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Realistisch informieren und keine falschen Hoffnungen wecken
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.02.2021.
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Corona-Massnahmen Michael Hermann: «Die Pandemie zehrt an den Ressourcen der Leute»

Trotz sinkender Ansteckungszahlen will der Bundesrat nichts von Lockerungen wissen – zu unsicher sei die Situation mit den neuen Viren-Varianten. In der Tat bleibe der Landesregierung derzeit wohl nichts anderes übrig, als die bestehenden Massnahmen laufend zu überprüfen und zu optimieren, sagt der Politgeograf Michael Hermann – auch wenn die Corona-Müdigkeit vor allem bei den Jungen zunehme.

Michael Hermann

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Der Politikgeograf Michael Hermann ist Leiter der Forschungsstelle Sotomo. Er beschäftigt sich seit einem Jahr mit der Stimmung der Bevölkerung während Corona-Pandemie. Die 6. Sotomo-Umfrage im Auftrag der SRG hatte im Januar gezeigt, dass die Bevölkerung nicht mehr so klar hinter den Corona-Massnahmen des Bundes steht wie noch im vergangenen Oktober.

SRF News: Shutdown bis mindestens Ende Februar, keine Lockerungen in Sicht. Wie kommt das bei der Bevölkerung an?

Michael Hermann: Seit Januar haben wir zwar keine neuen Daten erhoben, aber wir sehen einen interessanten Zeitverlauf: Während dem ersten Lockdown – und auch noch im Herbst – wollte die Bevölkerung eher strengere Massnahmen als die Politiker.

Bei der Haltung der Bevölkerung zu den Massnahmen spielen auch die persönlichen und psychischen Folgen eine Rolle.

In der letzten Januarbefragung sahen wir dann erstmals etwas anderes: Manche Massnahmen – wie das Homeoffice – werden stark mitgetragen, anderes – wie etwa die Schliessung der Läden oder mögliche Schulschliessungen – werden nicht mehr von der Mehrheit unterstützt. Die Bevölkerung hat also eine sehr differenzierte Haltung. Auch spielen dabei nicht nur der Gesundheitsschutz oder die Wirtschaft, sondern auch die persönlichen und psychischen Folgen eine Rolle.

Welche Einschränkungen belasten die Bevölkerung psychisch am stärksten?

Ein grosses Thema sind Schulschliessungen. In der ersten Welle hat das die Eltern stark getroffen, davor fürchten sich jetzt viele. Dank den derzeit geöffneten Schulen ist die Ausdauer zum Durchhalten in der Bevölkerung wohl etwas grösser, als wenn die Schulen geschlossen wären und die Kinder – neben der Arbeit im Homeoffice – zu Hause betreut werden müssten.

Immer mehr belastet die Leute aber auch die Einsamkeit, das Fehlen von Kontakten und von Spontaneität. Inzwischen sagt eine Mehrheit, sie leide unter der sozialen Isolation.

Jugendliche leiden am stärksten

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Unter den eingeschränkten sozialen Kontakten leiden vor allem junge Menschen, sagt Hermann: «Den Jugendlichen geht es grundsätzlich – im Gegensatz zu den Älteren – weniger darum, bestehende Kontakte zu pflegen, sondern darum, neue Leute kennenzulernen, in den Ausgang zu gehen, spontan zu sein.» Dieses aktive Sozialleben sei jetzt gestört. Nicht zu vergessen auch, dass die jungen Menschen doppelt benachteiligt seien: «Sie sind gesundheitlich am wenigsten stark von Covid-19 betroffen, müssen aber die grössten Einschränkungen hinnehmen.» Entsprechend habe das Verständnis für die harten Massnahnen bei den Jüngeren seit letztem Frühling abgenommen. Den Älteren dagegen eröffne sich mit der Impfmöglichkeit jetzt eine neue Perspektive. Sie seien für die strengen Massnahmen, bis die Bevölkerung geimpft ist.

Ist die Bevölkerung im Vergleich zum vergangenen Sommer jetzt Corona-müder?

Im Sommer hatten viele das Gefühl, das Schlimmste sei vorbei, die Stimmung wurde besser. Doch inzwischen ist die Pandemie quasi zu einem chronischen Leiden geworden, das den Alltag stark prägt. Das zehrt an den Ressourcen der Leute.

Wäre es deshalb nicht umso wichtiger, dass der Bundesrat eine Ausstiegsperspektive präsentieren würde?

In Krisensituationen ist es am wichtigsten, dass man realistisch kommuniziert und keine falschen Hoffnungen weckt. Die Bevölkerung ist sehr gut über die Pandemie informiert. Sie rechnet nicht mehr mit einer schnellen Normalisierung der Lage, wie unsere Januar-Umfrage zeigte.

Eine Perspektive muss man der Bevölkerung in dem Sinn bieten, dass man sich bemüht, die Massnahmen möglichst zu optimieren: Dazu gehören etwa Massentests, um Schulschliessungen zu verhindern oder die stetige Überprüfung der Massnahmen. Man muss zeigen, dass man in jeder Situation versucht, das Beste daraus zu machen und nicht einfach ein starres Programm verfolgt.

Wie beurteilen Sie die Kommunikation des Bundesrats während der Pandemie?

Weil es in der ersten Welle sehr gut gelaufen ist, war der Bundesrat zunächst allzu optimistisch, doch daraus hat er gelernt – wenn auch sehr schmerzhaft. Ihm wurde klar, dass es keinen schweizerischen Sonderweg gibt. Jetzt sind wir auf einem realistischeren Pfad. Trotzdem ist das Vertrauen der Bevölkerung in den Bundesrat im Vergleich zum letzten Frühling tief – dies, weil er im Herbst viel Vertrauensbonus zerstört hat. Dieses Vertrauen muss er jetzt zuerst wieder aufbauen.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

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BAG Infoline Corona-Impfung, Link öffnet in einem neuen Fenster: 058 377 88 92 (täglich 6 bis 23 Uhr)

Dureschnufe, Link öffnet in einem neuen Fenster: Plattform für psychische Gesundheit rund um das neue Coronavirus

Angst und Panikhilfe Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster, Hotline: 0848 801 109 (10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr)

Eltern-Notruf Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster, Hotline: 0848 35 45 55 (24x7)

Pro Juventute, Link öffnet in einem neuen Fenster, Hotline für Kinder- und Jugendliche: 147 (24x7)

Schweizer Sorgen-Telefon, Link öffnet in einem neuen Fenster: 143 (24x7)

Suchthilfe Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster: Hotline für Jugendliche im Lockdown 0800 104 104 (Di. bis Do. 9 bis 12 Uhr)

Branchenhilfe.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster: Ratgeberportal für Corona betroffene Wirtschaftszweige

SRF 4 News aktuell vom 4.2.2021, 07.20 Uhr;

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128 Kommentare

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  • Kommentar von Jay Leuthold  (Jay Leuthold)
    Die Schweiz braucht nun endlich Politiker mit Ideen, wie man trotz Corona den Lockdown reduzieren kann. Alles schliessen ist sicher die Einfachste und teuerste Lösung. Dazu braucht es Ideen, eine realistische Haltung gegenüber dem Alarmismus und etwas gesunden Menschenverstand.
    Beispiel: Wenn man weiss, dass Infizierte und Geimpfte für mindestens 9 Monate geschützt sind und die W'keit für Corona bei 0.2% liegt, dann sollte man die Restaurants für diese Gruppe endlich öffnen!
    1. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      NICHT der Mensch hat weiterhin das Sagen, vielmehr und offensichtlich aber die verschiedenen, sehr aktiven VIREN! Daher gibts nur eine Devise für die gesamte Menschheit, welche übrigens im "selben Boot" sitzt, diszipliniertes Anpassen an die weiterhin notwendigen Massnahmen, auch aus Rücksichtsnahme gegen andern Menschen!
  • Kommentar von Fabio Scheidegger  (Fabioski)
    Ich finde es nach wie vor erschreckend, dass trotz gegenteiliger WHO-Publikation die PCR-Tests als Variante zur Bestimmung der Lage unseres Landes genutzt wird. Wieso auf scheinbar nutzlose Daten stützen?
  • Kommentar von Markus Bernegger  (JohnColtrane71)
    An Franz Lehmann. Viren mutieren immer !!! Seit Millionen von Jahren
    1. Antwort von Franz Lehmann  ((DrFranz))
      Nein, echt? Und deswegen soll man einfach nichts tun? Seien Sie froh, gibt es Fortschritte wie Impfungen, Penicillin etc...
    2. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      Penicillin nützt nichts gegen Viren, DrFranz