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Alliance F präsentiert eigenen Ansatz zur «Heiratsstrafe»
Aus Tagesschau vom 29.04.2019.
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Abschaffung der Heiratsstrafe Ehepaare sollen individuell Steuern bezahlen

Wenn jeder eine eigene Steuererklärung ausfüllen muss: Für traditionelle Familien mit einem Ernährer käme es teurer.

Kathrin Bertschy, Präsidentin von Alliance F und Nationalrätin der Grünliberalen, hält nicht viel von dem, was der Bundesrat zur Beseitigung der sogenannten Heiratsstrafe vorgelegt hat: «Was der Bundesrat vorschlägt, ist kein sehr intelligentes Steuermodell.»

Zurzeit müssen gewisse Zweiverdienerehepaare und zahlreiche Rentnerehepaare mehr Steuern bezahlen als Konkubinatspaare. Der Bundesrat will diese Ungerechtigkeit beseitigen, indem Verheiratete künftig zwischen einer Besteuerung, bei dem die Einkommen der Eheleute zusammengerechnet werden oder einer Besteuerung, die derjenigen von Konkubinatspaaren ähnelt, wählen könnten. In jedem Fall dürften sich Verheiratete für die günstigere Variante entscheiden.

Pro Person eine Steuererklärung

Doch dieser Vorschlag überzeuge nicht, stellt nun eine neue Ecoplan-Studie fest. Sie propagiert stattdessen ein Modell, das schon mehrmals im politischen Prozess gescheitert ist: Die Individualbesteuerung. Das heisst, dass jede Person eine eigene Steuerklärungen ausfüllen soll. Verheiratete mit Kindern sollen zudem von einem günstigeren Elterntarif profitieren können.

Dieses Modell würde laut der Studie nicht nur rund 20’000 zusätzliche Vollzeitstellen schaffen wie im Bundesratsmodell, sondern deutlich mehr, weil Doppelverdiener steuerlich nicht mehr benachteiligt würden.

Alliance-F-Präsidentin Bertschy sagt dazu: «Im Gegensatz zum Vorschlag des Bundesrates würde eine modifizierte Individualbesteuerung viel bessere Beschäftigungseffekte auslösen. Die Autoren der Studie rechnen mit bis zu 60'000 Vollzeit-äquivalenten Arbeitskräften, die neu auf den Arbeitsmarkt drängen würden.» Es seien zum grössten Teil gut ausgebildete Frauen, die heute aus verschiedenen Gründen – unter anderem, weil es sich eben wegen dem Steuersystem nicht lohnt – zu Hause blieben.

Einverdiener-Familien würden benachteiligt

Allerdings würde das Modell dazu führen, dass Verheiratete in Haushalten, in denen nur eine Person einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachgeht, deutlich mehr Steuern bezahlen müssten als heute. Profitieren würden also in erster Linie Haushalte mit Doppelverdienern. Im Parlament haben sich deshalb bisher SVP und CVP gegen die Individualbesteuerung gewehrt.

Bei der CVP hofft Bertschy jetzt aber auf ein Umdenken, wenn man zeigen könne, dass mit dem Modell mehr Stellen für Frauen geschaffen würden: «Ich glaube auch, dass die CVP bereit ist, diesen Schritt zu machen. Sie will die Heiratsstrafe abschaffen. Und wenn jetzt ein intelligenterer Vorschlag kommt, glaube ich nicht, dass sie sich dem verwehren wird.»

Die Diskussion über die richtige Besteuerung für Ehepaare startet diesen Donnerstag in der ständerätlichen Wirtschaftskommission.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Marina Zingg  (openyourmind)
    Wem dieses antiquierte Verständnis einer Ehe nicht gefällt, soll den Abstimmungstermin nicht verpassen.
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Bin erstaunt, wie wenig Leute aus den unteren Einkommen über die Heiratsstrafe wissen. Im Gegensatz zur Besteuerung, wo die Ungerechtigkeit erst nach einem Gesamteinkommen > 200'000.-- einschenkt, ist diese bei der AHV-Rente grundlegend ein Skandal. Die Einzelrente ist aktuell 2'370.--, ergo für ein Konkubinats-Paar 4'740.--. Wir, als verheiratetes Ehepaar, werden ab April 2020, 3'370.-- erhalten = 1'370.-- weniger als Unverheiratete. Für die grosse Mehrheit ist dies die "Echte Heiratsstrafe".
  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Wenn jeder arbeitender Person 12% Steuer bezahlt über seine Einkommen, wozu auch Boni etc, auch alle betrieben, auch Internet giganten, bezahlte wir alle weniger. Und der Bund muss wie wir normal Burger, auskommen mit dem was da ist.
    1. Antwort von Oliver Schaub  (Oliver Schaub)
      Nein, wir bezahlen dann nicht weniger, wir bezahlen dann 12%
    2. Antwort von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
      @Oliver Schaub da hast du natürlich recht. Damit habe ich eigentlich die zu bezahlen Steuer, so wie es momentan ist gemeint. Speziell im kanton Bern bezahle wir zu viel.