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Rund ein Fünftel weniger Umsatz seit Zertifikatspflicht
Aus SRF 4 News aktuell vom 22.09.2021.
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3G-Regel in der Gastronomie Gastro-Umsätze auf dem Land sanken viel stärker als in Städten

Nach der Ankündigung der Zertifikatspflicht durch den Bundesrat war der Aufschrei in der Gastroszene gross. Es wurden massive Umsatzeinbrüche erwartet. Inwiefern diese Befürchtungen eintrafen: Ivan Lieberherr von der SRF-Wirtschaftsredaktion ordnet ein.

Iwan Lieberherr

Iwan Lieberherr

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Iwan Lieberherr ist seit Ende 2010 Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF. Davor war er Leiter des Wirtschaftsressorts der Nachrichtenagentur SDA.

SRF News: Wie sind diese aktuellen Zahlen einzuschätzen – wie stark haben die Umsätze genau gelitten?

Iwan Lieberherr: In der ersten Woche nach Einführung der Zertifikatspflicht sind die Umsätze im Schnitt um 17 Prozent gesunken – dies im Vergleich zur Woche davor. Das entspricht etwa 20 Millionen Franken, die die Wirtinnen und Wirte weniger in der Kasse hatten.

Das legen Zahlen der Universität St. Gallen nahe: Sie hat Zahlungen in den Restaurants mit Kreditkarten und Debitkarten sowie mobile Zahlungen ausgewertet. Darüber berichten heute die NZZ und der Tagesanzeiger. Minus 17 Prozent: Das ist zwar ein markanter Rückgang, allerdings hat der Branchenverband Gastrosuisse einen Rückgang um 30 Prozent und mehr befürchtet. Dermassen eingebrochen sind die Umsätze nun also nicht.

Schlüsseln wir diese Zahlen noch etwas auf: Besonders kritische Töne waren aus Landgasthöfen zu vernehmen. Zu Recht?

Ja, die Zahlen weisen auf einen ausgeprägten Stadt-Land-Graben hin. In der ersten Woche mit Zertifikatspflicht sanken die Gastro-Umsätze in den Städten um 12 Prozent – auf dem Land dagegen um durchschnittlich 28 Prozent.

Wie erklären Sie sich das?

Es dürfte in erster Linie an der Impfquote liegen, die in den Städten höher ist als auf dem Land. Das bringt dann automatisch mehr Gäste in die Restaurants. Und dies nicht nur zum ausgiebigen Nachtessen, sondern auch mal zwischendurch für einen schnellen Kaffee tagsüber. Hinzu kommt: Die Kapazitätsbeschränkungen sind weggefallen – es gibt wieder mehr Plätze in den Lokalen. Das könnte der Stadt-Gastronomie ebenfalls zugutekommen.

Der Stadt-Land-Graben dürfte in erster Linie an der Impfquote liegen, die in den Städten höher ist als auf dem Land.

Auf dem Land ist die Impfquote tiefer. Also braucht es einen Test, um ins Restaurant oder ins Café zu gehen. Aber eben: Auf dem Land tut man sich offensichtlich schwerer damit als in der Stadt. Ein weiterer Punkt noch: Die Universität St. Gallen stützt sich auf Karten- und Handy-Zahlungen. Gut möglich also, dass es beim Bezahl-Verhalten zwischen der Stadt und dem Land Unterschiede gibt. Dass also nicht überall alle Umsätze gleichermassen erfasst wurden, weil auf dem Land mehr bar bezahlt wird als in der Stadt. Diese Ausgaben werden dann eben nicht erfasst.

Bei den jetzigen Temperaturen kann man in Restaurants und Cafés momentan noch draussen sitzen. Wie wird sich die Lage im Herbst und im Winter verändern?

Da kann man nur mutmassen. Gut möglich, dass die Umsätze weiter nach unten gehen werden – parallel zu den sinkenden Temperaturen. Wobei: Das Wetter war ja auch in der ersten Woche mit der 3G-Regel durchzogen. Denkbar ist auch, dass sich die Leute rasch an die Zertifikatspflicht in Restaurants gewöhnen – und dann wieder öfters auswärts essen oder auch nur für einen Kaffee schnell einkehren.

Das Zeigen des Zertifikats kann schnell zur Routine werden. Und wenn die Zahl der Geimpften nun weiter zunimmt, dürften die Gastronomen auch dies wieder spüren. Ein Wirt berichtet heute in der NZZ, es herrsche wieder eine richtige Beizenstimmung. Insbesondere, weil es keine Maskenpflicht mehr gebe, Trennwände abmontiert worden seien und man auch keine Abstandsregeln mehr beachten müsse. Ich denke, das wird sich bestimmt noch herumsprechen.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

SRF 4 News, 22.09.2021, 08:00 Uhr

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70 Kommentare

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  • Kommentar von Arthur Pünter  (puenti)
    Dieses ewige Gejammer in der Beizenszene hat wohl System, um an weitere Gelder zu kommen. Gerade auf dem Land trifft man auf volle Gartenrestaurants, begünstigt durch das gute Wetter. Wer's nicht glaubt, sollte 2 Plätze auf den Folgetag reservieren. Meistens ausgebucht. Auch die Getränkekarten im Corona-Krisenmodus sprechen Bände...
  • Kommentar von Ueli Feuz  („Üeu“)
    Waren heute über Mittag im Restaurant Schaukäserei in Affoltern im Emmental mehr „auf dem Land“ geht wohl nicht :-). Und beinahe alle ca. 200 Plätze besetzt. Ein ständiges Kommen und Gehen. Gut hatte ich reserviert. Zertifikat problemlos kontrolliert in ca. 10 Sekunden. Da machen offensichtlich einige Wirte etwas komplett falsch.
    1. Antwort von Rolf Huber  (RolfHuber)
      Ist natürlich absolut repräsentativ für alle Restaurants. Die Forscher der Uni SG liegen also komplett falsch.
    2. Antwort von Ueli Feuz  („Üeu“)
      Genau Herr Huber. Diese „Studierten“ sind Schreibtischtäter, Theoretiker eben und haben von der Praxis keine Ahnung. Die sollten mal den „ Hintern“ lupfen und sich aufmachen ins Schweizerland und den Puls der Bürger resp. der Wirte 1:1 vor Ort messen :-)
  • Kommentar von Angela Nussbaumer  (Angela N.)
    Mein Budget erlaubt Restaurantbesuche sehr selten. Wenn ich es mir dann schon mal leiste, auswärts zu essen, dann dort, wo ich mich auf die Sorgfalt und Ernsthaftigkeit des Gastgebers verlassen kann. Bringt halt nix, den Graben zwischen Stadt und Land noch tiefer zu sprengen. Der Schuss kann deswegan halt auch für Wirtsleute hinten rausgehen.
    Gerade heute gelesen, in einer Zuger Gemeinde weigert sich der Inhaber eines Cafés, die Zertifikate seiner Gäste zu überprüfen.
    Dann Tschausaliläbwohl.