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Schweizer IS-Anhänger kannten sich schon länger
Aus News-Clip vom 29.01.2021.
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Lausanner Terror-Trio Attentäter von Morges war Teil eines Dschihadisten-Netzwerks

  • Der kürzlich in Paris zu 15 Jahren Haft verurteilte Schweizer «Emir» spielte eine zentrale Rolle in der Radikalisierung jenes Mannes, der das erste dschihadistische Attentat in der Schweiz verübte. Die beiden kennen sich bereits seit 2016, wie Recherchen von «10vor10» ergaben.
  • Der Attentäter von Morges stand zudem in Kontakt mit einem IS-Kämpfer in Syrien, der aus Lausanne stammt. Ihre Bekanntschaft geht rund zehn Jahre zurück, sie spielten zusammen Fussball.
  • Die Männer bilden ein Dreieck, das sich nicht nur über Chats austauschte, sondern sich auch physisch getroffen hatte und Teil einer Radikalisierungs-Dynamik einer grösseren Gruppe war.

Das Trio sitzt heute hinter Gittern: Zunächst in Frankreich der Schweizer M., «Emir» einer Gruppe von Franzosen, die Anschläge planten. Dann A., welcher mit seiner Frau 2014 nach Syrien zum IS reiste. Er ist seit drei Jahren in einer Haftanstalt im Nordosten Syriens interniert. Und auch O., er attackierte im September 2020 in Morges einen Mann mit einem Messer und tötete diesen. Die Tat hat er gestanden – er habe den «Propheten rächen» wollen. Er befindet sich in Untersuchungshaft.

Die drei Männer – alle Doppelbürger und einst in der Region Lausanne wohnhaft – kennen sich gemäss Recherchen von «10vor10» länger als bisher bekannt. M. sagte vor Gericht in Paris aus, der Jihad-Reisende A. habe sich ihm gegenüber als IS-Kämpfer bezeichnet. «Er sagte mir, er habe an der Front gekämpft und Ungläubige geköpft.» Auch habe der Schweizer IS-Kämpfer ihn aufgefordert, mit einem Messer einen Anschlag zu verüben, was er ablehnte.

Mit der App Telegram tauschten sie sich aus

Und der spätere Attentäter O. sei es gewesen, der ihm, M., erklärt habe, wie die App Telegram funktioniere. «Wir beide haben uns in einem Park in Morges getroffen», so M. vor Gericht. Die App wurde später zum Kommunikationsmittel, mit dem M. sich mit seinen Komplizen in Frankreich austauschte.

Wann das Treffen zwischen «Emir» M., und dem späteren Attentäter O. stattfand, ist nicht bekannt. Die Beziehung der beiden geht auf das Jahr 2016 zurück. In der Folge hat M. zur Radikalisierung von O. beigetragen, wie SRF-Recherchen ergaben. Später kam es zum Bruch zwischen den beiden – O. hielt den «Emir» M. für aggressiv und arrogant.

Eine grössere Gruppe im Westen von Lausanne

Das hatte aber keine Abkehr von der dschihadistischen Ideologie zur Folge. Vielmehr wandte sich O. einer für ihn legitimeren Autorität zu: dem IS-Kämpfer A. in Syrien, mit dem er sich via Telegram-Chat unterhielt. Kennengelernt hatten die beiden sich bereits 2010, offenbar auf dem Bau: Sie spielten zusammen Fussball. Später stiess M. zur Gruppe hinzu.

Das Trio war jedoch nicht allein in seiner wachsenden Dschihad-Überzeugung. Heute spricht man in Sicherheitskreisen von einer grösseren Gruppe im Westen von Lausanne. Einige scheinen noch heute aktiv zu sein.

Anschlagspläne in der Schweiz

In der Lausanner Gruppe sind auch Anschlagspläne auf Schweizer Boden diskutiert worden. Möglicherweise war dies Angeberei, doch im Sommer 2017 schien es ernst: In Bern ging eine Warnung ein – vom FBI. Dieses hatte eine der Chat-Gruppen mit Schweizer Mitgliedern infiltriert. Dort wurde das Bild eines möglichen Anschlagsziels gepostet: das Ausgehviertel «Flon» in Lausanne, wie Recherchen von RTS, Link öffnet in einem neuen Fenster ergaben.

Während es dort bei einer Idee blieb, schritt O. in Morges zur Tat. Ermittler gehen nun auch der Frage nach, wer möglicherweise im Voraus Bescheid wusste oder gar beteiligt war – im Verdacht stehen mehrere alte Bekannte des Lausanner Netzwerks.

10vor10, 28.1.2020, 21.50 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Dann wars also doch kein irrlichternder Einzeltäter! Stellt sich die Frage ob man den Tatsachen ins Auge blickt, oder ob wir weiterhin nach dem Motto fortfahren, es trifft ja so oder so nur die, die Pech haben, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein!
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Die drei Männer – alle Doppelbürger und einst in der Region Lausanne wohnhaft.
    Toll schon wieder Doppelbürger. Was läuft hier falsch? Weshalb wurden sie auch noch mit dem CH Bürgerrecht ausgestattet?
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Und wenn der Nachrichtendienst resp BUPO einmal zu früh eingreifen kommen wieder die
    Spezialisten der Bevölkerung heulend daher, viel zu viel Ueberwachung im Polizeistaat
    Schwierig so arbeiten zu müssen