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Ständerats-Kommission fordert Meldestelle für Missstände im Sport
Aus Rendez-vous vom 10.11.2020.
abspielen. Laufzeit 02:38 Minuten.
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Klima der Angst in Magglingen Politik will junge Athletinnen besser schützen

Opfer von Missständen im Sport sollen sich an eine Meldestelle wenden können. Das fordert eine Kommission des Ständerats.

Ehemalige Turnerinnen, die zwischen 2005 und 2020 im Leistungszentrum des Schweizerischen Turnverbandes in Magglingen trainiert haben, haben im «Tages-Anzeiger» von einem Klima der Unterdrückung und Angst berichtet.

Die Politik reagierte schockiert auf diese Erlebnisberichte und will jetzt handeln – und zwar mit einer unabhängigen Meldestelle im Sportbereich.

Germann
Legende: Hannes Germann von der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerates setzt sich für die Schaffung einer Meldestelle für Fälle von Missbräuchen im Sport ein. Keystone

Der zuständige Kommissionspräsident Hannes Germann sagt. «Es braucht jetzt Schritte, die aufzeigen, dass man gewillt ist, diesen Missständen Abhilfe zu verschaffen. Wir müssen das schwächste Glied in der gesamten Kette – die Athletinnen und Athleten – stärken. Das können wir mit dieser Stelle tun.»

Meldestelle nur ein Puzzleteil

Dem Schaffhauser SVP-Ständerat schwebt vor, dass diese neu zu schaffende Anlauf- oder Meldestelle zusammen mit den Sportverbänden lanciert werden soll. «Ich bin sicher, dass diese Meldestelle auch eine präventive Wirkung haben kann», so Germann. Ob dies reicht, um künftige Missbrauchsfälle zu verhindern? SRF-Sportredaktor Adrian Wicki zweifelt: «Es ist ganz sicher ein Puzzleteilchen dazu. Aber es braucht eben auch Strukturen innerhalb des Sports, die den Opfern helfen, sollte es zu Missständen kommen.»

Die Opfer seien mit Whistleblowern zu vergleichen, so Wicki. «Und die werden in der Schweiz bekanntlich auch nicht geschützt, werden schnell von Opfern zu Tätern.» Dennoch sei es ein wichtiges Signal, dass jetzt die Politik eingreife. «Der Sport scheitert immer wieder, wenn es sich selber regulieren will.» Das sehe man bei der Dopingproblematik am besten, findet Wicki.

Ausweitung auf Bundesverwaltung

«Dopingbekämpfung funktioniert nur, wenn die Politik eingreift und unabhängige Institutionen wie etwa Anti-Doping-Schweiz unterstützt. Oder wenn die Polizei Razzien durchführt oder die Justiz die Täter verurteilt. Von dem her ist diese Meldestelle ein wichtiger und richtiger Schritt.»

Sportzentrum Magglingen
Legende: Das Nationale Sportzentrum Magglingen hoch über dem Bielersee beherbergt das Bundesamt für Sport (Baspo) und – als Teil davon – die Eidgenössische Hochschule für Sport. Keystone

Die Politik will also aktiv werden gegen systematische Erniedrigungen im Sportbereich. Den SP-Frauen reicht dies allerdings nicht. Sie wollen eine breitere Lösung. Eine parlamentarische Aufsichtsdelegation soll gegen sexuelle Belästigung, Mobbing und Diskriminierung vorgehen – und zwar in allen Betrieben und Institutionen, welche mit öffentlichen Geldern finanziert werden. Dazu gehört das Sportzentrum Magglingen, aber genauso auch die Bundesverwaltung.

Video
Aus dem Archiv: Die Schweizer Turnwelt in negativen Schlagzeilen
Aus sportpanorama vom 08.11.2020.
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Rendez-vous, 10.11.2020, 12:30 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Schärer  (Schärer)
    Die erste Frage die sich hier wirklich stellt ist doch, wollen wir Spitzensportler mit Chancen auf vordere Platzierungen an Meisterschaften oder ein bisschen mitmachen? Diese Fragen sind wohl entscheidend für einen Wandel in den Trainingsmethoden!
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  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Der Missbrauch war und ist nicht auf Magglingen begrenzt, er ist konstituierender Bestandteil von Spitzensport, nicht überall in gleichem Mass, aber er lauert überall, in versch.Form, als Ausbeutung in der Familie zum Geschäftsmodell, Psychoterror, sexuelle Ausbeutung, Schinderei. Solange das TV-Publ. und die Kinder- und Jugendpsychiatrie das naiv als "geschmeidig" und "anmutig" bestaunt, ändert nichts. Lit: Jelinek „Die Klavierspielerin“, Arantxa Sanches. Film: Brodmann „Die Eismütter“. Etc.
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  • Kommentar von Rudolf Räber  (Eins)
    Hat bei diesem Thema ev. auch schon mal jemand an die Eltern der Turnerinnen gedacht. Oft sehen wir krasse Ansrüche von Eltern, die am Rand des Tennisplatzes stehen. Ein eindrückliches Beispiel ist Timea Bacsinszky. Ähnliches zu sehen auch bei Eltern, die nicht direkt als Trainer involviert sind. Und wie steht es mit uns selber und den Reportern, die immer übermenschlichere Leistungen fordern?
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