Die Stadt Bern kann das Freibad Lorraine ab Herbst 2027 umfassend erneuern. Die Stimmberechtigten haben den Baukredit über 22.3 Millionen Franken mit 83.08 Prozent angenommen. Die Stimmbeteiligung lag bei 63.9 Prozent, wie die Stadt am Sonntag mitteilte.
Sanierung Lorrainebad
Stadt Bern: Baukredit Sanierung Freibad Lorraine
-
JA
43'873 Stimmen
-
NEIN
8'937 Stimmen
Damit ist der Weg frei für die geplante Sanierung des traditionsreichen Flussbads. «Ich bin sehr glücklich über das sehr klare Ja in allen Stadtteilen, die Sanierung ist dringend notwendig», sagt die Berner Stadtpräsidentin Marieke Kruit.
Die Stadt Bern möchte das bisher durch einen Damm vom Wasser getrennte Becken künftig direkt mit der Aare verbinden. Zusätzlich sind ein separater Bereich für Kinder sowie mehr schattige Liegeflächen vorgesehen.
Zuerst als Schulbad geplant
-
Bild 1 von 5. In den 1880er-Jahren versuchte die Schulkommission Lorraine regelmässiges Schulbaden in der Aare einzuführen. Aber das Baden in der offenen Aare war in diesem Abschnitt zu gefährlich. Im Jahr 1892 wurde aus dem Quartier heraus eine Badeanlage geschaffen, das heutige Lorrainebad. Bildquelle: Zvg/Stadtarchiv Bern, SAB_1003_3: Album Nr. 3 1912 – 1942, S. 4.
-
Bild 2 von 5. In den Anfangszeiten badeten Frauen und Männer noch getrennt. Bildquelle: Zvg/Fere Scheidegger.
-
Bild 3 von 5. Das ganze Abwasser aus der Stadt floss in die Aare und somit auch in das Bad. Deshalb musste das Schulbaden eingestellt werden. Zwischen 1911 und 1918 wurde ein künstlicher Damm aufgeschüttet. Durch diese Abtrennung entstand das Schwimmbecken. Hier ein Bild datiert mit 1929. Bildquelle: Zvg/Stadtarchiv Bern.
-
Bild 4 von 5. Seit 1949 ist das Becken vollständig von der Aare abgetrennt und wird vom Grundwasser gespiesen. Das Bild stammt aus dem Jahr 1962. Bildquelle: Zvg/Walter Nydegger/Stadtarchiv Bern.
-
Bild 5 von 5. In den Jahren 1999 und 2005 führte Hochwasser dazu, dass der Boden des Schwimmbeckens mit Schlamm und Sand bedeckt ist. Laut Stadt Bern begünstigt dies das Wachstum von Algen. Bildquelle: Zvg/VLL-Archiv.
Wenn alles nach Zeitplan läuft, beginnen die Bauarbeiten nach der Badesaison 2027 und dauern rund eineinhalb Jahre. Das Freibad bleibt deshalb im Sommer 2028 geschlossen. Ursprünglich hätte der Baustart bereits 2026 erfolgen sollen – Verzögerungen bei der Planung und der notwendige Zusatzkredit hatten das Projekt jedoch zwischenzeitlich gebremst.
Das 1892 eröffnete Lorrainebad zählt zu den ältesten Flussbädern der Schweiz. Laut Gemeinderat ist die Anlage heute in einem schlechten Zustand; jedes Jahr seien provisorische Reparaturen nötig.
Es gibt Risse bei den Stützmauern bei den Liegewiesen und im Damm zur Aare hin. Nun wird es für 22.3 Millionen Franken saniert. Und es wird wieder ein «echtes» Flussbad, indem die Aare durch das Becken fliesst. Auch die Technik, die Garderoben und die Toiletten werden erneuert.
Aufwendig an der Sanierung ist insbesondere die Erschliessung: Das Bad ist nur über einen Fussweg erreichbar. Dieser Weg muss verbreitert werden. Aber die Stadtpräsidentin Marieke Kruit ist zuversichtlich, dass der Kredit von 22.3 Millionen Franken reichen wird.
Es sei nicht das erste Mal, dass die Stadt Bern eine Baupiste auf der Aare machen müsse. «Wir haben viel Erfahrung darin und deshalb konnten wir die Kosten gut einschätzen», so die Stadtpräsidentin.
Im Parlament gab es 64 Ja- zu 6 Nein-Stimmen. Dagegen war die SVP: «Die Stadt Bern in ihrer finanziellen Lage kann sich eine solch umfassende Sanierung nicht leisten», sagt Janosch Weyermann. Eine Teilsanierung sei sinnvoller.
Alle anderen Parteien waren für die Sanierung: «Das Bad ist inzwischen in einem recht desolaten Zustand, wir sind kurz davor, dass es aus Sicherheitsgründen geschlossen wird», sagt Johannes Wartenweiler (SP).