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Der Ceneri-Basistunnel - Das Jahrhundertbauwerk
Aus Rendez-vous vom 04.09.2020.
abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
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Ceneri-Basistunnel Blut, Schweiss und Tränen – die Geschichte der Neat

Kostensteigerungen, geologische Probleme und immer wieder Debatten: Über all die Jahre hat der Bau der Neat die Politik stark beschäftigt – und sogar zum Rücktritt eines Bundesrats geführt. Ein Rückblick.

Wer die Geschichte der neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) erzählen will, der kommt um einen Mann nicht herum: Adolf Ogi. 1987 wurde der Berner Oberländer in den Bundesrat gewählt – und als Verkehrsminister kämpfte er seit Beginn für das Riesenprojekt.

In einer Parlamentsdebatte von 1991 forderte Ogi von den Nationalrätinnen und Nationalräten mehr Feuer für die Neat: «Nur eines hat mir ein Stück weit gefehlt: Der begeisternde Blick nach vorne! Dieser begeisternde Blick auf das Ganze, meine Damen und Herren. Sie sind es, die heute über das Jahrhundertwerk beschliessen!»

Finanzierung ist umstritten

Ogi gelang es, seine Begeisterung erst auf das Parlament und dann auf die Bevölkerung zu übertragen. Im September 1992 sagten die Stimmberechtigten mit fast 64 Prozent an der Urne deutlich Ja zur Neat. Doch nach diesem wichtigen Entscheid war die Bahn noch nicht frei.

otto stich
Legende: Otto Stich war gegen den Lötschbergtunnel und mit seiner Meinung im Bundesrat in der Minderheit. Er zog die Konsequenzen daraus – und trat 1995 zurück. (Bild von 1991) Keystone

Denn die Finanzierung des Megaprojektes war umstritten. Der damalige SP-Finanzminister Otto Stich befürchtete, zwei Basistunnel könnten die Eidgenossenschaft finanziell überfordern. Deshalb plädierte er dafür, nur einen Basistunnel zu bauen, jenen am Gotthard.

Das wäre besser gewesen, fand Stich auch Jahre später noch: «Der Lötschberg ist aus meiner Sicht völlig überflüssig. Deshalb bin ich auch zurückgetreten: Die Verantwortung für diese Finanzierung konnte ich nicht übernehmen.» Weil die Mehrheit im Bundesrat für zwei Röhren war, trat Stich also zurück.

Adolf Ogi
Legende: Spatenstich zur zweiten Gotthardröhre in Faido: Verkehrsminister Ogi löst am 22. September 1993 die Sprengung aus. Keystone

1993 begannen dann die ersten Bauarbeiten für einen Sondierstollen für den Gotthard-Basistunnel. Sehr zur Freude von Verkehrsminister Ogi: «Wir bauen die Zukunft der Schweiz in Europa. Berg heil, viel Glück und – vor allem – viel Mut!»

Leuenberger übernimmt das Dossier

Später wechselte Ogi ins Militärdepartement und Moritz Leuenberger übernahm als Verkehrsminister das Neat-Dossier. Auch in seiner Amtszeit musste das Projekt viele Hürden nehmen: Schwierigkeiten und Verzögerungen beim Bau machten die beiden Basistunnel immer teurer, was für heftige Diskussionen sorgte. Mit der Einführung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe LSVA 1998 konnte man die Finanzierung der Neat aber sichern.

Es war hart, das Ganze. Ich dachte manchmal, die ganze Welt sei gegen mich.
Autor: Adolf Ogizum Durchstich des Gotthard-Basistunnels

2007 wurde schliesslich der Lötschberg-Basistunnel eröffnet – und dann im Oktober 2010 der grosse Tag im Gotthard: Die Tunnelbohrmaschine Sissi bricht durchs letzte Gestein. Der Durchstich des längsten Eisenbahntunnels der Welt ist Tatsache. Ein grosser Tag für die Tunnelarbeiter und die Mineure. Sie gedachten auch ihrer acht Kollegen, die beim Bau ums Leben gekommen waren.

Adolf Ogi und Moritz Leuenberger
Legende: Freude herrscht: Alt Bundesrat Adolf Ogi und damals noch Bundesrat Moritz Leuenberger beim Durchstich des Gotthardtunnels 2010. Keystone

Und auch der finanzielle Preis war hoch. Die Kosten waren von ursprünglich geplanten 15 Milliarden Franken auf 23 Milliarden gestiegen. Und doch: Das Werk war vollbracht. Deshalb war es auch ein grosser Tag für den früheren Verkehrsminister Adolf Ogi: Er hatte diesen Moment 20 Jahre lang herbeigesehnt – und war überwältigt: «Jetzt muss ich halt ‹briegge› (weinen). Es war hart, das Ganze. Ich dachte manchmal, die ganze Welt sei gegen mich.»

Rendez-vous vom 4.9.2020

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    1. Unverständlich dass man A. OGI nicht eingeladen hat.
    2. Die „kleine „ Schweiz hat die sich selbst gestellten Aufgaben vollumfänglich erfüllt. Die grossen Diskutierer aus dem Land nördlich bringen es nicht fertig auch nur annähernd an unsere Leistung heranzukommen. 2040 - vielleicht, aber ständig grosse Sprüche klopfen und andere belehren, das ist die Brisanz in all diesen Dingen.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Klaus KREUTER: Offiziell sei es wegen Covid, dass man nur auf Sparflamme gefeiert hat. Ich verstehe es auch nicht, denn es war ja alles draussen. Bin Ihrer Meinung und man hätte da ruhig pompöser einweihen können. Schliesslich ist das der Abschluss eine Jahrhundertbauwerks, das die Schweiz aus eigener Kraft gestemmt hat.