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Politsche Aufarbeitung der Missstände am Universitätsspital
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 05.07.2021.
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Entscheid Zürcher Kantonsrat Das Universitätsspital Zürich soll weg von den «Göttern in Weiss»

Mehrere Affären rund um Chefärzte erschütterten 2020 das Zürcher Universitätsspital. Das Kantonsparlament will nun einen Kulturwandel.

Das Zürcher Universitätsspital (USZ) hat ein hartes Jahr hinter sich – nicht nur, weil es überdurchschnittlich viele Corona-Patienten behandelte. Zahlreiche Skandale rund um verschiedene Klinikdirektoren brachten das Spital immer wieder in die Negativ-Schlagzeilen und führten schliesslich auch zu einer Untersuchung durch das Kantonsparlament.

Akribischer Bericht deckt Missstände auf

Auf 76 Seiten berichtete die zuständige kantonsrätliche Kommission über die Missstände am Zürcher Universitätsspital. Im März dieses Jahres stellte die Kommission ihren Bericht vor, inklusive 74 Empfehlungen für das Universitätsspital, die Universität und die Regierung.

Am Montag hat nun der Kantonsrat fünf Vorstösse überwiesen, die einen Kulturwandel am Universitätsspital einläuten sollen, weg von «allmächtigen Kaderärzten, die ihre Kliniken wie kleine Königreiche führen», hin zu mehr Führung und Struktur. Diese Anliegen wurden grossmehrheitlich von allen Parteien unterstützt.

Missstände und ihre Aufarbeitung am Zürcher Unispital

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Gleich drei Chefärzte mussten 2020 ihre Posten räumen. Es ging dabei um geschönte wissenschaftliche Publikationen, um die Gefährdung von Patientinnen und Patienten – und um Bereicherungen.

Im Fokus stand vor allem der Direktor der Herzklinik, der Berichte über selbstentwickelte Herzkatheter geschönt haben soll. Die Leitung des Spitals beteuert, Konsequenzen aus den Vorfällen gezogen und Massnahmen getroffen zu haben. So stünden etwa alle drei betroffenen Kliniken unter neuer Leitung. Dadurch sei wieder Ruhe eingekehrt.

Der Zürcher Kantonsrat zog in einem Bericht etwas andere Schlüsse und attestierte dem Spital eine Angstkultur und fehlende Führung. Von zu machtvollen Klinikdirektoren, von einem falschen Fokus auf Prominenz und Renomée war die Rede. Konkrete Empfehlungen sollen dies nun ändern.

Die drei wichtigsten Empfehlungen:

1. Mehr Macht für die Spitaldirektion in Personalfragen: Bis jetzt wurden Klinikdirektorinnen und -direktoren direkt vom Spitalrat ernannt (eine Art Verwaltungsrat) und nicht von der Spitaldirektion. Neu soll die Spitaldirektion für Anstellungen verantwortlich sein. Dies gibt ihr auch die Möglichkeit, Kaderärzte zu führen und nötigenfalls in die Schranken zu weisen. Bis jetzt war dies nicht möglich.

2. Keine Doppel-Anstellungen mehr an Unispital und Universität: Bis jetzt wurden Klinikdirektorinnen und -direktoren auch immer von der Universität als Professoren angestellt. Neu soll die Anstellung ausschliesslich am USZ erfolgen. Universitätsspital und Universität sollen die Lehr- und Forschungstätigkeit gemeinsam vertraglich regeln.

3. Neuer Berufungsprozess für klinische Professuren: Ein dritter Vorstoss verlangt, dass das USZ neu mehr zu sagen hat, wenn es um die Berufung von klinischen Professuren geht. Bis jetzt war dies weitgehend Sache der Universität, die vor allem auf exzellente Forscherinnen und Forscher setzte. Ob diese sich als Führungspersonen am Unispital eigneten, spielte eine untergeordnete Rolle. Das Universitätsspital hatte nur eine Art Vetorecht, wenn es um Berufungen ging. Dieses wurde offenbar nur selten genutzt, da es das Verhältnis zwischen Spital und Universität belastet hätte.

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Aus dem Archiv: Zürcher Kantonsrat begrenzt Löhne von Kaderärzten
Aus Schweiz aktuell vom 15.06.2021.
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In der Diskussion im Zürcher Kantonsrat betonten erneut viele Rednerinnen und Redner die Wichtigkeit eines Kulturwandels am USZ. Vor allem die wirre, undurchsichtige Organisation wurde angeprangert – so sei zum Beispiel aufgrund der Strukturen oft nicht klar gewesen, wer wessen Chef sei. Einzelne Ratsmitglieder gaben sich aber auch selbstkritisch: So hätte es schon vor zehn Jahren Vorstösse gegeben, die sich mit den unübersichtlichen Strukturen befasst hätten. Passiert sei nichts.

Lohndeckel für Kaderärztinnen und -ärzte

Noch vor der Diskussion um den Bericht hiess das Zürcher Kantonsparlament das neue Spitalgesetz gut. Dies soll unter anderem Lohnexzesse und Fehlanreize beseitigen: So erhalten Kaderärzte nicht einfach mehr Geld, wenn sie häufiger operieren. Neu gibt es einen «Lohndeckel», dieser liegt bei einer Million Franken.

SRF 1, Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 05.07.2021, 12:03 Uhr;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Gebauer  (Mäde)
    Ich dachte die "Götter in Weiss" seien in der Schweiz kein Thema mehr. Kann es sein, dass wir diese Herrenreiterattitüde aus Deutschland importiert haben? Dort halten sich die Akademiker für besonders wichtig, während bei uns in dieser Hinsicht eine Entspannung festzustellen ist. Aus Sicht des Patienten ist für mich ein Arzt nur ein Dienstleister. Ich als mündiger Patient begegne Ärzten auch entsprechend. Aber offenbar hat es noch viele Ärzte die das Gefühl haben etwas Besonderes zu sein.
  • Kommentar von André R. Miserez  (arm)
    @Weilenmann: Mehr Verwaltung bedeutet (noch) mehr Verwaltung. Da muss ich Ihnen Recht geben. Ursprünglich wurde diese auf den ersten Blick unlogische Konsequenz erstmals 1955 im sogenannten Parkinsonsche Gesetz zum Bürokratiewachstum formuliert (C.N. Parkinson, 1909-1993).
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Endlich wurde ein Lohndeckel gezogen, nur ist dieser mehr als doppelt zu hoch. Denn ich finde, kein vom Bund, von Kantonen und Gemeinden angestellter "Manager" oder sonstige Führungspersönlichkeit, auch im ganzen Bereich des Gesundheitswesens, sollte mehr verdienen als ein Bundesrat. In der freien Wirtschaft sind manche Bezüge ins Unermessliche angestiegen, doch dort haben das die Aktionäre zu verantworten. Doch beim Staat und seinen AGs sind Steuerzahler und KK-Prämienzahler die Geschädigten.
    1. Antwort von Robert Frei  (RFrei)
      Es ist schade, dass die -meist unsachliche- Neid-Diskussion auch bei den Menschen nicht halt macht, die ihr Leben für unser Wohl einsetzen.
    2. Antwort von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
      auch bei Privaten Firmen ist es die Bevölkerung die indirekt darunter leidet. Wenn sich eine Firma mit Krediten und anderen Mitteln Profit erwirtschaftet, diesen aber nicht versteuert oder nur teilweise, sind auch wir die Geschädigten.