Zum Inhalt springen

Header

Video
Urs Leuthard: Der Bundesrat hat über die Köpfe hinweg entschieden
Aus Tagesschau vom 12.08.2020.
abspielen
Inhalt

Bundesrats-Entscheid Um jeden Preis eine gewisse Normalität schaffen

Der Bundesrat hat sich mit dem Entscheid, Grossveranstaltungen mit über 1000 Besuchern ab Oktober wieder zuzulassen, über die Bedenken der meisten Kantone und auch der eigenen wissenschaftlichen Taskforce hinweggesetzt.

Und das am Tag, an dem die höchste Zahl von Neu-Infektionen seit Aufhebung des Lockdowns bekannt gegeben wurde. Man kann das mutig oder fahrlässig nennen. Der Schluss liegt nahe, dass das massive Lobbying der Sportverbände und der Kulturbranche in den letzten Wochen gewirkt hat und der Bundesrat eingeknickt ist.

Bundesrat will gewisse Normalität

Wenn man die heutige Medienkonferenz aber genauer verfolgt hat, ist eine andere Folgerung wahrscheinlicher: Der Bundesrat will um jeden Preis eine gewisse Normalität schaffen im Land. Das Virus wird nicht so schnell verschwinden, das betonen die Regierungsmitglieder bei jeder Gelegenheit, und deshalb müssen wir uns an ein Leben mit dem Virus gewöhnen.

Dazu gehört aus Sicht des Bundesrats auch, dass wir in diesem neuen normalen Leben Fussballspiele, Rockkonzerte und Messeveranstaltungen besuchen können. Dafür ist man bereit, ein gewisses Risiko einzugehen, oder wie es die Bundespräsidentin heute an der Medienkonferenz ausgedrückt hat: Je grösser die Lockerungen sind, desto grösser ist die Verantwortung.

Verantwortung tragen andere

Doch diese Verantwortung gibt man gleich weiter; an die Kantone, die die Veranstaltungen bewilligen, die Schutzkonzepte kontrollieren und das Contact Tracing sicherstellen sollen; an die Veranstalter, die die Schutzkonzepte erstellen und dafür geradestehen müssen; und auch an uns alle, die Besucherinnen und Besucher der Konzerte, Matches und Messen, die wir uns verantwortungsvoll zu verhalten haben.

Das ist nicht grundsätzlich falsch in einem Land, in dem Föderalismus und Selbstverantwortung mehr zählen als in vielen anderen Ländern. Wenn man aber in den letzten Wochen erlebt hat, wie schnell Kantone mit dem Contact-Tracing an den Anschlag kommen, oder wie viele Menschen auf den Strassen und an Veranstaltungen schon jetzt wieder tun, als ob es nie ein Corona gegeben hat: Dann fragt man sich, ob das nicht etwas zu viel Verantwortung ist, die der Bundesrat da abschiebt.

Urs Leuthard

Urs Leuthard

Leiter TV-Bundeshausredaktion SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Seit Sommer 2020 ist Urs Leuthard Leiter der Bundeshausredaktion von Fernsehen SRF. Bereits seit 2002 moderiert er das «Abstimmungsstudio» und analysiert Wahlen und Abstimmungen. Bis 2008 war er Moderator und Redaktionsleiter der «Arena», danach wechselte er zur «Rundschau», bevor er 2012 die Redaktionsleitung der «Tagesschau» übernahm. Ab 2016 leitete Urs Leuthard die Newsroom-Entwicklung beim Fernsehen SRF.

Tagesschau, 12.8.2020, 18:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

75 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Dagmar Blaettler  (dbm)
    In diesen Corona Zeiten + Hitze, erlebe ich täglich, dass Eigenverantwortung für allzu viele ein Fremdwort zu sein scheint. Unser BR sollte wenigstens über eine Masken Pflicht für alle geschlossenen Räumen bis auf Weiteres verfügen.
    Ausschlieslich wirtschaftliche Interessen zu berücksichtigen kann nicht die Lösung sein . Wichtiger wäre ein Umdenken über unsere Lebensart. Aber auch Demut, Bescheidenheit, Rücksicht und Solidarität in unser Vokabular und Denken aufzunehmen.
    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      D.B. betr. Maskenpflicht ist für gewisse schwer zu verstehen, da zuerst gesagt wurde Masken nützen nichts. Auch wurde vom BAG gesagt,man könnte sich in falscher Sicherheit wähnen. Die ganze Unsicherheit bringt vieles durcheinander. Betr. Lebensart gebe ich Ihnen recht, nur dies geht leider nicht von heute auf morgen. In der CH wurde den Jungen Menschen der Wohlstand in die Wiege gelegt,damit sie es besser haben, als die frühere Kriegsgeneration. Wohlstand erhalt war Politisch ein grosses Thema.
  • Kommentar von Ueli Schlatter  (TELL.CH)
    Der Bundesrat riskiert damit einen zweiten Lockdown und die totale Zerstörung der Schweiz! Aber diesem Gremium ist ja die Schweiz sowieso egal!
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Egal ist es ihnen sicherlich nicht, aber sie finden kein gesundes Mittelmass..und das verärgert die Bevölkerung.
  • Kommentar von Dominic Müller  (Domi3)
    "Mit dem Virus leben" und "Massenveranstaltungen erlauben" ist für mich nicht wirklich das gleiche - Was wird gemacht, wenn in 2 Monaten 1000 Infizierte pro Tag sind - Wieder alles ändern?
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Aber sicher Herr Müller. Das ist es was ich kritisiere. Kein gesundes Mittelmass finden. Und das verärgert die Menschen. Anstatt erst einmal
      abzuwarten was das Ferienende ergibt, werden Versprechungen gemacht, die dann nicht eingehalten werden können.