Der neue Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler, ist seit drei Monaten im Amt. Seit dem 10. Januar hat er sich nicht mehr zur Brandkatastrophe in Crans-Montana geäussert. Nun beendet er sein selbst auferlegtes Schweigen.
An den 1. Januar dürfte sich Frédéric Gisler gut zurückerinnern. Es ist der Tag seines Amtsantrittes als neuer Kommandant der Walliser Kantonspolizei. Und in der Nacht auf den 1. Januar ereignete sich die Brandkatastrophe in Crans-Montana.
«Wie werden wir das langfristig durchhalten?»
Gisler hat in den ersten Tagen nach der Brandkatastrophe kommuniziert, danach nicht mehr. Er habe sich entschieden, ab dem 10. Januar – dem Tag nach dem nationalen Trauertag – «im Namen der Polizei zu schweigen, um den Betroffenen Raum zu geben, sich zu erholen», sagt er im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Auch wenn man ihm erklärt habe, was in Crans-Montana geschehen sei, habe er das Gefühl gehabt, die Situation sei unwirklich. «Es war der Beginn einer emotional äusserst belastenden Zeit», sagt Gisler. Nicht nur für ihn – sondern auch für die Opfer, ihre Familien, alle Ersthelfenden und sein Personal, das sich unermüdlich eingesetzt habe, um die Krise bestmöglich zu bewältigen.
Das gesamte Polizeipersonal sei geprägt und erschöpft von den Folgen des Strafverfahrens: sowohl die Kriminalpolizei als auch die Gendarmerie. «Wie werden wir das langfristig durchhalten?» – das sei die Frage, die ihn beschäftige.
Ich hätte nicht gedacht, eine solche Verantwortung tragen zu müssen.
Zudem sei es schwer zu ertragen, wenn man als Kommandant sein Personal in Einsätze schicke, im Wissen, dass sie nicht unversehrt daraus hervorgehen würden. «Ich hätte nicht gedacht, eine solche Verantwortung tragen zu müssen», sagt Gisler und erklärt weiter: «Ich versuche, die notwendigen Mittel zu finden, um sie psychologisch und finanziell zu unterstützen.»
Um die Brandkatastrophe zu bewältigen, habe er beim Vorsteher seines Departements zusätzliche Stellen beantragt. «Die genaue Anzahl nenne ich nicht», sagt Gisler und präzisiert, dass es mehr als eine Stelle sei.
Der Kommandant der Walliser Kantonspolizei geht im Interview mit Keystone-SDA auf die Anhörung von Jessica Moretti Mitte Februar ein. Zusammen mit ihrem Mann besitzt sie die Bar «Le Constellation», in der sich die Brandkatastrophe ereignete.
Das Ehepaar Moretti wurde im Vorfeld der Anhörung von Angehörigen der Opfer angegriffen. «Diese Szene hätte nie passieren dürfen», sagt Gisler. Allerdings habe das Ehepaar Moretti aus eigenem Antrieb den Sicherheitsbereich verlassen, um die Familien zu treffen. «Seitdem haben wir unsere Abläufe angepasst.»
Vertrauen der Bevölkerung stärken
Angesprochen wird auch das Image der Walliser Kantonspolizei seit der Brandkatastrophe. Gisler spricht von Dankesbekundungen an alle Mitarbeitende auf der Strasse und in Geschäften. Er gibt zu: «Das habe ich noch nie erlebt.» Und es motiviere ihn zusätzlich, das Vertrauen der Bevölkerung zu stärken, damit das Zusammenleben im Wallis weiterhin gut funktioniere.