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Munitionsdepot Mitholz: Giftige Spuren im Wasser
Aus Schweiz aktuell vom 01.03.2021.
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Munitionslager Mitholz Spuren von Sprengstoff aus Mitholz im Wasser gefunden

Giftige Spuren von TNT aus dem ehemaligen Munitionsdepot Mitholz wurden in Flüssen und im Grundwasser gefunden.

  • 320 Tonnen giftigen Sprengstoff lagern noch in Bomben im ehemaligen Munitionsdepot Mitholz.
  • Spuren davon wurden in Flüssen und im Grundwasser gemessen, zeigen Recherchen von Schweiz Aktuell.
  • Davon wusste das VBS seit 2018, machte es aber nicht publik.
  • Die Konzentration sei sehr gering, so das VBS.

Im ehemaligen Munitionslager Mitholz im Berner Oberland befinden sich insgesamt noch 3500 Tonnen Munition. Weil das Risiko für weitere Explosionen hoch ist, sollen die Rückstände geräumt werden. Bei der Diskussion um das explosive Erbe wurden die giftigen Inhaltsstoffe der Munition aber bisher ausgeblendet.

Grafik wie viel Sprengstoff wo
Legende: Der grösste Teil des Sprengstoffs liegt im Eisenbahnstollen, ein grosser Teil in einem Schuttkegel, der bei der Explosion entstanden ist. Wo die restlichen 76 Tonnen sind, ist unklar. SRF

In Bombenhüllen lagern nämlich noch rund 320 Tonnen Sprengstoff, giftiges TNT. Die Bomben liegen im Fels oder in einem Schuttkegel, der bei einer Explosion zusammenkrachte und bei einem Teil ist der Standort unbekannt. Einige Bomben sind vom Felssturz beschädigt, zusammengedrückt und rosten vor sich hin.

Wie gefährlich ist TNT?

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Trinitrotoluol TNT ist ein Sprengstoff, er und seine Abbauprodukte sind giftig. «Man hat Hinweise darauf, dass sie die DNA schädigen können. Solche Effekte hat man beispielsweise in Studien mit Fischen festgestellt», sagt Thomas Hofstetter, Umweltchemiker bei der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETH.

In hohen Konzentrationen sind sie krebserregend. Wenn sie verdünnt und im Wasser gelöst sind, können sich grundsätzlich selbst abbauen. «Das dauert aber oft Jahrzehnte», so Hofstetter.

«Wir wissen, dass wir in Mitholz sehr viele Stoffe haben, die problematisch sind für die Umwelt», sagt Bruno Locher, Chef Raum und Umwelt beim Verteidigungsdepartement VBS. Es gehe um Sprengstoff, Trinitrotoluol (TNT) und deren Abbauprodukte. «Es handelt sich um chemische Stoffe, die in hohen Konzentrationen über längere Zeit eingenommen problematisch sein können», sagt Locher. Die Stoffe sind krebserregend.

Wasser wäscht Stoffe hinaus

Der Sprengstoff bleibt aber nicht nur im Berg. Regenwasser hat ihn in Flüsse gespült – wenn auch in einer sehr kleinen Konzentration, zeigen Messungen in unveröffentlichten Berichten des Bundes, die Schweiz Aktuell vorliegen. Geologen haben die Situation für das VBS untersucht.

Die giftigen Abbauprodukte wurden im Stegenbach, der Kander, dem Thunersee und im Grundwasser gemessen – und zwar unterhalb des Lagers. «Die festgestellte Beeinflussung stammt vom ehemaligen Munitionsdepot», heisst es im Bericht. Die Konzentrationen sind aber gering. Um eine toxische Wirkung auf Wasserorganismen zu haben, bräuchte es 500 Mal mehr, so Experten.

VBS wusste davon

Erste Funde von TNT und seinen Abbauprodukten in Mitholz datieren aus dem Jahr 2018, das VBS hat jedoch nicht darüber berichtet. «Wir haben bereits vorher gewusst, dass aus der Anlage etwas in den Thunersee herausfliesst. Aber es war weit unter den gesetzlichen Werten», sagt Bruno Locher vom VBS. Darum habe es keinen unmittelbaren Handlungsbedarf gegeben, ausser, dass sie weitermessen und die Lage überwachen würden.

Für mich ist das etwas Beunruhigendes.
Autor: Marcos BuserAltlastenexperte

Auch wenn die giftigen Spuren im Wasser gering sind, verharmlosen sollte man sie nicht, findet der Altlastenexperte Marcos Buser: «Für mich ist das unabhängig von der Grenzwertdiskussion eher etwas Beunruhigendes.» Durch die Kander würden sehr grosse Wassermengen fliessen, die Stoffe würden also stark verdünnt. Trotzdem würden die Stoffe immer wieder hineinfliessen, zeigen die regelmässigen Messungen.

Die Räumung wird zum Problem

Die Sanierung des Munitionslagers wird damit noch komplexer. Denn sobald geräumt wird, werden Schadstoffe frei. «Sie können noch so vorsichtig sein. Sobald sie das ausgraben, geht es wieder los», so Buser.

Misst das VBS die Schadstoffe am richtigen Ort?

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Wo genau die Stoffe aus dem ehemaligen Munitionslager hingespühlt werden, ist umstritten.

Letzten Mai versuchte das VBS mit einem Färbeversuch Klarheit zu schaffen. 11 Kilogramm Markierstoff wurden neben der Munition ausgeschüttet, aber nur ein kleiner Teil davon ist im Grundwasser zum Vorschein gekommen.

Stattdessen berichteten Touristen im Blausee unterhalb vom Lager, der See sei grün statt blau. Zweieinhalb Tage nach dieser angeblichen Grünfärbung führte das VBS Messungen durch, fand aber keinen Markierstoff. Ob sich das Seewasser in der Zwischenzeit ausgetauscht hat, darüber streiten sich derzeit die Experten.

Die Fischsterben im Blausee jedenfalls können nicht auf den Sprengstoff zurückgeführt werden. Diese Stoffe können die DNA von Fischen beeinflussen, nicht aber in so kurzer Zeit ein Massensterben auslösen.

Man müsse schauen, dass die Munition bei der Räumung möglichst wenig Kontakt mit Wasser habe, sagt Bruno Locher vom VBS. Beim Bergen von explosiven Altlasten setzt man aber oft Wasser zur Kühlung ein, um Selbstzündungen zu vermeiden. «Dort wo wir dies nicht vermeiden können, müssen wir schauen, dass wir das Wasser auffangen.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 01.03.2021, 17:30 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Feierabend  (Quantenmechanik)
    Sanierungskosten vom Laufenden Buget des Militärs abziehen. Nur so wird gelernt.
    1. Antwort von Hanspeter Kocher  (hpk01)
      Was genau würden Sie denn gerne lernen wollen aus einem Sachverhalt vor 75 Jahren, der ja heute anders gehandhabt werden würde, da sich die Zeiten geändert haben. Oder denken Sie, man würde ein Lager wie Mitholz heutzutage wieder bauen ?
  • Kommentar von Andreas Von Känel  (Vonkaenel)
    Aufrgund der (subjektiv) vielen Krebsfällen wird das Kandertal gelegentlich auch "ds Chrebstäli" genannt. Über die Gründe der Krebserkrankungen wurde immer wieder spekuliert (Tschernobyl, Bodenradon, die Munitionsfabrik in Wimmis, das ABC Zentrum in Spiez, ....), vielleicht würde es sich lohnen die nun vorliegende Spur etwas genauer zu untersuchen.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Erneut tritt zu Tage, wie in verschiedener Hinsicht problematisch dieses militaristische Reduit war und immer noch ist: Was hätte man im Falle einer Eroberung der Schweiz bis zu den Alpen mit Frauen und Kindern gemacht?Die hätten ja nicht Platz gehabt in den Bergtälern. Und das Munitionsdepot, das 1947 grosses Leid über Mitholz gebracht hat und immer noch bringt.Bevorstehende Evakuation.Und jetzt noch Umweltverschmutzung.Militärischer Fundamentalismus und sonst Fundamentalismen sind gefährlich!
    1. Antwort von Hanspeter Kocher  (hpk01)
      @ Ueli von Känel
      Sie sprechen hier 2 verschiedene Themen an über welche man jeweils tagelang diskutieren könnte.
      Die Zeiten ändern. Man muss heute versuchen, den Standpunkt von vor 75 Jahren zu verstehen und die Dinge unter dem damaligen Aspekt zu sehen. Ich meine damit das Lager Mitholz (das Reduit steht auf einem andren Blatt).
      Die Frage ist, wie die Menschen in 75 Jahren unsere heutigen Entscheidungen beurteilen werden. Wenn wir da nicht aufpassen, kommen wir furchtbar flach heraus.