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Proteste im Iran Demonstrant: «Dies ist nur der Anfang eines grösseren Aufstandes»

Die Unzufriedenheit im Iran ist riesig – und die Demonstrationen sind in der Bevölkerung breit abgestützt.

Aus verschiedenen Städten des Irans teilen Protestteilnehmende Videos von den Strassen: «Lang lebe der Aufstand», ist etwa aus der westlichen Stadt Aligudarz zu hören, oder «nieder mit dem Regime» aus anderen Landesteilen.

Dies ist nur der Anfang eines grösseren Aufstandes.
Autor: Sorush Unternehmer aus Teheran

Eine freie Berichterstattung gibt es nicht aus dem Iran, die Aufnahmen wurden jedoch vom persischen Dienst der BBC verifiziert.

Auch in Teheran wird jetzt protestiert

Bislang waren die Proteste in den Regionen verteilt, doch am Mittwochabend kam es auch in der Hauptstadt Teheran zu grösseren Ansammlungen Protestierender. «Dies ist nur der Anfang eines grösseren Aufstandes», glaubt Sorush, ein Unternehmer aus Teheran. Die Proteste würden sich weiter ausdehnen, bis es fundamentale Änderungen im Lande gebe.

Welche Änderungen er meint, sagt Sorush nicht. Sein Name und die Namen der anderen Protestierenden sind hier aus Sicherheitsgründen geändert.

Das Ausmass der Demonstrationen hat bisher nicht jenes der letzten grossen Protestwelle von 2022 angenommen. Diese dauerte Monate, nachdem die Frauenrechtsaktivistin Masha Amini in Haft gestorben war.

Über 500 Menschen kamen bei den Protesten damals ums Leben. Regierungschef Peseschkian hat jetzt seine Sicherheitskräfte aufgefordert, zurückhaltend vorzugehen, um ein derartiges Ausmass an Gewalt zu verhindern.

Landesweiter «Internet-Blackout»

Box aufklappen Box zuklappen

Inmitten der Proteste haben die Behörden im Iran landesweit den Internetzugang für die Bevölkerung abgeschaltet. Das Land befinde sich in einem «Internet-Blackout», berichtete die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks. Dieser folge auf eine Reihe von Zensurmassnahmen, die «das Recht der Öffentlichkeit auf Kommunikation in einem kritischen Moment behindern», hiess es in einem Beitrag auf X. Auch Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten einen Einbruch des Web-Traffics um etwa 90 Prozent. Ein kleiner Teil der Regierung sowie des Militär- und Machtapparats dürfte das Internet weiter frei nutzen können. (sda)

Breite Bevölkerungsschichten machen mit

Im Unterschied zu den Protesten vor drei Jahren scheinen die Demonstrationen heute jedoch breiteren Widerhall in der Gesellschaft zu finden. So haben sich auch die einflussreichen Ladenbesitzer, die sogenannten Bazaris, den Protestzügen angeschlossen.

Umgekippter Müllcontainer und brennender Abfall auf nächtlicher Strasse.
Legende: Die Proteste gegen das iranische Regime verstärken sich und greifen im ganzen Land um sich. Imago/Mobina

«Die Situation ist nicht gut», sagt Mohammed, ein Bazari aus der Stadt Yazd. Die starke Inflation von über 40 Prozent habe die Währung auf ein Allzeittief sacken lassen. Das setze der ganzen Bevölkerung zu – auch ihnen, den Ladenbesitzern.

Diese gesellen sich in der Regel nicht zu den Protestierenden. Doch diesmal waren es just die Bazaris, die den Protest ins Rollen gebracht hatten, als sie wegen des Werteverfalls vor über einer Woche in mehreren Städten ihre Geschäfte geschlossen hielten.

Anhänger Pahlavis unter Protestierenden

Aus diesem leisen Protest ist nun ein lauter geworden, bei dem auch die Royalisten mitmischen. So meldete sich aus dem Exil Reza Pahlavi zu Wort, der Sohn des einstigen Schahs. Per Videobotschaft forderte er die Bevölkerung zu einer Grosskundgebung auf. Wie viele diesem Aufruf folgen werden, ist ungewiss.

Pahlavis Anhängerschaft befindet sich eher im Ausland als im Iran selbst. Und dennoch wolle auch sie dem Protestaufruf folgen, sagt Fatimeh aus einer Kleinstadt im Landesinnern.

Sie sei keine Schah-Anhängerin, sagt die gut 60-jährige Frau. Trotzdem sollten sich jetzt alle zusammenschliessen und auf die Strasse gehen, so Fatimeh, die nach der Islamischen Revolution als linke Aktivistin vier Jahre in Haft sass.

Trump macht einigen Mut

Dass nun auch US-Präsident Donald Trump Unterstützung versprochen habe, gebe ihr Mut, sagt Fatimeh. Wenn eine starke ausländische Macht ihnen helfen könne, befürworte sie dies ausdrücklich.

Auch wenn die aktuellen Proteste im Iran bis anhin nicht das Ausmass der letzten grossen Protestwellen erreicht haben, sind sie breit abgestützt in der Bevölkerung.

Und der zusätzliche Druck von aussen macht sie für das Regime gefährlich.

Echo der Zeit, 8.1.2026, 18 Uhr ; 

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