Russische Expat-Gruppen als Spione, zum Beispiel bei Besuchen von Atomkraftwerken. Ein Bericht in der «Aargauer Zeitung» liess in den letzten Tagen aufhorchen. Laut dem Artikel gibt es russische Gruppen, die bereits dreimal einen angemeldeten geführten Besuch durch ein Schweizer AKW gemacht hätten. Entsprechend gross ist die Befürchtung, auch in den Sozialen Medien, Schweizer Atomkraftwerke würden durch derartige Gruppen ausspioniert.
Der NDB ist wachsam
Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) gibt eher allgemein Auskunft zu der Bedrohungslage via Freizeitbesuche. Der «Aargauer Zeitung» sagte der Sprecher des NDB, Christoph Gnägi: «Der NDB hat Kenntnis über Gruppenbesuche in Anlagen, die den kritischen Infrastrukturen der Schweiz zuzuordnen sind. Er beurteilt solche Vorgänge im geopolitischen Gesamtkontext permanent und steht dazu mit den zuständigen Partnern in engem Kontakt.» Zu Details machte der Sprecher keine Angaben.
Für den NDB steht fest, dass die grösste Spionagebedrohung zurzeit von Russland und China ausgeht und dass «ausländische Nachrichtendienste Ziele, zu denen auch kritische Infrastrukturen gehören, mit verschiedenen Mitteln – darunter menschlichen Quellen – bearbeiten».
Im Klartext: Die Schweizer Energieproduktion könnte für ausländische Geheimdienste durchaus interessant sein. Es stellt sich aber die Frage, ob bei einem simplen Besuch in einem AKW tatsächlich etwas in Erfahrung gebracht werden kann, was ansonsten nicht bekannt ist, und ob es möglich ist, während solcher Besuche Kontakte zum Personal zu knüpfen; Kontakte, die später ausgenutzt werden könnten, um an sensible Daten zu gelangen.
Axpo ist sensibilisiert
Axpo-Mediensprecher Christoph Trösch sagt auf Anfrage: «Die Führungen sind bewusst für die Öffentlichkeit gestaltet und enthalten keine sicherheitskritischen Informationen. Geschützte technische Details zu Sicherheits- und Sicherungssystemen werden nicht preisgegeben.»
Sensible Daten bleiben durch strikte Zugangskontrollen und Schulung der Besucherführenden geschützt.
In die sensiblen Zonen gelange man bei einem Besuch im AKW nicht und an nicht-öffentliche Informationen komme man nicht heran: «Die Sicherheitsmassnahmen sind so konzipiert, dass während öffentlicher Führungen keine nicht-öffentlichen Informationen preisgegeben werden. Sensible Daten bleiben durch strikte Zugangskontrollen und Schulung der Besucherführenden geschützt.»
Trösch sieht auch keine Gefahr, dass Mitarbeitende während einer Führung sensible Daten ausplaudern würden: «Besuchergruppen sind in sich geschlossen unterwegs und werden von der Besucherführung begleitet. Ein Kontakt von Besuchenden zu anderen Mitarbeitenden auf dem Kraftwerksareal findet nicht statt.» Damit kommt gar keine Begegnung zustande, die später zur Informationsbeschaffung ausgenutzt werden könnte.
Sprecher Trösch hält fest: «Die Axpo ist auf das Thema Spionage sensibilisiert und vorbereitet. Behörden und Anlagen arbeiteten im Spionageschutz zusammen.» Es sei strikt geregelt, dass während der Besuche nicht gefilmt oder fotografiert werden darf, das Mitführen von Handys sei untersagt. «Die Besuchenden müssen zunächst durch die Sicherheitskontrolle, die vergleichbar mit der Sicherheitskontrolle am Flughafen ist.»