Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Brandkatastrophe Crans-Montana Brandexperte zu neuen Ermittlungsfotos von «Le Constellation»

Fotos aus den Ermittlungsakten zeigen das Ausmass der Brandkatastrophe – ein Brandermittler ordnet ein.

Beim Brand in der Silvesternacht in der Bar «Le Constellation» starben 41 Menschen. Die Bilder aus den Ermittlungsakten zeigen das Innere der Unglücksbar am Tag danach.

Der Riegel war verschlossen

Im Erdgeschoss der Bar gab es zwei Ausgänge. Der Ausgang, der zur Seite nach draussen führte war laut Geschäftsführer Jacques Moretti eine Servicetür.

3D-Grundriss eines Hauses mit roten Pfeilen zur Terrasse.
Legende: Im Erdgeschoss gab es zwei Ausgänge. Einer davon war in der Unglücksnacht verriegelt. SRF (Baupläne, Fotos, Video, Zeugenaussagen)

In der Unglücksnacht war die Türe mit einem Riegel verschlossen – weshalb, ist nicht geklärt. Offizielle Dokumente zeigen, dass diese Tür von der Gemeinde als Notausgang deklariert wurde. Moretti sei das nicht bewusst gewesen.

Alte Türverriegelung aus Metall.
Legende: Die Türe, die offiziell als Notausgang deklariert war befand sich seitlich neben dem Bartresen und war in der Brandnacht verriegelt. SRF/Ermittlungsakten

Der zweite Ausgang führte auf die Terrasse der Bar. Die zwei Flügeltüren liessen sich nur nach innen öffnen.

Durch das starke Gedränge an der Tür schafften es viele Menschen nicht, das Gebäude rechtzeitig zu verlassen. Vorschriftsgemäss muss sich die Türe in die Fluchtrichtung öffnen lassen.

Über die schmale Treppe ins UG

Über die Treppe gelangte man ins Untergeschoss. Die Treppe wurde bei einem Umbau auf ungefähr 1.40 Meter verengt. Das verstösst nicht gegen Vorschriften, sorgte aber dafür, dass sich die Menschenmassen vor der Treppe stauten.

Im Untergeschoss befand sich ein Notausgang, der in der Unglücksnacht jedoch mit einem Stuhl verstellt war, wie frühere SRF-Recherchen offenlegten.

Der Notausgang war im hinteren Teil der Bar auf der linken Seite eines Durchgangs, der die Hauptbar mit der kleineren, versteckten Bar «Le Clandestine» und dem Fumoir verband.

Weitere Bilder zeigen verheerendes Ausmass

Auf weiteren Bildern erkennt man die Folgen des Brandes. Der brennbare Akustik-Schaumstoff ist beinahe vollständig abgebrannt. Laut Aussagen eines Lieferanten soll sich Moretti aus Budgetgründen für eine kostengünstigere, nicht feuerfeste Variante entschieden haben – entgegen Empfehlungen des Lieferanten. Moretti sei davon ausgegangen, dass auch dieser feuerfest sei.

Neue Vorwürfe gegen Jacques Moretti

Box aufklappen Box zuklappen

Ein Lieferant hat schwere Vorwürfe gegen Jacques Moretti erhoben, wie mehrere italienische Medien, darunter «Il Messagero» berichten. In einer E-Mail an die Polizei von Crans-Montana gab der Mann demnach an, die Inneneinrichtung des Lokals im Jahr 2016 realisiert zu haben. Er erklärte, dass er damals die Installation einer feuerfesten Schaumstoffverkleidung vorgeschlagen habe. Diese habe Jacques Moretti aber aus Budgetgründen abgelehnt. Sie seien davon ausgegangen, dass die gekauften Paneele ebenfalls feuerfest seien.

Der Mann soll laut den Medienberichten zudem angeboten haben, auszusagen, da er die Räumlichkeiten vor der Wiedereröffnung nach dem Umbau im Jahr 2015 besichtigt habe und dabei massive Sicherheitsmängel festgestellt habe. «Ich verstehe nicht, wie die Einrichtung eine Betriebsgenehmigung erhalten konnte», soll der Lieferant geschrieben haben, der nach eigenen Angaben zwischen 1991 und 1995 als operativ Verantwortlicher für eine Hotelkette in Frankreich tätig gewesen war.

Crans-Montana war nicht der einzige Fall, der auf solche Verkleidungen zurückzuführen ist. 2003 gab es im Nachtclub «The Station» auf Rhode Island ein Feuer, bei dem 100 Menschen starben. Die Ursache: Der brennbare Akustik Schaum hat sich nach einer Pyro-Show entzündet. Der deutsche Brandursachenermittler Markus Knorr kennt den Fall gut.

Laut Knorr sind genau diese Verkleidungen ein gängiger Fehler bei der Brandprävention. Er hat die Fotos des «Le Constellation» gesehen und äussert sich dazu. Er betont jedoch, dass man ohne Besichtigung vor Ort nie das ganze Bild haben könne.

Seine Einschätzungen scheinen bisherige Eindrücke zu bestätigen. «Die ersten Einschätzungen gehen in die Richtung, dass dieser Schaum eine wesentliche Rolle gespielt hat und die Hauptbrandlast war». So war es auch bei dem Brand in Rhode Island.

Dass Kunststoffe eine wesentlich höhere Brandgefahr darstellen können, das wird oft unterschätzt.
Autor: Markus Knorr Deutscher Brandursachenermittler

Den Menschen sei oft nicht bewusst, wie brennbar solche Materialien sind. «Jeder weiss, wie sich Holz verhält. Das ist relativ gut abschätzbar. Dass Kunststoffe aber eine wesentlich höhere Brandgefahr darstellen können, das wird eben oft nicht gesehen und unterschätzt», erklärt Knorr.

Tagesschau 13.02.2026, 19:30

Meistgelesene Artikel