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CVP und FDP küren Kandidaten Einerticket bei Bundesratswahl wohl passé

Legende: Audio Politologe Lutz: Einerticket scheint passé abspielen. Laufzeit 01:45 Minuten.
01:45 min, aus HeuteMorgen vom 16.11.2018.
  • Seit einem Vierteljahrhundert hat sich das Zweierticket bei Bundesratswahlen als Norm herauskristallisiert.
  • Im gesamten letzten Jahrhundert, im Zeitalter des Einertickets also, hievte das Parlament in jeder fünften Wahl einen «wilden» Kandidaten ins Amt.
  • Der Politologe Lutz von der Universität Lausanne hält für die heutige Wahl bei FDP und CVP zwei Zweiertickets für wahrscheinlich.

Der Einervorschlag ist heute verpönt: Seit 25 Jahren hat sich das Zweierticket bei Bundesratswahlen als Norm etabliert. Der Vorteil für die Parteien: Sie behalten so mehr Kontrolle.

So sagt der Politologe Georg Lutz von der Universität Lausanne: «Der Druck auf das Parlament ist bei einer Auswahl schon gross, dass dann die Vereinigte Bundesversammlung wirklich aus diesen zwei oder drei Tickets auswählt.»

Georg Lutz

Georg Lutz

Professor für Politologie

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Der Politologe Georg Lutz, Link öffnet in einem neuen Fenster ist Professor an der Universität Lausanne. Davor war er Projektleiter der Schweizer Wahlstudie «Selects» am Forschungszentrum Sozialwissenschaften FORS in Lausanne.

Ausnahmen: Wahl von Samuel Schmid und Widmer-Schlumpf

Das funktionierte in den letzten 25 Jahren auch meist – Ausnahmen waren etwa die Wahl von Samuel Schmid oder Eveline Widmer-Schlumpf. Im ganzen letzten Jahrhundert hingegen, im Zeitalter des Einertickets also, hievte das Parlament in jeder fünften Wahl einen wilden Kandidaten ins Amt, wie Lutz berechnete.

Bei den letzten beiden Bundesratswahlen hingegen war die Auswahl noch einmal grösser: Erst zum zweiten und dritten Mal gab es gar Dreiervorschläge. Solche breiten Tickets haben nach Auffassung von Lutz für die Parteien den Vorteil, «dass nicht die Partei bestimmte Gruppen oder bestimmte Landesregionen, die vertreten sein wollen, desavouieren muss, sondern diesen Entscheid dann mehr oder weniger direkt an die Vereinigte Bundesversammlung delegieren kann.»

Mit der Ticketgrösse wächst das Risiko für Parteien

Praktischerweise bleiben bei grösseren Tickets auch weniger enttäuschte Kandidaten zurück. Allerdings wachse mit der Ticketgrösse auch das Risiko, sagt Lutz. «Je mehr Kandidierende es gibt, desto schwieriger ist es natürlich, für die Parteien, falls sie denn eine Präferenz haben, auch zu steuern, wer dann am Schluss Einsitz nimmt.» Aus einem Dreiervorschlag kann das Parlament also durchaus eine Person wählen, die von der Partei nicht favorisiert wird.

Für die Ticketwahl bei FDP und CVP hält Lutz denn auch zwei Zweiertickets für die wahrscheinlichste Variante. Es wäre die Rückkehr zur Norm des letzten Vierteljahrhunderts.

Legende: Video Wer kommt bei CVP und FDP aufs Ticket? abspielen. Laufzeit 02:44 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 16.11.2018.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Nicht nur im Bundesrat, der eigentlich klar eine Mitte-Rechts-Mehrheit hat, sondern vorallem im mehrheitlich bürgerlich zusammengesetzten eidgenössischen Parlament, lehnen sich immer öfters sogenannte bürgerliche Volksvertreter an die links/grünen "Schultern"! Hoffentlich wählt die Bundesversammlung nicht zwei solche Pseudo-Bürgerliche (FDP und CVP) in den Bundesrat! Sonst wären die wochenlangen Medien-Spekulationen und Vorhersagen nutzlos ! Nur, weil das Volk im Weg steht, ist alles möglich!
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Zur Wahl aufstellen lassen, können sich alle Damen und Herren. Wer sich dann allerdings für einen Bundesratssitz "eignet" - von den Fähigkeiten her, der Charakterstärke (Rückgrat), Persönlichkeit, Leumund, muss schlussendlich ausschlaggebend sein für die Wahl! AnwärterInnen, welche seit Jahren im Parlament über "lukrative VR-Mandate" verfügen, sind nicht geeignet, da sich diese weiterhin mehr um Lobbyismus und nicht effektiv um ehrliche essentielle und existenzielle Volks-Wohl-Politik einsetzen
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  • Kommentar von Patrick Charpilloz (Skeptiker)
    Meinten Sie nicht die SVP? Die hat es ihren Kandidaten nicht nur verboten, sie hat sogar Bundesrätinnen deswegen aus der Partei ausgeschlossen. Für mich ist das mehr Diktatur als Demokratie. Aber ich gehe mit Ihnen dahingehend einig, dass die SP nicht viel besser ist. Grundsätzlich sind extreme Parteien abzulehnen, egal ob von links oder von rechts (auch wenn es sie manchmal trotzdem braucht
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    1. Antwort von martin blättler (bruggegumper)
      Schon vergessen?Es war die SP,die einem gewählten Bundesrat mit Parteiausschluss gedroht hatte,sollte er die Wahl annehmen und dieser unter Tränen nachgab.
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