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Im Tessin ist das Lohnniveau tiefer als in der Deutschschweiz
Aus HeuteMorgen vom 09.06.2020.
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Nach Lockdown fehlt das Geld Viele Tessiner ächzen unter den Schulden

Im Südkanton, der wegen seiner Nähe zu Italien von der Coronakrise am stärksten betroffen war, können viele ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Das hat auch strukturelle Gründe.

Bei der christlichen Mensa in Lugano sind die direkten Folgen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar: Dieser Tage essen dort viermal so viele Menschen gratis wie vor der Krise. Auch die Arbeitslosenzahlen steigen im Tessin.

«Es gibt immer mehr Menschen, denen die Schulden über den Kopf wachsen», sagt Simona Bernasconi von der Tessiner Schuldenberatungsstelle S.O.S. Man berate viele neue Klienten, aber auch solche, die man schon länger kenne. «Sie sagen uns jetzt: Wir schaffen es nicht mehr.»

Die Schulden wachsen immer mehr Tessinern über den Kopf.
Autor: Simona BernasconiSchuldenberaterin bei S.O.S.

Gemäss den Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) ist im Tessin jeder zweite Angestellte in Kurzarbeit. Sie erhalten bloss 80 Prozent ihres bisherigen Lohns. Das sei für viele sehr einschneidend, sagt Bernasconi. Sie könnten ihre laufenden Rechnungen, Kreditkartenschulden oder Leasingraten nicht mehr bezahlen.

Tiefere Löhne – höhere Verschuldung

Schon vor der Coronakrise waren im Tessin die Menschen schweizweit gesehen vergleichsweise stark verschuldet. Das habe auch damit zu tun, dass das Lohnniveau hier rund 20 Prozent tiefer sei als auf der anderen Seite des Gotthards, sagt die Tessiner Ökonomin Amalia Mirante.

Die Krise trifft vor allem jene, die schon vorher armutsgefährdet waren.
Autor: Amalia MiranteÖkonomin an der Università della Svizzera italiana

Zugleich sei vieles aber gleich teuer wie im Rest der Schweiz – zum Beispiel die Krankenkassenprämien.

«Diese Krise wird vor allem jene Menschen treffen, die schon vorher armutsgefährdet waren», so Mirante weiter. Betroffen seien etwa alleinerziehende Mütter.

Hinzu kämen neu all diejenigen, die sich bislang gerade so über Wasser halten konnten, ohne Reserven anlegen zu können. «Und das sind viele.»

All diese Menschen werden beim Kanton um Hilfe anklopfen. Auch wenn sehr vieles unklar ist in der aktuellen Krise: Die Finanzen des Kantons Tessin werden Ende Jahr knallrot sein.

HeuteMorgen, 09.06.2020, 06.00 Uhr

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    "Hinzu kämen neu all diejenigen, die sich bislang gerade so über Wasser halten konnten, ohne Reserven anlegen zu können." Wenn ich so in die Runde schauen frage ich mich manchmal eher : KÖNNEN die sich gerade so mal über Wasser halten oder WOLLEN sie sich eigentlich nur so gerade über Wasser halten, respektive merken die überhaupt, dass sie sich nur gerade so über Wasser halten?.
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  • Kommentar von Klaus Waldeck  (Oldie)
    Die aggressive TV-Werbung trägt sicher dazu bei das etwas "labilere" Personen sich verschulden , denn das "Verzichten" wird in den meissten Familien nicht mehr beigebracht.
    Sicher könnte den Heranwachsenden in der Schule der verantwortungsbewusste Umgang mit dem Geld beigebracht werden.
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  • Kommentar von Samuel Nogler  (semi-arid)
    Vielleicht sollte man sich hierzulande Gedanken machen, gerade jetzt in der Krise, ob es nicht töricht ist, sich für Luxusgüter wie neue Handys, Computers, Ferien, Autos etc. sich zu verschulden. Dann wäre ein Teil des Problems gelöst. Jene die wirklich unten durch müssen und kaum genug fürs Nötigste haben, tun mir sehr leid. Ich hoffe es wird ihnen geholfen. Die hoch gehandelte "Solidarität" kann bei dieser Gelegenheit praktiziert werden.
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    1. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      Warum nicht verschulden? Ist halt jetzt einfach Pech, dass man wegen Corona Arbeits- und Lohnstopp die laufenden Kosten nicht mehr decken kann....
      Der moderne livestyle ist nicht auf "Spare in der Zeit, so hast du in der Not" ausgelegt!
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