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Wölfe in der Schweiz: Wo sind die Grenzen?
Aus Echo der Zeit vom 02.09.2021.
abspielen. Laufzeit 05:29 Minuten.
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Streit ums Grossraubtier «Einen Wolf präventiv abschiessen – das bringt nichts»

Die Wölfe in der Schweiz haben in den letzten Tagen für Schlagzeilen gesorgt. Im Kanton Glarus wurden Schafe gerissen, im Kanton Graubünden kam ein Wolf einer Hirtin und ihrem Hund nahe und wenige Tage später traf eine Wandergruppe oberhalb von Sufers/GR auf mehrere Wölfe. Trotzdem sagt David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz: In der Schweiz hat es Platz für das Grossraubtier.

David Gerke

David Gerke

Präsident der Gruppe Wolf Schweiz

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David Gerke ist Präsident der Gruppe Wolf Schweiz und setzt sich für die Akzeptanz des Wolfes in der Schweiz ein.

SRF News: Wie gefährlich sind solche Begegnungen mit Wölfen?

David Gerke: Die Begegnungen mögen für Menschen als gefährlich erscheinen. Grundsätzlich muss man auch genau hinschauen. Was aber jetzt im Kanton Graubünden passiert ist, deutet nicht darauf hin, dass wirklich eine Gefahr für die Menschen bestanden hat.

Wölfe können in der Schweiz sehr gut leben und sich auch integrieren.
Autor:

Jungwölfe sind von Natur aus etwas neugieriger. Wenn ein Hund angegriffen wird, ist das selbstverständlich nicht erwünscht – aber auch keine Gefahr für den Menschen. Wölfe betrachten einen Hund als Eindringling in ihr Revier. Mit der menschlichen Präsenz hat das nichts zu tun.

In einem Fall haben die Wölfe einen Hund angegriffen – im Beisein der Hirtin. Auch die Bündner Kantonsbehörden erachten das Verhalten der Wölfe als problematisch und potenziell gefährlich. Das muss man doch ernst nehmen?

Absolut. Wölfe sind Wildtiere und ihr Verhalten ist für uns schwer zu verstehen. Für uns Menschen sind sie ein Stück weit unberechenbar. Das Wolfsverhalten muss deshalb immer beobachtet werden. Man muss schauen, was die Wölfe machen, wie sie sich verhalten, und wie sich dieses Verhalten entwickelt.

Legende: Ein Regelwerk im Umgang mit dem grauen Jäger: Beobachten und wenn nötig eingreifen sei sinnvoller als präventive Abschüsse, sagt Gerke. Keystone

Selbstverständlich braucht es da gewisse Regeln, die man festlegt. Diese Regeln halten fest, welches Wolfsverhalten in Ordnung ist und wann man eine Grenze zum unerwünschten Verhalten zieht, das man nicht mehr tolerieren kann. Wenn Wölfe einen Hund im Beisein ihrer Besitzer angreifen, ist das selbstverständlich ein Verhalten, das nicht tolerierbar ist. Hier ist ein Eingriff in dieses Rudel gerechtfertigt. Trotzdem bleibt festzuhalten: Eine Gefahr für den Menschen besteht unmittelbar nicht.

Der Kanton Graubünden hat beim Bund eine Abschussbewilligung für Jungtiere des Rudels und das Vatertier beantragt. Ist das aus Ihrer Sicht das richtige Vorgehen?

Die Schweiz ist eine Kulturlandschaft. Wölfe können in Kulturlandschaften sehr gut überleben und sich hier sehr gut integrieren. Klar ist aber auch: In Kulturlandschaften braucht es Grenzen. Es braucht Wölfe, die sich scheu verhalten und ein Verhalten aufweisen, das wir uns von ihnen wünschen. Nämlich, dass sie ein Teil des Ökosystems sind.

Einen Wolf präventiv irgendwo im Wald oder auf den Bergen abzuschiessen bringt nichts.
Autor:

Gerade deshalb ist klar, dass man das Verhalten von Wölfen, die sich Menschen zu sehr annähern, nicht akzeptieren kann – und in diesem Fall Wölfe auch regulieren kann. Den Eingriff im genannten Fall braucht es wohl.

Wie sinnvoll ist es zuzuwarten, bis eine Situation potenziell gefährlich ist? Müsste man dem Wolf nicht auch präventiv engere Grenzen setzen?

Einen Wolf präventiv irgendwo im Wald oder auf den Bergen abzuschiessen bringt nichts. Wenn man Wolfsrudel erziehen will, muss man sie dort erziehen, wo sie das unerwünschte Verhalten aufweisen. Wenn sich ein Wolfsrudel in unmittelbarer Dorfnähe aufhält, kann es eine Verhaltensänderung bewirken, wenn man dort Regulationsabschüsse macht. Präventive Regulationsabschüsse, die nicht in solchen unerwünschten Situationen stattfinden, bringen rein gar nichts im Hinblick auf die Vermeidung von weiteren Konflikten.

Das Gespräch führte Christina Scheidegger.

Video
Aus dem Archiv: Angst auf der Alp – das grosse Aufrüsten gegen den Wolf
Aus Rundschau vom 23.06.2021.
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Echo der Zeit, 02.09.2021, 18 Uhr;

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Egger  (hansegg)
    liebe sonja
    zu punkt 1
    wie hatt sich den der wolf vor der wegzucht ihrer beschreibung der weidetiere ernährt? weidetiere wurden schon immer durch den menschen geschützt
    2. tote weidetiere sind in den sommermonaten nach 2 tagen voll von fliegrnmaden und stinken abartig. kein wolf frisst so was.
    3.landbevölkerung in europa rumänien frankreich, balkangebiet, schweden bejagen den wolf.
    4.ja landbevölkerung ernst nehmen
    aber nicht schulen wie erstklässler.

    der wolf muss reguliert werden
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ich bin der Meinung dass der Wolf durchaus auch Aas frisst.
  • Kommentar von Sonja Nemeth  (Patschifig)
    @Matthias Tauner und viele mehr
    1. Der Mensch hat den Weidetieren Fluchtreflex und Wehhaftigkeit (z.B. Hörner) abgezüchtet/weggenommen.
    2. Würden die verstorbenen Weidetieren (egal ob Riss, Unfall, Absturz, Totgeburt) nicht aus der Wildnis (natürlich abseits der Herden) entnommen würde schon helfen.
    3. Wir müssen nicht mit USA/Kanada vergleichen, Wölfe und Landbevölkerung funktioniert auch in Europa wie Rumänien, Lausitz (DE)...
    4. Betroffene zwar erstnehmen und schulen mit den Kindern
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Zu 1) Nein, Ein Pferd ist z.B. ein Fluchttier, das reagiert auch nach 1000-en von Jahren Domestizierung immer noch als Fluchttier. Das Schaf ist kein Fluchttier, dies wurde jedoch nicht anerzogen, es ist von Natur aus so.

      Zu 2) Tote Weidetiere (als Futter?) liegen lassen wäre kontraproduktiv. Der Wolf würde erst recht an die Weidetiere als Nahrung gewöhnt.
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Richtig, es nützt nichts, einzelne Wölfe abzuschiessen. Der Wolf hat keine natürlich Feinde. Man wird nicht darum kommen, ganze Rudel auszumerzen.
    1. Antwort von Sonja Nemeth  (Patschifig)
      @Daniel B.
      Oder wir merzen die Menschen aus, dann gibt es keine Konflikte mehr zwischen Wolf und Mensch!
      Leg doch einem Kind eine Schokolade, ausgepackt, hin und bestraft es weil es davon genascht hat. Das Kind hatte ja unerlaubt die Schoggi genommen. Soviel zu deiner Logik
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ganze Rudel auszumerzen bringt genauso wenig wie einzelne Tiere irgendwo. Hr. Gerke hat das schon richtig, den Wolf dort regulieren wo er dem Menschen zu nahe kommt. Möglicherweise sollte man auch Hirten mit Gummigeschossen bewaffnen, mit denen sie Wölfen "eins auf den Pelz brennen" können, ohne das Tier zu töten. Immer dann wenn ein Tier in Schussnähe einer solchen Waffe kommt.