Auch wenn der ganze grosse Wurf fehlt – zwei nennenswerte Projekte hat man in Mailand realisiert: das olympische Dorf, in dem die Athletinnen und Athleten wohnen, und die neue «Arena Milano». Hier finden die Eishockey-Wettkämpfe statt.
Diese Arena sei durchaus gelungen, sagt Maria Vittoria Capitanucci. Die Architekturprofessorin und -kritikerin meint, die vom britischen Star-Architekten David Chipperfield entworfene Eis-Arena sei ein schönes Projekt.
Manches ist nicht rechtzeitig fertig
Das Stadion besteht aus drei grossen Ringen, die scheinbar übereinander schweben. Sie lassen sich in verschiedenen Farben beleuchten. Die Arena hat nicht der Staat, sondern private Investoren finanziert. Sie soll nach den Olympischen und Paralympischen Spielen in Mailand als neue Eventhalle dienen.
Es gibt keine neuen Tram- oder U-Bahnlinien in Mailand wegen der Olympischen Spiele.
Darüber hinaus aber erkennt die Architekturkritikerin aufgrund dieser Spiele keine bedeutenden Veränderungen in der Stadt. «Es gibt keine neuen Tram- oder U-Bahn-Linien», sagt sie. Und auch auf den zentralen Plätzen der Innenstadt, die viele Olympia-Besucherinnen und -Besucher anziehen, habe man wenig bis nichts verändert.
Dazu kommt: Ein Teil der von den Organisatoren versprochenen Veränderungen ist noch gar nicht erkennbar, da diese nicht rechtzeitig fertiggestellt wurden.
So ist etwa die Umgebung der neuen Eis- und späteren Eventhalle noch immer eine Baustelle. Darum sei es selbst am Tag der Eröffnung der Winterspiele 2026 schwierig, eine abschliessende Bilanz zu ziehen, so Capitanucci.
Olympia kostet Rom fünf Milliarden Euro
Marco De Michelis war lange Jahre Architekturhistoriker an der renommierten Mailänder Universität Bocconi. Auch er sagt, diese Spiele hinterlassen in Mailand wenig.
Der Gebäudekomplex des olympischen Dorfes ist architektonisch äusserst mittelmässig.
Und das olympische Dorf, neben dem Eisstadion der einzige grössere Neubau, überzeuge ihn überhaupt nicht: «Der Gebäudekomplex ist architektonisch äusserst mittelmässig. Man wird es kaum als Monument, als olympisches Denkmal wahrnehmen.»
Italiens Regierung hat schätzungsweise fünf Milliarden Euro in die Olympischen Winterspiele investiert, vor allem, um die Sportstätten mit Strassen oder dem öffentlichen Verkehr besser zu erschliessen.
Alles Sportliche rund um die Olympischen Spiele
Doch Mailand profitiere in dieser Hinsicht nicht, stellt auch De Michelis fest. «Man hat einzig ein paar bestehende U-Bahn-Stationen erneuert.»
Dezentral angelegte Spiele
Viele befürchteten, in Mailand könnten die Wohnungsmieten und die Preise wegen der Olympischen Spiele weiter ansteigen. Doch auch das sei derzeit nicht festzustellen.
Man hat also dezentrale Spiele organisiert – das ist immerhin originell.
Denn der grosse Treiber bei den Wohnungspreisen sei die Zuwanderung nach Mailand aufgrund der wirtschaftlichen Attraktivität. Die Olympischen Spiele hätten diese Entwicklung entweder nur gering oder gar nicht beeinflusst.
Etwas Originelles aber hätten die Spiele, betont der Architekturhistoriker. So habe sich Mailand entschieden, für Olympia 2026 nur Weniges neu zu bauen und auf die bestehenden Sportstätten zu setzen. «Man hat also dezentrale Spiele organisiert – das ist immerhin originell», so De Michelis.
Allerdings habe das auch zur Folge, dass sie nur wenige Spuren hinterlassen werden.