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Fiese Versicherungsmasche mit Long-Covid-Erkrankten
Aus Kassensturz vom 22.06.2021.
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Ablehnung und Leistungskürzung Fiese Versicherungsmasche mit Long-Covid-Erkrankten

«Kassensturz» zeigt: Einige Versicherungen verweigern bei Long-Covid Leistungen oder beharren auf absurden Beweisen.

Über Long Covid weiss man bisher nicht viel. Laut Milo Puhan, Epidemiologe an der Universität Zürich, sind schätzungsweise 20 bis 25 Prozent betroffen. Viele von ihnen müssen sich mühsam ins Leben zurückkämpfen, können ihren Job nicht mehr ausüben. Und als ob das nicht genug wäre: Einige Long-Covid-Erkrankte haben zudem mit ihrer Versicherung zu kämpfen. Zwei Beispiele:

Long Covid – noch gibt es viele Fragezeichen

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Mehrere Studien aus Grossbritannien, China, Italien und auch der Schweiz haben sich in den letzten Monaten mit Menschen beschäftigt, die längerfristig an den Folgen einer Corona-Erkrankung leiden. Klar ist, dass es diese zähen Verläufe gibt. Schwerer zu fassen ist, wie viele Corona-Erkrankte betroffen sind.

Je nach Studie gaben zwei Prozent bis 75 Prozent der Covid-Erkrankten an, nach über zwölf Wochen Symptome zu verspüren. Dazu zählen unter anderem starke Müdigkeit, Kopfschmerzen, Atemnot oder etwa Muskelschmerzen. Zum Teil lassen diese ein normales Leben wie vor der Erkrankung nicht mehr zu.

Noch ist die wissenschaftliche Basis von Long Covid sehr durchwachsen. Ein Grund ist, dass viele Symptome unspezifisch sind und auch andere Gründe als Corona haben können. Auch fassen die Studien recht unterschiedlich, was noch als Symptom gelten kann und was nicht. Weitere Studien, die gesunde Personen als Vergleichsgrösse heranziehen, können helfen, das neue Krankheitsbild besser zu verstehen.

Fall 1: Berufsunfallversicherung

Pflegefachfrau Milena G. infizierte sich bei der Arbeit auf der Covid-Station eines Spitals. Nach drei Wochen konnte sie ihre Arbeit wieder aufnehmen. Damit sie bei allfälligen Spätfolgen abgesichert ist, meldete sie ihre Erkrankung der Berufsunfallversicherung Axa. Und das macht auch Sinn, sagt Pierre-André Wagner, Leiter Rechtsdienst des Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK). Denn: «Bei einer Ansteckung am Arbeitsplatz gilt Covid als Berufskrankheit. Und anders als bei der Krankenkasse müssen die Patienten bei der Unfallversicherung keine Franchise und keinen Selbstbehalt bezahlen.»

Doch Milena G.s Versicherung Axa lehnte ab. Ihr Bescheid: «Eine Berufskrankheit kann nur anerkannt werden, wenn der Nachweis einer Ansteckung bei einem erkrankten Patienten mit über 50 Prozent Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden kann.»

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Pierre-André Wagner, Leiter Rechtsdienst SBK: «Ich kann nicht glauben, dass die Versicherung selbst glaubt, was sie hier schreibt.»
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Pierre-André Wagner lässt das nicht gelten. «Das ist kein Einzelfall. Versicherungen suchen irgendwelche Gründe, Fälle abzulehnen, weil man vielleicht langfristige Kosten fürchtet.» Milena G. trifft die Absage hart: «Ein weiterer Schlag ins Gesicht und null Wertschätzung gegenüber dem Pflegepersonal.»

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Milena G.: «Die Ablehnung ist ein Schlag ins Gesicht, nach all der Zeit, die man auf der Covid-Station gearbeitet hat.»
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Im «Kassensturz»-Interview am Sendetag gibt sich die Axa versöhnlicher. Schadenchef Schweiz Fredy Egg erklärt: «Wir stellten fest, dass es schwierig nachzuweisen ist, dass eine Infektion am Arbeitsplatz passierte. Daher haben wir entschieden, solche Fälle unkompliziert zu behandeln und die Leistungen zu erbringen.» Zudem versichert Egg: «Nachdem wir die Praxis nun geändert haben, werden wir aktiv auf alle Versicherten, die eine Ablehnung erhalten haben, zugehen.»

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Fredy Egg, Schadenchef Schweiz AXA, im Interview mit Ueli Schmezer
Aus Kassensturz vom 22.06.2021.
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Fall 2: Krankentaggeld-Versicherung

Auch Rahel R. kämpft mit Covid-Langzeitfolgen. Sie steckte sich bei der Arbeit in einem Pflegeheim an. Ihren Beruf als Pflegefachfrau kann sie nicht mehr ausüben. «Ich fühle mich nur noch als halber Mensch, bin schnell am Ende meiner Kräfte», erzählt die fünffache Mutter. Ihr Hausarzt hält in einem Attest fest: «Die Patientin leidet an einem Post-Covid-Fatigue-Syndrom. Aktuell gibt es weder einheitliche Diagnosekriterien noch Behandlungsmethoden.»

Als ich Corona-Erkrankte pflegte, war es recht. Jetzt habe ich das Gefühl, man lässt mich hängen.
Autor: Rahel R.

Rahel R.s Krankentaggeldversicherung Vaudoise akzeptierte dieses Arztzeugnis nicht. Sie übernahm die Lohnzahlungen während der Arbeitsunfähigkeit, teilte nun aber mit, sie stelle die Leistungen ein. Begründung: Ein einfaches Arztzeugnis reiche nicht aus. Es brauche «einen Bericht mit neuen, wichtigen medizinischen Informationen». Und: «Die Untersuchung durch einen fachkundigen Psychiater ergab keine Diagnose mit Krankheitswert oder Auswirkung auf die Arbeitsunfähigkeit.»

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Milo Puhan, Epidemiologe Uni Zürich: «Erschöpfungssymptome nach viralen Infektionen sind keine Neuheit.»
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Bei Rahel R. bleibt Verzweiflung und Wut: «Als ich Corona-Erkrankte pflegte, war das recht. Jetzt habe ich das Gefühl, man lässt mich hängen.»

Immerhin: Auf Anfrage von «Kassensturz» schreibt die Vaudoise: «Um das Risiko zu vermeiden, ein echtes long-Covid-Syndrom zu übersehen, werden wir Frau R. weiteren Untersuchungen zuführen.»

Hier finden Sie Hilfe in der Coronazeit

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Corona beschäftigt uns alle. Unten finden Sie eine Liste mit Hotlines und Ratgebern rund um Corona.

BAG Infoline Coronavirus, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen: 058 463 00 00 (täglich 6 bis 23 Uhr)

BAG Infoline Corona-Impfung, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen: 058 377 88 92 (täglich 6 bis 23 Uhr)

Dureschnufe, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen: Plattform für psychische Gesundheit rund um das neue Coronavirus

Angst und Panikhilfe Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen, Hotline: 0848 801 109 (10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr)

Eltern-Notruf Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen, Hotline: 0848 35 45 55 (24x7)

Pro Juventute, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen, Hotline für Kinder- und Jugendliche: 147 (24x7)

Schweizer Sorgen-Telefon, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen: 143 (24x7)

Suchthilfe Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen: Hotline für Jugendliche im Lockdown 0800 104 104 (Di. bis Do. 9 bis 12 Uhr)

Branchenhilfe.ch, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen: Ratgeberportal für Corona betroffene Wirtschaftszweige

Kassensturz, 22.06.2021, 21:05 Uhr

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Pfister  (DoppelEben)
    Wo sind denn hier die Stimmen welche Herrn Meuri über Wochen gemobbt haben bezüglich LongCovid? Seltsam leise geworden....
    1. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Die sind alle noch da und laut wie eh und je. Einfach in den Kommentarspalten von einem anderen Artikel.
      Dieser hier ist äusserst anspruchsvoll wenn man Fakten verdrehen oder ignorieren will.
    2. Antwort von Peter Stauffacher  (Peter Stephan Stauffacher)
      Es ist eher um Long Covid leise geworden.
      Abgesehen von ein paar erklärbaren Einzelfällen ist das nur eine weitere Modediagnose. Nur schon dass hier physische und psychische Symptome wild durcheinandergemischt werden ist schlicht lächerlich. Dass die Medien da munter auf den lustigen Zug aufsteigen, verwundert ja nicht weiter. Die nächste Generation Depressionserkrankung nach dem Burnout...
  • Kommentar von Jan Rimmo  (GianR)
    Versucht mal mit positivem COVID-Test eine Zusatzversicherung bei der Krankenkasse zu bekommen!
    1. Antwort von Werner Vetterli  (KlingWe)
      Das hat aber nichts Covid zu tun. Für Zusatzversicherungen benötigen Sie immer einen Gesundheitsnachweis.
  • Kommentar von Thomas Müller  (thomas-zrh)
    Die New York Times hat letzte Woche eine Studie der amerikanischen Krankenversicherungen präsentiert. 23% aller positiv getesteten Personen leiden an Long COVID Symptomen, auch wenn sie während der positiven Zeit keine Symptome hatten. Da sollten sich die Schweizer Versicherungen Gedanken machen, ob ihre Argumentation richtig ist.