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Wie sehen die arbeitsrechtlichen Massnahmen aus?
Aus Tagesschau vom 26.02.2020.
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Coronavirus in der Schweiz Muss ich jetzt überhaupt noch ins Büro?

Das Virus ist jetzt in der Schweiz angekommen. Was für Massnahmen können vom Arbeitgeber verlangt werden, um eine Ansteckung am Arbeitsplatz zu verhindern? Und welche Massnahmen muss der Arbeitnehmer umsetzen? Thomas Geiser, Experte für Arbeitsrecht und emeritierter Professor der Hochschule St. Gallen, zu den wichtigsten Fragen.

Was müsste der Arbeitgeber in einer Pandemiesituation tun?

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, alle Massnahmen zu ergreifen, die für die Gesundheit des Arbeitnehmers notwendig sind. Diese müssen aber notwendig, angemessen und zumutbar sein. Die von den Behörden angeordneten Schutzmassen muss er zwingend umsetzen. Die Behörden geben meist aber nur Empfehlungen ab. Daher soll ein Betrieb allenfalls selbst seine Situation analysieren und zusätzliche Schutzmassnahmen treffen.

Was für Schutzmassnahmen sind zulässig?

Das hängt immer von der konkreten Art der Arbeit ab. Die Arbeitnehmer anzuhalten, Masken und Handschuhe zu tragen, sofern das die Situation am Arbeitsplatz verlangt, ist eine zumutbare Massnahme. Dass aber der Arbeitgeber die Körpertemperatur der Angestellten misst, ist heikel. Es kann aber durchaus verlangt werden, dass Spital- und Altersheimangestellte vor der Arbeit Fieber messen müssen.

Darf der Arbeitgeber eine Reise nach China oder Italien verbieten?

Es kann verlangt werden, dass der Rückkehrende für einige Zeit in Quarantäne bleibt und zu Hause arbeitet.

Darf der Arbeitnehmer nur noch von zu Hause aus arbeiten?

Das kommt ganz auf die Situation an. Der Arbeitnehmer darf nicht einfach hysterisch reagieren. Er muss eben auch die Interessen des Arbeitgebers wahren. Ich rate den Leuten in solchen Situationen immer, direkt das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen und Lösungen zu erarbeiten.

Was ist, wenn die Situation sich zuspitzt?

Wenn es schlimmer wird, können sie nicht einfach das ganze gesellschaftliche Leben lahmlegen. Es gibt einfach Betriebe, die weiterlaufen müssen. Spitäler zum Beispiel oder die Kehrichtabfuhr. Auch die Versorgung der Bevölkerung muss garantiert bleiben. Dass dann aber mehr Leute von zu Hause arbeiten, das ist in dieser Situation sicher vertretbar.

Haftet der Arbeitgeber, falls seine Angestellten während der Arbeit krank werden?

Er haftet, falls er die vorgeschriebenen Schutzmassnahmen nicht umsetzt. Aber auch ein Angestellter kann haften, wenn er krank wird und typische Symptome wie Husten und Fieber hat und trotzdem zur Arbeit geht. Ein solches Verhalten kann unter Umständen strafbar sein, wenn es ein bewusstes oder fahrlässiges Verbreiten von Krankheiten bewirkt und so das Leben anderer gefährdet.

Thomas Geiser

Thomas Geiser

Experte für Arbeitsrecht

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Prof. em. Dr. Dr. h.c. Thomas Geiser war bis Ende 2017 Professor für Recht an der Universität St. Gallen. Publiziert hat er vor allem Werke zum Arbeits-, Familien- und Erbrecht.

Tagesschau, 26.2.2020, 19:30; srf/hosb

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Sascha Ehring  (MountainmanSG)
    Ihr schreibt alle sie sollen mit der Panikmache aufhören und das Virus ist nicht schlimm! Ich habe am Samstag meinen Grossvater beerdigt, er war 89 und starb an einer normalen Erkältung die ihn so sehr geschwächt hat. Also ist es laut euch okay das die Alten und Schwachen sterben? Es ist nur ein kleines Übel? Wichtiger als eure Grosseltern ist wohl auch die Wirtschaft. Traurig was aus den Menschen geworden ist, Geld geht über Familie und das Leben anderer
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    1. Antwort von Felice Limacher  (Felimas)
      Es tut mir sehr leid Herr Ehring, dass ihr Grossvater gestorben ist. Er war sicher ein guter Mensch.
      Es ist aber von der Natur gegeben, dass zumimdest alles organische Leben einem Zyklus unterworfen ist, deren Ende absehbar ist. Nur in der Stunde der Trauer ist es wichtig dieser Tatsache ins Auge zu schauen. Alles Leben ist vergänglich und für menschliches Leben ist 89 Jahre sehr stolz. Dafür sollten wir in erster Linie sehr dankbar sein ...
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    2. Antwort von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
      Danke Frau Limacher für Ihren Kommentar, meiner in die gleiche Richtung zielender wäre wohl im Netiquettennetz hängen geblieben. Sie aber haben das vorzüglich formuliert.
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  • Kommentar von Michael Stähli  (Mich)
    Das ist doch super für die Senkung unserer Gesundheitskosten wenn noch daraufhingewiesen wird dass man sich strafbar machen könnte wenn man jemanden ansteckt. Dann ist der Entscheid ja noch leichter wenn man ein bisschen hustet.
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    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Ja, lieber alle im Büro anstecken. Das ist dann sicher super für die Wirtschaft und senkt die Kosten im Gesundheitswesen. Ironie aus. Sollte jemand dauernd simulieren, haben die Unternehmen Möglichkeiten. So viel ich weiss dürfen sie zum Beispiel bei begründetem Verdacht ein Arztzeugnis ab dem ersten Tag verlangen. Ich ärgere mich jedes mal über Kollegen und Kunden, die trotz Krankheit und Ansteckungsgefahr kommen, und dann auch noch stolz darauf sind.
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  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    Wer krank ist, muss nicht ins Büro, so einfach ist das.
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