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Beratungsstellen: Mehr Gespräche über Suizidgedanken
Aus Echo der Zeit vom 27.12.2020.
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Anstieg bei den Anlaufstellen Beratungsstellen melden mehr Gespräche über Suizidgedanken

Gemäss einer Studie der Universität Basel ist die Anzahl von Personen mit schweren depressiven Symptomen seit Februar kontinuierlich gestiegen. Inzwischen ist demnach fast jede fünfte Person betroffen.

Bei der Beratungsstelle Pro Mente Sana zeige sich ein klares Bild, sagt Geschäftsführer Roger Staub. «Wir beobachten in der Telefonberatung einen deutlichen Anstieg zu Fragen zu Suizid-Themen und Menschen, die sich in der Not an uns wenden.»

Deutlicher Anstieg bei den Anlaufstellen

Auch die Anlaufstellen von Pro Juventute und der Dargebotenen Hand sehen einen klaren Anstieg. Gerade seit dem Herbst häuften sich Gespräche zum Thema Suizid in einem Mass, wie es die Dargebotene Hand noch nie gesehen habe, sagt Geschäftsführerin Sabine Basler. «Wahrscheinlich sind es im Moment zwischen 20 und 25 Gespräche zu diesem Thema, die wir täglich haben.»

Schild.
Legende: Organisationen wie die Dargebotene Hand verzeichnen zurzeit viele Anrufe von Menschen in Schwierigkeiten. Keystone

Das sei aussergewöhnlich, denn im langjährigen Mittel habe man 13 Anrufe pro Tag, bei denen es im Gespräch um Suizidalität gehe, so Basler.

Existenzängste und wirtschaftliche Lage

Die Beobachtungen der Meldestellen deuten darauf hin, dass Suizidgedanken in der Gesellschaft häufiger werden. Laut eines Berichts im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit würden gerade Existenzängste und die wirtschaftliche Lage bei vielen Menschen psychische Leiden hervorrufen, wodurch sich auch Suizidgedanken häufen könnten.

Roger Staub von Pro Mente Sana vermutet, dass nun auch die Zahl der Suizide steigen wird und betont, dass die Lage schon vor Corona bedenklich war. «Über tausend Menschen haben sich pro Jahr das Leben genommen. Wenn das Ganze nun durch Corona so verschlimmert wird, dass mehr Leute Suizidgedanken haben, müssen wir auch damit rechnen, dass die Zahl der Suizidversuche zunimmt und am Schluss dann auch die Zahl der Suizidtoten.»

Denkst du darüber nach, deinem Leben ein Ende zu setzen? Viele Menschen getrauen sich nicht, diese Frage zu stellen.
Autor: Roger StaubPro Mente Sana

Menschen mit Suizidgedanken rät Roger Staub, sich professionelle Hilfe zu suchen. Aber auch Freunde oder Familienmitglieder könnten Erste Hilfe leisten, indem sie bei Hinweisen auf Suizidgedanken offen das Gespräch suchten.

Erster Schritt zur Besserung

«Denkst du darüber nach, deinem Leben ein Ende zu setzen? Viele Menschen getrauen sich nicht, diese Frage zu stellen, weil man meint, man dürfe ja nichts sagen, weil sonst die Leute sich erst recht das Leben nehmen», sagt Staub.

Die Forschung aber zeige, dass es genau umgekehrt sei. «Diese Menschen möchten angesprochen werden, möchten mit jemandem, dem sie vertrauen, darüber reden», so Staub.

Ein solches Gespräch könne Betroffene entlasten und der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung sein. Ein Weg, den man auch mit professioneller Hilfe beschreiten solle.

Brauchen Sie Hilfe?

Es gibt verschiedene Stellen, an die sich Menschen in suizidalen Krisensituationen wenden können. Rund um die Uhr, vertraulich und kostenlos.

Echo der Zeit, 27.12.2020, 18:00 Uhr;

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78 Kommentare

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  • Kommentar von Katrin Maier  (Katma)
    Es macht mich traurig, wenn ich hier einige Kommentare sehe. Ein fehlendes Mitgefühl, für alle Betroffenen. Mir scheint es, als möchten gewisse die Not dieser Menschen instrumentalisieren.

    Es ist eine belastende Zeit für uns alle. Auch für Menschen wie mich, die verstehen, warum es die Massnahmen braucht.

    Ich versuche die psychische Belastung abzufangen, indem ich mich öfters telefonisch oder per Skype mit Freunden austausche. Das hilft ihnen und mir, diese Zeit zu überstehen.
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    1. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Solange uns das Freizeitverhalten wichtiger ist als 6500+ Tote, ist es lächerlich, wenn man sich über die Konsequenzen dieses egoistischen Treibens enerviert. Statt über Konsequenzen zu jammern, wäre diese Zeit besser in aktive Unterstützung präventiver Maßnahmen investiert.
      Wenn wir die Krise schon nicht lösen wollen, soll sich auch niemand über Tote aufregen, sondern zu den Konsequenzen des eigenen Handelns stehen.
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    2. Antwort von Katrin Maier  (Katma)
      @Baron
      Ich verstehe nicht ganz, inwiefern sich Ihre Antwort auf meinen Kommentar bezieht. Auf welchen Annahmen beruht ihr Vorwurf an mich? Ich halte mich an die Massnahmen - dazu gehört auch, dass ich mein Freizeitverhalten dementsprechend angepasst hab. Damit unterstütze ich die direkt Betroffenen der Pandemie. Zudem versuche ich mich und meine Bekannten dabei zu unterstützen, die psychischen Folgen abzufangen.

      Sie „jammern“ also hier an der falschen Stelle....
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  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Wenn Covid Schuld ist - weshalb tun wir denn so wenig dagegen und warten ab bis das Tier weiter mutiert bis es dann mal wirklich gefährlich ist und die Impfung nichts mehr nützt? Warum wagen wir nicht mal den VERSUCH die Fallzahlen auf Null zu bringen wie es andere Staaten tun? Weshalb richten sich Fallzaheln nur nach Spitalbetten, derweil der Virus jeden einzelnen Tag, allein in der Schweiz 5000+ neue Wirte zum Mutieren sucht?
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  • Kommentar von Olivier Klossner  (Oli61)
    Sind die selbstmord Opfer auch in der Statistik "im zusammengang mit Corona gestorben"?
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