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Herstellerländer werben mit politischen Deals
Aus 10 vor 10 vom 10.05.2021.
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Baldiger Bundesratsentscheid Vieles spricht für einen europäischen Kampfjet

Noch vor den Sommerferien entscheidet der Bundesrat, mit welchen Kampfflugzeugen die Luftwaffe nach 2030 fliegen soll.

Beim Thema Kampfjet will der Bundesrat bald Klarheit schaffen. Die Länder der beiden europäischen Hersteller werben mit einer umfangreichen politischen Zusammenarbeit. Besonders laut wirbt Michael Flügger, Deutscher Botschafter in der Schweiz. «Wir können obendrauf noch ein sicherheitspolitisches Paket legen», erklärt er.

Was er damit meint: Der Schweiz wurde nicht nur der Kampfjet Eurofighter offeriert, sondern eine umfangreiche sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den vier Herstellernationen Deutschland, Grossbritannien, Italien und Spanien. «Wir können grenzüberschreitend Lagebilder vermitteln und Kooperationen bei der Bekämpfung von Cyber-Bedrohungen und hybrider Konflikte», führt Flügger aus, «das ist interessant für die Schweiz».

«Bundesrat entscheidet nach subjektiven Kriterien»

Macht am Schluss das Flugzeug mit dem besten politischen Paket das Rennen? Gut möglich, meint Peter Schneider, ehemaliger Oberst im Generalstab und Chefredaktor der Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift.

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Peter Schneider, Verteidigungsexperte: «Subjektive und politische Kriterien sind entscheidend»
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Von der Leistung her würden die vier angebotenen Flugzeugtypen wohl nicht sehr weit auseinanderliegen, «sonst wären sie kaum zu Tests zugelassen worden», erklärt der Verteidigungsexperte. Der Bundesrat entscheide nach «subjektiven Kriterien, dem Preis und dem politischen Angebot». Entscheidend sei, was die Herstellerländer neben den Flugzeugen sonst noch bieten würden.

Frankreich lässt sich nicht in Karten blicken

Ein politisches Paket hat auch Frankreich – Herstellerland des zweiten europäischen Jets, des Rafale – eingereicht. Verteidigungsministerin Florence Parly besuchte im März die zuständige Bundesrätin Viola Amherd. Vor den Medien umriss sie das politische Paket aber nur vage.

Frankreich lässt sich nicht gerne in die Karten blicken. Amherd liess durchblicken: Das politische Angebot spielt durchaus eine Rolle. «Der Bundesrat hat die Möglichkeit, auch strategisch-politische Überlegungen einzubringen», erklärte die Verteidigungsministerin damals.

Europäische Jets mit Vorteilen

Die strategisch-politischen Überlegungen würden eher für ein europäisches Kampfflugzeug sprechen, analysiert Verteidigungsexperte Peter Schneider: «Der Vorteil der beiden Europäer: Sie haben eine gemeinsame Grenze mit uns.» Es sei beispielsweise sehr einfach, für Trainings in die Nachbarländer zu fliegen und abends wieder zurück.

Ein weiterer Grund, der gegen die beiden US-Jets spricht: Die Gsoa, die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee, denkt laut über eine Volksinitiative nach, sollte sich der Bundesrat für US-Kampfjets entscheiden.

Es ist fraglich, ob der Bundesrat das Risiko einer Volksinitiative in Kauf nehmen möchte, nachdem sich im vergangenen Herbst nur eine hauchdünne Mehrheit der Stimmbevölkerung für den 6-Milliarden-Franken-Kredit zum Kauf neuer Kampfjets ausgesprochen hatte.

Keine Verknüpfung mit Rahmenabkommen

Der deutsche Botschafter rechnet sich gute Chancen aus für seinen Eurofighter. Das politische Angebot habe aber auch seine Grenzen. Was die Schweiz kaum erwarten könne: Mehr Entgegenkommen beim festgefahrenen Rahmenvertrag. «Das sind zwei getrennte Verträge, die auch so behandelt werden sollten», erklärt Flügger.

Trotzdem: Welcher Kampfjet in Zukunft am Schweizer Himmel fliegt, hängt auch vom politischen Angebot der Hersteller-Länder ab.

Text der die Postergrafik beschreibt

10 vor 10, 10.5.2021, 21:50 Uhr

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96 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Graf  (grefele)
    Mann könnte ja auch das Rahmenabkommen mit der EU mit ins Spiel bringen. Nur so ganz am Rande.
  • Kommentar von Peter Bosshard  (Milan48)
    Die drei Kandidaten Hornet E, Rafale und Eurofighter sind Auslaufmodelle und entsprechen der 4. Generation wie unsere F/A-18 auch. Sie sind faktisch am Ende ihrer Entwicklungsmöglichkeiten angelangt während die F-35 am Anfang steht. Kein weitsichtiger Manager würde in veraltete Technologie investieren. Die Ersatzteilkosten für veraltete Flugzeuge steigen während sie beim F-35 derzeit sinken. Es ist sinnvoll, bei der Beschaffung in die nächste Geländekammer zu blicken!
    1. Antwort von Bernhard Roos  (roosbe)
      Das Problem mit Stealth: Sehr wartungsintensiv, geht auf Wendigkeit und ev. mit neuen Radaranlagen auch bald obsolet. In 20 Jahren werden doch Typhoon, Rafale, F-18E/F ausgemustert, und dann werden Ersatzteile für alle anderen teurer (ausser der Typ wird noch massig verkauft). Dann gäbe es noch den Gripen E: günstig, etwas leistungsschwächer, modern, aber aktuell weltweit noch geringe Stückzahlen, dafür auch lange verfügbar (aber nicht mehr dabei). Jet Auswahl ist wie zwischen Pest & Cholera.
    2. Antwort von Andreas Pfister  (apfi)
      Stealth: Schon die F-117 wurde als 'für das Radar unsichtbar' bejubelt, trotzdem haben die Serben in den 90ern mit zusammengeschalteten Russischen Radars eine Kiste runtergeholt.
      Ich frage mich, warum die USA sich dermassen gewehrt hat, dass die Türkei russische Luftabwehrsysteme gekauft hat. Vielleicht weil sie damit beweisen können, dass der F-35 doch nicht so unsichtbar ist? Die Russen selbst würden sich hüten, zu sagen, dass es ein leichtes ist für sie, den Vogel vom Himmel zu holen.
    3. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      @Pfister: Die Russischen Luftabwehrraketen müssen z.B. auch Freund/Feind Erkennung haben. Dazu müssen die beiden Systeme Flugzeug - Luftabwehr miteinander kommunikativ vernetzt sein.
      In der Türkei ist viel Show im Spiel, denn auch die Russen werden den Türken, als Nato Land nicht die geheimen Daten ihrer besten Abwehrwaffen rausrücken...
  • Kommentar von Peter Joos  (Joop50)
    Wenn wir schon unsere Kampfjets ersetzen wollen, dann bitte mit einem Flieger der neusten, der 5. Generation, und das trifft nur auf den F-35 zu. Komisch, dass sich auch EU-Kleinstaaten wie Dänemark und die Niederlanden für den F-35 entschieden haben. Wieso also nicht auch die Schweiz? Die europ. Flieger sind ebenfalls Teil der NATO und somit unter der Führung der USA. Fliegt da die CIA nicht auch mit? Und mit der Mirage aus F haben wir ja tolle Erfahrungen gemacht :-( Die beste Lösung: der F-35
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Die Frage ist, soll die Schweiz teil der NATO werden ( bleiben) sollte.
      Bzw, ob die Schweiz sich als Teil/Partner der NATO sieht.
      Das wäre das einzig sinnvolle Szenario, warum sie Flieger braucht.
      Aber dann kann sich die Schweiz nicht mehr neutral nennen.
      Will sie aber neutral bleiben, dann nützen auch 40-50 Flieger gegen eine Invsasionsmacht von DE, FR, GB, USA, CN oder RU nichts ...
      Eine solide Luftabwehr kostet weniger als die Flieger
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Maciek Luczynsk: Ein Szenario, dass wir von DE, FR, GB, USA, CN oder RU, vermutlich noch gleichzeitig, angegriffen werden, ist doch total weltfremd. Fakt ist, dass wir, mit oder ohne NATO-Mitgliedschaft, ein Teil von Europa sind und von uns erwartet wird, dass wir in der Lage sind, unser Territorium im Kriegsfall selber verteidigen zu können. Die NATO hätte keine Ressourcen, uns beizustehen, wenn wir uns als Trittbrettfahrerin der NATO verhalten würden.
    3. Antwort von Andreas Pfister  (apfi)
      Einen unausgegorenen Flieger wie die F-35 ausgerüstet mit Bananen-Software (..reift beim Kunden) zu bestellen wäre sehr mutig. Man sollte andere sich eine platte Nase holen und die ellenlange Liste der Kinderkrankheiten zahlen lassen, und auf bewährte Technologien setzen. Der Rafale ist immer noch Top-Notch und sichert wohl am ehesten, dass nur der CH Pilot mit im Cockpit sitzt. Das sog. 'Generationen'-Argument ist Augenwischerei. Elektron. Komponenten können ersetzt oder geupdatet werden.
    4. Antwort von Bernhard Roos  (roosbe)
      @Andreas Pfister: Nur F-35 & Gripen E können einfach upgedated werden. Bei den anderen ist dafür eine komplette Rezertifizierung notwendig, und das ist sehr teuer und aufwendig. Klar ein Punkt der für Gripen E sprechen würde, weil Software, Hardware und Sensoren unkompliziert aktualisiert werden können. Darum Schade, dass dieser Typ beim Testverfahren rausflog, werden wir ev. in Zukunft noch bereuen.