Zum Inhalt springen

Header

Audio
Mehr Geld für das Klima?
Aus Info 3 vom 10.05.2020.
abspielen. Laufzeit 02:34 Minuten.
Inhalt

Corona-Milliarden für Klima? ETH-Forscher: «Man darf der Swiss keinen Blankoscheck ausstellen»

Die Corona-Pandemie verschafft dem Klima eine kleine Verschnaufpause. Umweltökonom Philippe Thalmann von der ETH Lausanne hat ausgerechnet, dass wenn die Wirtschaft hierzulande um fünf Prozent einbricht, die Schweizer Klimaziele 2020 unter dem UNO-Kyotoprotokoll doch noch erreicht werden könnten. Das galt vor der Coronakrise als unmöglich.

Nachhaltig aus Krise kommen

Der CO2-Ausstoss wäre dann von 1990 an gerechnet um 20 Prozent gesunken. «Die Frage ist anschliessend, wie es weitergeht: Die Minus 20 Prozent müssen grösser werden, der Absenkungspfad muss weitergehen», so Thalmann. Deshalb sei es nun wichtig, dass man nicht zu den alten Gewohnheiten zurückkehre, sondern nachhaltiger aus der Krise herauskomme.

Auch für die Schweiz gilt: Die Krise als Chance verstehen, um den CO2-Ausstoss viel stärker zu senken als in den letzten Jahren. Andernfalls werden die Klimaziele 2030 des Pariser Abkommens nicht erfüllt.

Es darf nicht sein, dass man der Swiss nun einen Blankoscheck ausstellt.
Autor: Philippe ThalmannUmweltkökonom

Das klingt einfacher als es ist, Beispiel Airlines: Die Swiss und Edelweiss bekommen vom Bund fast 1.3 Milliarden Darlehen ohne Umweltauflagen. «Die Arbeitsplätze müssen für eine gewisse Zeit gesichert werden, aber es darf nicht sein, dass man der Swiss nun einen Blankoscheck ausstellt», so Thalmann.

Mann.
Legende: Umweltökonom Thalmann sieht die Darlehen an Swiss und Edelweiss ohne Umweltauflagen kritisch. Keystone

Statt viel Geld zu leihen, hätte der Bundesrat die Zahl der erlaubten Flüge von den Schweizer Flughäfen reduzieren sollen, sagt Thalmann. Weniger Flüge, beispielsweise zwischen Zürich und London, bedeuten höhere Ticketpreise. Das hilft den Fluggesellschaften und der Minderverkehr dem Klima.

Grosse Pfadabhängigkeit

Es gelte nun, so Thalmann, sich genau zu überlegen, welche Branchen und wie stark unterstützt würden. «Man muss aufpassen, dass man in der aktuellen Dringlichkeit nichts in die Wege leitet, was später nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.» Die Pfadabhängigkeit sei enorm, besonders bei der Energie- und Klimathematik. «Baut man nun etwa wieder Ölheizungen ein, verbrennt man 30 Jahre lang Heizöl.»

Stattdessen sollten in der Schweiz die erneuerbaren Energien und die energetische Sanierung von Häusern stärker gefördert werden. Beides sei bisher zu langsam vonstattengegangen.

Zu grosse Anforderungen an Bundesrat

Wenn aber umweltfreundliche Branchen bevorzugt gestützt werden, könnten Arbeitsplätze an anderen Orten verloren gehen, so eine Kritik. Thalmann entgegnet, es sei sogar das Gegenteil der Fall: «Vieles, was man machen muss, geschieht in der Schweiz. Gebäudesanierungen etwa kann man nicht von China aus machen.» Die Massnahmen würden allesamt Arbeitsplätze schaffen und nicht vernichten.

Arbeitskräfte aus leidenden Branchen könnten für diese neuen Stellen umgeschult werde, glaubt Thalmann. Ob dies für alle Fälle gilt, ist allerdings offen. Eine grosse Gefahr sieht ETH-Ökonom Thalmann darin, dass der Bundesrat momentan zu viel in zu kurzer Zeit entscheiden müsse. «Wenn die Feuerwehr ein Haus löscht, kann man nicht gleichzeitig von ihr erwarten, dass sie auch das neue Haus entwirft.»

Frau.
Legende: Thalmann findet, dass der Bundesrat momentan zu viel in zu kurzer Zeit machen müsse. Keystone

Es brauche sozusagen einen zweiten Bundesrat, um sich die Zukunft vorstellen zu können und welcher den Bundesrat beraten würde. «Dass der Bundesrat nicht Geld in die alten Schläuche fliessen lässt, sondern neue und nachhaltige Aktivitäten unterstützt.»

Die Wissenschaftler hätten Umweltministerin Simonetta Sommaruga ihre Hilfe angeboten, aber: «Sie ist momentan mit anderen dringenden Geschäften beschäftigt.» Thalmann hofft, dass sich dies nach der Coronakrise ändere, denn die Klimakrise verschwindet nicht.

Info 3 Abend, 10.5.2020, 17:00 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

42 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    Jetzt das Gute der Coronakrise beibehalten. Wir haben erzwungenermassen viel Gutes gelernt, das wir nie ohne Corona gelernt hätten. Plötzlich merken wir, dass die tägliche "Luft" die wir vorher einatmeten nicht die Gute war. Plötzlich können wir in der Nacht wieder Sterne sehen. Wir lernten die Ruhe auszuhalten und lokal kreativ zu sein. Wir lernten Beziehungen zu vertiefen. Nutzen wir den "Gewinn" aus der Krise für unser (der Menschheit) Wohlbefinden. Danke Corona.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Martin Müller  (Nonaeol)
      Die Luft in der Schweiz war bereits vor der Corona-Zeit ausgezeichnet. In der Nacht sieht man Sterne besonders gut, wenn es wolkenlos ist und keine allzugrosse Lichtverschmutzung herrscht. Lokal kreativ und Beziehungen vertiefen konnte man schon dort der Corona-Zeit. Die Ruhe allerdings, die war z. T. schon fast gespenstisch. Aber auch schön, auf Bergen zu sein, die normalerweise überlaufen sind, wenn die Seilbahn fährt. Aber auch diskriminierend für Leute, die nicht wandern können.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      Herr Gasser, Sie haben das wunderbar ausgedrückt! Danke!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christopher Prinz  (chp)
    Ich würde gerne mal verstehen, warum die Schweiz der Lufthansa einen Kredit gewährt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
      Swiss ist eine eigenständige Schweizer Firma deren Mehrheitsbesitzer die Lufthansa ist. Es geht um Arbeitsplätze und wirtschaftliche Interessen. Was ist daran so schwierig zu verstehen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    Das CH-Kuckuksei Swiss (Lufthansa) lacht kräftig mit noch mehr Mio in der Tasche über die Dummen CH-er denn sie Wissen die CH nimmt nicht zurück was versprochen ist. CH wieder über den Tisch gezogen. Macht es Rückgängig. Referendum, Geld weg.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen