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Hilfe für Long-Covid-Patientinnen und Patienten
Aus Rendez-vous vom 10.05.2021.
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Langzeitfolgen der Infektion Neues Netzwerk soll Long-Covid-Betroffenen helfen

Ein von der Lungenliga Zürich initiiertes Netzwerk soll Menschen helfen, die unter den Folgen einer Corona-Infektion leiden.

Im Dezember erkrankte die 41-jährige Ostschweizerin Michèle an Corona. Sie machte, wie sie selber sagt, einen mittelschweren Krankheitsverlauf durch. Drei Wochen hütete sie das Bett, dann glaubte sie, die Krankheit überwunden zu haben. Doch als die Marketingspezialistin am Computer einen Gutscheincode eintippen wollte, konnte sie zwar die Buchstaben scharf sehen, aber nicht lesen, was da geschrieben stand.

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Aus dem Archiv: Welche Faktoren bei Long-Covid mitspielen
Aus Puls vom 01.03.2021.
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Dieser «Aussetzer» war eine erste Langzeitfolge ihrer Corona-Erkrankung. Weitere Symptome wie Erschöpfungszustände oder Muskelschmerzen kamen dazu. Am meisten beunruhigen Michèle aber ihre neurologischen Probleme. Sie habe das Gefühl, als sei ihr Hirn ständig vernebelt. Dazu kämen Wortfindungsstörungen und Gedächtnislücken.

Eine Krankheit viele Symptome

Long-Covid ist keine klar identifizierbare Krankheit, sondern ein Syndrom mit vielen Gesichtern. Es treten ganz unterschiedliche Symptome auf. Nach einer Befragung unter Betroffenen wurden die Beschwerden der Erkrankten in 13 Felder eingeteilt. Sie können den Kreislauf betreffen, aber auch den Schlaf oder die Atmung. Die Symptome reichen von Übelkeit bis zu Haarausfall und von Atemnot bis Geschmacksverlust.

Das ist Long-Covid

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  • Eine einheitliche, anerkannte Definition von Long-Covid existiert derzeit noch nicht. Meist spricht man von Long-Covid, wenn auch zwölf Wochen nach der Covid-19-Erkrankung noch Symptome vorliegen. Manche ziehen diese Grenze auch schon nach acht Wochen.

Long-Covid gilt als ein Syndrom. So bezeichnet man eine Kombination verschiedener Symptome, von denen noch nicht klar ist, wie sie zusammenhängen und was ihre Ursache ist. Long-Covid kann sich mit einer ganzen Reihe von Symptomen äussern wie etwa Atemnot, chronische Erschöpfung (Fatigue) oder Gelenk- und Muskelschmerzen.

Long-Covid kann alle treffen, nicht nur Angehörige von Risikogruppen oder Patienten mit einem schweren Verlauf von Covid-19. Auch junge, gesunde Personen mit einer milden Covid-19-Erkrankung können nach überstandener Infektion plötzlich von teils schwerwiegenden Symptomen betroffen sein. Für hospitalisierte Personen scheint das Risiko für Long-Covid jedoch deutlich höher zu sein. Auch Frauen dürften häufiger betroffen sein als Männer.

Diese Vielfalt an Beschwerden und Symptomen macht es schwierig, die Krankheit genau zu diagnostizieren. Eine einheitliche Definition existiert nicht. Von Long-Covid oder dem Post-Covid-Syndrom wird gesprochen, wenn eine Patientin auch zwölf Wochen nach ihrer Covid-19-Erkrankung unter Symptomen leidet.

Wie viele Menschen in der Schweiz von Long-Covid betroffen sind, ist nicht klar. Je nach Studie oder Experte gehen die Schätzungen weit auseinander. Es wird aber damit gerechnet, dass mindestens zehn Prozent aller Infizierten zwölf Wochen lang Symptome verspüren.

Man weiss noch zu wenig

«Long-Covid ist eine neue Krankheit, über die man noch nicht viel weiss», sagt Michael Schlunegger, Geschäftsführer der Lunge Zürich, der Zürcher Sektion der Lungenliga. Er steht an der Spitze des neu gegründeten Long-Covid-Netzwerks Altea. Ziel dieses Netzwerks ist es, Betroffene, Ärztinnen und Forscher zusammenzubringen und im gemeinsamen Austausch mehr über die Krankheit zu erfahren. Die Plattform ist seit einigen Wochen in Betrieb und befindet sich noch im Aufbau.

Hier finden Betroffene Unterstützung

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Das Long-Covid-Netzwerk Altea, Link öffnet in einem neuen Fenster stellt den Austausch rund um das Syndrom Long-Covid ins Zentrum. Die Plattform versteht sich als Begegnungsort für Betroffene, Angehörige, medizinisches Fachpersonal und Forschende. Sie bietet Erfahrungsberichte und Tipps, aber auch Adressen von spezialisierten Kliniken, Ärztinnen und Therapeuten. Herzstück soll ein moderiertes Forum werden, in dem sich die verschiedenen Interessierten austauschen können. Das Altea-Forum ist aber noch nicht aufgeschaltet.

Hilfe in Form von speziellen Long-Covid-Sprechstunden bieten inzwischen auch zahlreiche Spitäler an. Erste Anlaufstelle ist allerdings der Hausarzt oder die Hausärztin. «Long Covid Schweiz» ist eine private Facebook-Gruppe mit inzwischen gut 1500 Mitgliedern. In dieser Gruppe teilen Betroffene ihre Erfahrungen.

Vielen Betroffenen hilft der Austausch mit anderen Menschen, die in derselben Situation sind. Das ging auch der Ostschweizerin Michèle so. Sie fand auf Facebook eine Gruppe von Long-Covid-Betroffenen, mit der sie sich austauscht. «Wenn man hört, dass andere die gleichen Symptome und Probleme haben, weiss man wenigstens, dass man sich die Krankheit nicht einbildet.» Das ist ein erster, wichtiger Schritt. Denn oft werden Patientinnen und Patienten, die unter den Folgen einer Covid-19-Erkrankung leiden, nicht ernst genommen.

Rendez-vous, 10.05.21, 12:30 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Kathriner  (Rolf093)
    Ich hatte es,und mein Leben ist nicht mehr das gleiche
    Ich könnte hier alles aufzählen,aber man weiss oder jeder der die Symptome hatt was es anrichtet
    Auf jeden fall,es ist nicht mehr das gleiche Leben das 8 monate danach
  • Kommentar von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
    "Long-Covid ist keine klar identifizierbare Krankheit, sondern ein Syndrom mit vielen Gesichtern."

    "Ziel dieses Netzwerks ist es, Betroffene, Ärztinnen und Forscher zusammenzubringen und im gemeinsamen Austausch mehr über die Krankheit zu erfahren."

    So sind wir. Allerdings können wir es auch im Alltag als Syndrom (mit unklar definierten Symptomen) wahrnehmen. Man möchte auch mit diesem Virus nicht unbedingt Bekanntschaft machen, aber die Angst vor dem Unbekannten scheint mir übertrieben.
    1. Antwort von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
      So hat sich längst gezeigt, dass unser Immunsystem durch die Bekanntschaft mit den endemischen Coronaviren auf dieses Virus kreuzreagiert. Inwiefern diese Reaktion vor Sars-CoV-2 schützt, muss erforscht werden, ebenso, ob sich die (hochgeschraubten) Annahmen zur Herdenimmunitäts-Schwelle bestätigen. Die Kreuzreaktionen zeigen aber einfach, dass es für unseren Körper kein völlig neuartiges Virus ist. Auch gibt es einen guten Schutz nach Infektion. Ich traue meinem Körper zu, es gut zu überstehen.
    2. Antwort von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
      Ausserdem traue ich mir zu, im Alltag nach wie vor ein bisschen auf den Abstand und die eingeübte Atemtechnik zu achten, d. h. auch Risiken bewusst einzugehen, grundsätzlich aber zu schauen, mir nicht unnötig eine hohe Virenlast zu holen. Die Nähe unter fremden Leuten nervt mich eh (jetzt mehr denn je), bei Freunden und Familie ist es mir das Risiko wert (natürlich nicht, wenn sie ein besonderes Erkrankungsrisiko haben). Respekt statt Angst, d. h. keine statistisch unbegründeten Befürchtungen.
  • Kommentar von Katica Öri  (Katiöri)
    LangCovid Problem bzw. Symptome nach einer Krankheit gibt es auch nach andere schwere Krankheiten. Ich habe eine Krankheit überstanden aber nicht COVID und hatte sehr ähnlich Symptome aber mich hat man nicht so ernst genommen. Viele Krankheiten haben Nachwirkungen wie der LangCovid Symptome. Die COVID Ex-Erkrankte benehmen Sie als wären sie Exoten und hätte mehr Rechte.
    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Es braucht dazu nicht mal einen schweren Infekt! Ich war vor einigen Jahren betroffen. Der ursprüngliche Infekt war nach einer Woche Bettruhe überwunden, die bleierne, lähmende Fatigue mit Wolkenhirni dauerte den besten Teil eines Jahres. Damals hat das Ärzte nicht im geringsten interessiert, und organische Ursachen lassen sich mit den üblichen Untersuchungen auch nicht finden. Betroffene haben auf jeden Fall mein Mitgefühl!
    2. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Ich glaube übrigens nicht, dass sich Covid-Genesene mit Langzeitfolgen als Exoten mit mehr Rechten benehmen. Dieser Eindruck entsteht durch die Betichterstattung, und durch die intensive Forschung, die sich mit allen Aspekten rund um dieses Virus beschäftigt. Natürlich kann es für Betroffene mit Langzeitfolgen anderer viraler Infekte, denen jahrelang von Ärzten nicht viel Aufmerksamkeit gezollt wurde, frustrierend sein, wenn jetzt ähnliche Symptome so viel Aufmerksamkeit finden.