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Forderung nach Weiterbau der Neat Richtung Chiasso
Aus Echo der Zeit vom 11.12.2020.
abspielen. Laufzeit 04:09 Minuten.
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Fahrplanwechsel im Tessin Der unerfüllte Traum der Tessiner von «Lugano Sud»

Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag bricht im Tessin dank Ceneri-Tunnel ein neues ÖV-Zeitalter an. Aber nur bis Lugano.

Vor Lugano schiessen die Züge mit rund 200 Stundenkilometern aus dem Ceneri-Tunnel. Danach holpern sie gemächlich auf der alten Trasse dem See entlang durch die Dörfer in Richtung Chiasso. Das könne nicht sein, die Neat müsse unterirdisch bis Chiasso weitergebaut werden, fordern lautstark und regelmässig Tessiner Politiker.

«Der Gotthard- und Ceneri-Basistunnel sind gewaltige Bauwerke, aber es sind unfertige Werke, weil sie in Lugano enden», unterstreicht FDP-Nationalrat Alex Farinelli. Damit die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene wirklich gelinge, brauche es die unterirdische Verbindung nach Chiasso. Ohne diesen Weiterzug sei die Neat unfertig und nicht zufriedenstellend.

Ohne diesen Weiterzug ist die Neat unfertig und nicht zufriedenstellend.
Autor: Alex FarinelliNationalrat (FDP/TI)

Die Tessiner Regierung soll jetzt eine Studie in Auftrag geben, die den Schaden dieser nicht fertig gebauten Neat in Zahlen aufzeigt. Dafür hat sich das Parlament für einmal einstimmig ausgesprochen. Das Ziel: Handfeste Beweise in Bundesbern für den Weiterbau der Neat nach Süden.

Das Tunnel-Portal des Ceneri-Basistunnels der Neat in Camorino. Der 15,4 Kilometer lange Tunnel mit zwei Röhren wurde am 4. September 2020 feierlich eröffnet.
Legende: Das Tunnel-Portal des Ceneri-Basistunnels der Neat in Camorino in der Magadinoebene. Der 15.4 Kilometer lange Tunnel mit zwei einspurigen Röhren wurde am 4. September 2020 feierlich eröffnet. Die Bauzeit betrug zwölf Jahre. Geschwindigkeiten von bis zu 250 Km/h sind möglich. Keystone

In Bern kenne man die Bedürfnisse der Region nach einem Ausbau zwischen Lugano und Chiasso gut, sagt Olivia Ebinger, Sprecherin beim Bundesamt für Verkehr: «Solche Wünsche gibt es vielerorts in der Schweiz. Nur reicht das Geld nicht für all diese Bedürfnisse.» Die Neat unterirdisch in Richtung Süden weiterzubauen, würde mehrere Milliarden Franken kosten.

Solche Wünsche gibt es vielerorts in der Schweiz. Nur reicht das Geld nicht für all diese Bedürfnisse.
Autor: Olivia EbingerSprecherin, Bundesamt für Verkehr BAV

Die Bedürfnisse beim Bahnausbau werden heute dort erfüllt, wo die Kapazitäten knapp sind, wo es Engpässe gibt und wo Sitzplätze fehlen. Und die fehlen im Tessin eben nicht. Die Züge sind nicht völlig ausgelastet und entsprechend sind die Kriterien für den Ausbauschritt an die Grenze nicht erfüllt.

Dank dem Ceneri-Basistunnels halbieren sich die Fahrzeiten innerhalb des Kantons. Die Fahrt von Locarno nach Lugano dauert noch eine halbe Stunde.
Legende: Dank dem Ceneri-Basistunnel halbieren sich die Fahrzeiten innerhalb des Kantons. Die Fahrt von Locarno nach Lugano dauert noch eine halbe Stunde. Keystone

Mehr Lobbying für neue Kriterien?

Das könnte sich laut Ebinger aber ändern, wenn die Politik die Kriterien anpasst: «Wenn sich zum Beispiel die Politik dafür entscheidet, dass eine kürzere Fahrzeit wichtiger ist, dann verschiebt sich die Priorisierung der Projekte.» Wenn es den Tessinern mit dem Weiterbau der Neat Richtung Chiasso also ernst ist, müssen sich in Bern für andere Entscheidungskriterien bei Bahnprojekten einsetzen.

Lobbyieren die Tessiner Politiker in Bern genug für das Projekt? «Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich waren wir zu stark mit anderen Themen wie etwa dem Ceneri-Tunnel beschäftigt, der für uns enorm wichtig ist» räumt Farinelli ein: Jetzt müssten aber die Kräfte für den Bau von Lugano Sud gebündelt werden.

Jetzt müssen wir aber wirklich die Kräfte für den Bau von Lugano Sud bündeln.
Autor: Alex FarinellaNationalrat (FDP/TI)

Wenn es den Tessinerinnen und Tessinern gelingt, die ausschlaggebenden Kriterien zu ändern, damit die unterirdischen Geleise bis nach Chiasso gebaut werden, brauchen sie allerdings Geduld. Denn ein solcher Bau würde frühestens in 30 Jahren Realität.

Echo der Zeit, 11.12.2020, 18:00 Uhr

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Lothar Drack  (spprSso)
    @pdfguru: Die Strecke über Luino ist für den Güterverkehr wesentlich und gehört ausgebaut. Der öV im Tessin und in die Lombardei muss ausgebaut werden (viel Potenzial läge bei sog. «Waterbus», in andern Städten schon Alltag!) aber gleichzeitig müsste die betroffenen Bevölkerung auch lernen, diesen öV sinnvoll zu nutzen: Da ist noch sehr viel (auch abgasfreie!) Luft nach oben. Tessin = schweizweit höchste Dichte von Verbrennungsmotoren pro Haushalt! (2. Anlauf, 1. gestern um 22:20)
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  • Kommentar von Heidy Rüegg  (heidy70)
    Die NEAT wurde gebaut, damit der Schwerverkehr auf die Schienen m u s s. Die Schweiz hat ihr Soll erfüllt und 2Tunnels erbaut. Aber die Deutschen und die Italiener waren nicht fähig in der Zeit ihre Anschlüsse zu erstellen. Mann muss jetzt für den Schwerverkehr aus dem Ausland eine sehr hohe Maut verlangen, damit diese 2 Länder vorwärts machen, sonst werden die nie gebaut.
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    1. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      im Süden ist einiges getan worden. Aber wenn man das nicht hören will, na ja…
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  • Kommentar von Fritz Meier  (FriMe)
    Die Schienenkapazitäten für den Güterverkehr reichn zusammen mit der Luinolinie aus (6 Gütertrassen je Richtung u. Std.). Die Tessiner Politiker sollen sich viel eher dafür stark machen, die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene zu forcieren. Solange DE trotz Staatsvertrag die Kapazitäten nördlich Basel nicht endlich ausbaut, werden nämlich nicht mal diejenigen Trasseekapazitäten des GBT/CBT voll genutzt werden können. Lugano Sud bringt da keine Verbesserung.
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    1. Antwort von Heidy Rüegg  (heidy70)
      Und dann hat die SBB andere Prioritäten, damjt auch ältere Menschen den öV benützen können, sind sie schon mal auf der Welle im HB Bern angekommen oder in Malleray, oder in Moutier, bin ich aus dem Zug gefallen so hoch sind dort das Ein- und Aussteigen. Seit Jahren muss mich meine Tochter mit dem Auto alle drei Wochen in den Spital nach Moutier fahren, und nach 5 Stunden wieder abholen, weil ich ohne Hilfe nicht nicht einsteigen kann, bin 85 Jahre alt.
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