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Marco Chiesa ist neuer SVP-Präsident
Aus Echo der Zeit vom 22.08.2020.
abspielen. Laufzeit 05:17 Minuten.
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Marco Chiesa neuer SVP-Chef Wird Marco Chiesa zum dritten Sünneli für die SVP?

Der Kür des 45-jährigen Tessiners Chiesa ging eine monatelange Suche voraus. Dass sich so lange kein Nachfolger für Albert Rösti fand, daran ist die SVP aber auch etwas selber schuld. Oder genauer gesagt, diejenigen, die etwas zu sagen haben in der Partei: der Parteileitungsausschuss und die Familie Blocher.

Interessenten und Interessentinnen sagten reihenweise ab, weil es keinen Lohn gibt für den Knochenjob und weil man Christoph Blocher im Nacken hat. Doch zwei getrauten sich. Alfred Heer und Andreas Glarner. Aber die Rennleitung wollte sie nicht. Andreas Glarner? Zu provokativ. Alfred Heer? Zu kritisch gegenüber Herrliberg.

Drei Wochen vor der Präsidentenkür präsentierte die SVP endlich ihren künftigen Chef. Natürlich ist Chiesa wohl eine Verlegenheitslösung. Warum würde man sonst einen Politiker als künftigen Präsidenten der grössten Schweizer Partei portieren, den nach fünf Jahren im Parlament niemand kennt und der noch nicht einmal gut Deutsch spricht? Die Verzweiflung muss gross gewesen sein.

Chiesa kann Mehrheiten finden

Marco Chiesa soll jetzt die lateinische Schweiz erobern. Jahrelang hat es die SVP dort versucht. Der Tessiner spricht Französisch, dazu ist er jovial und hat Humor. Dass er Mehrheiten finden kann, zeigte er bereits 2015. Da vertrieb er einen Parteikollegen vom Nationalratssitz. Und 2019 drängte er Filippo Lombardi von der CVP aus dem Ständerat. Solche Siege erringt man nicht nur mit Stimmen aus den eigenen Reihen.

Deshalb entpuppt sich Marco Chiesa vielleicht als gute Notlösung. Dabei ist er nicht nur nett. Er politisiert auf Parteilinie. Christoph Blocher sei sein Held, sagte er dem «Tagesanzeiger». Und die (noch) zweithöchste Blocher in der Dynastie kennt er sogar besser. Magdalena Martullo Blocher trifft Chiesa auf der Skipiste zum Kaffee. Anders wird man nicht SVP-Präsident.

Bei den SVP-Kernthemen ist Chiesa ein Hardliner

Bei den Kernthemen Ausländer und Migration gibt sich Chiesa als Hardliner. Und so grün und sozial, wie er in den letzten drei Wochen dargestellt wurde, ist er nicht. Wer seinen Smartspider mit jenem der SVP vergleicht, findet kaum Ausreisser. Er spricht sich gegen den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub und bei Smartvote gab er an, dass er eher nicht für eine Erhöhung des Rentenalters sei. Und er will, dass der Staat Kinderkrippen unterstützt. Das tönt nach einem sozialeren Gewissen, als es andere in der SVP haben.

Vielleicht ist Marco Chiesa eine Chance für die SVP. Hart in der Sache, anständig im Ton, vielleicht braucht es einen wie ihn, um zu erreichen, was die SVP in den letzten Jahren nicht geschafft hat. Leute mobilisieren. Gewinnen. Elektrisieren.

Vielleicht wird der nette Signor Chiesa sogar zu einem Sünneli, dem dritten nach jenem im Logo und Toni Brunner.

Ruth Wittwer

Ruth Wittwer

Inlandredaktorin

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Ruth Wittwer ist seit 2017 in der Inlandredaktion von Radio SRF tätig. Zuvor war sie sechs Jahre lang als freie Mitarbeiterin u.a. für Radio SRF in den USA unterwegs. Sie arbeitet seit über 25 Jahren als Journalistin, davon lange für Radio SRF 3 und noch früher für diverse Lokalradios und -zeitungen.

SRF 4 News, 15:30 Uhr, 22.08.2020

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho  (marlies artho)
    U.v.K Es gibt tatsächlich Arme in der Schweiz, es wird ja auch geholfen mit Ergänzungsleistung. Leider gibt es auch Arme die selbst verschuldet sind, z.B. Weltreise mit Pensionsgeld machen und grosszügig leben, nachher reicht das Geld nicht mehr. Oder solche die sich leisteten auf Pump mit "Kredite" zu leben, mehr Geld ausgaben als tatsächlich vorhanden und so sich verschulden. Es würde mich wirklich interessieren, wie viele Schweizer, denn Schuldenfrei Leben, Hausbesitz inklusive.
  • Kommentar von Lorenzo Ciliberto  (Lavrentius)
    Ich denke der "Typ SVP" wird bald aussterben und vielleicht auf dem Land einige Anhänger finden. Wir werden ein Amerikanischer System mit zwei (ähnlichen) Parteien haben. Um das zu sehen braucht man kein Politikwissenschaftler zu sein.
  • Kommentar von Rudolf Zgraggen  (rudolf77)
    Liebe Frau Wittwer
    Bitte nicht mehr so ein Lockvogel Titel. Der Leser/Die Leserin fragt sich, wer neben Toni Brunner das zweite Sünneli ist und erfährt erst im letzten Satz die Aufdeckung. Hat etwas Teppichverkäufer-Methode zu tun.