die diesjährige Versammlung der WHO eröffnete, bedauert die ungenügende Stabilität. Dabei erfülle die Organisation voll und ganz ihre Rolle als weltweite Koordinatorin, Warnerin und Helferin, gerade jetzt wieder angesichts des Hanta- und des Ebolavirus. «Die Schweiz steht daher entschieden hinter der WHO als Zentrum und Motor der internationalen Gesundheitspolitik», sagt die Gesundheitsministerin.
Auch hierzulande ist die WHO jedoch keineswegs mehr unumstritten. Eine eigentlich technische UNO-Organisation wird auf einmal nach der politischen Interessenlage und nach politischen Vorlieben und Abneigungen beurteilt und kritisiert. Ganz besonders in den USA unter der jetzigen Regierung. Dazu kommt die wachsende Feindlichkeit gegenüber der Wissenschaft aus populistischen Kreisen.
Wissenschaft vor Verdächtigungen, Fakten vor Fiktion.
Deshalb fordert Mia Mottley, die Premierministerin von Barbados, die auch als künftige UNO-Generalsekretärin gehandelt wird: «Wissenschaft vor Verdächtigungen, Fakten vor Fiktion.» Bei den Streitigkeiten rund um die WHO gehe es im Grunde um nichts weniger als um die Frage, welche Zivilisation die Welt wolle: eine parteipolitisch geprägte, von egoistischen Einzelinteressen dominierte. Oder eine faire, solidarische, eine, die auf Wissen und Vernunft basiert.