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Weitere Vorwürfe gegen St. Galler Esoterik-Arzt
Aus Kassensturz vom 02.03.2021.
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Verschwörungstheoretiker Weitere Vorwürfe gegen St. Galler Esoterik-Arzt

Nach dem «Kassensturz»-Bericht über Dr. Doepp und seine umstrittenen Behandlungsmethoden melden sich weitere Betroffene.

Vor vier Wochen starb Julia (Name von der Redaktion geändert) an Brustkrebs. Sie wurde gerade einmal 50 Jahre alt. Der St. Galler Arzt Manfred Doepp behandelte sie zuvor monatelang. Julia lehnte die Schulmedizin ab. Deshalb ging sie zum Arzt Manfred Doepp. Er versprach Besserung auf natürlichem Weg. Zehn Monate später ging sie mit unerträglichen Schmerzen in eine Klinik. Zu spät.

Julias Mutter sah den «Kassensturz»-Beitrag über Manfred Doepp. Auch da ging es um einen Krebspatienten, der nach monatelanger Behandlung starb. Julias Mutter meldet sich bei «Kassensturz»: «Meine Tochter kehrt nicht mehr ins Leben zurück, aber andere sollten davor gewarnt werden, sich an diesen Arzt zu wenden.»

Krebstherapie mit Enzymen für Verdauungsprobleme

Julia nahm auf Doepps Anordnung hin monatelang für Tausende Franken enzymhaltige Nahrungsergänzungsmittel wie Citozym ein. Das Mittel hilft bei Verdauungsproblemen. Citozym aber als Krebstherapie oder Begleitung einer Therapie zu verkaufen, sei Humbug, sagt Thomas Cerny, einer der renommiertesten Krebsforscher der Schweiz: «Dieses Prinzip ist völlig unwirksam. Man kann nicht Verdauungsenzyme schlucken und damit einen Tumor beeinflussen.» Zudem kritisiert Cerny: «Wenn man eine Therapie zehn Monate laufen lässt, ohne zu prüfen, ob sie wirksam ist, dann hat man die Sorgfaltspflicht verletzt.»

Manfred Doepp behandelte Julia ohne die üblichen Abklärungen bei Krebs. Ohne bildgebende Verfahren, ohne Biopsie. Das habe Julia abgelehnt, erklärt Doepp im Interview mit «Kassensturz». Er habe mittels Fotos und Abtasten festgestellt, dass seine Behandlung wirke: «Der Tumor wurde kleiner. Die Patientin wurde dreimal pro Woche fotografiert. Darauf sah man deutlich die Entwicklung.» Die Fotos könne er «Kassensturz» aber nicht zeigen.

Jahrelang wirkungslose Produkte verkauft

Doepp sagt, er behandle ganzheitlich mit allen Methoden der Naturheilkunde. Auf den Vorwurf, er habe seine Sorgfaltspflicht verletzt, betont er: «Wir haben auf die Patientin eingewirkt, sich bitte behandeln zu lassen: Operation, Chemotherapie.» Und weiter: «Ich habe ihr gesagt, was die Schulmedizin tun würde und sie hat gesagt, das tue sie nicht.» Schriftliche Belege dafür gibt es nicht.

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Interview mit Manfred Doepp, Arzt St. Gallen
Aus Kassensturz vom 02.03.2021.
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Manfred Doepps Name tauchte schon früher bei «Kassensturz»-Recherchen auf. Jahrelang hat er wirkungslose Produkte verkauft wie Amulette gegen Elektrosmog oder Steine, die positive Informationen senden. Fragwürdig auch der Timewaver – eine Art Körperscanner, von dem Doepp schwärmt: «Er arbeitet jenseits von Raum und Zeit. Wir können also in der Vergangenheit arbeiten sogar in der Zukunft.» Der Timewaver findet gesundheitliche Defizite, für deren Behandlung Doepp dann Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

Gesundheitsdepartement St. Gallen hat Untersuchung eingeleitet

Unmittelbar nach dem ersten «Kassensturz»-Bericht wurden die Behörden aktiv. Das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen leitete eine Untersuchung gegen Doepps Praxis in Abtwil (SG) ein. Es geht um möglicherweise «ungeeignete» Behandlungs-Methoden.

Kassensturz, 02.03.2021, 21:05 Uhr

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50 Kommentare

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  • Kommentar von Lisa Munz  (Lisa L.)
    Sie haben ja keine Ahnung, von was Sie da sprechen, Herr Schmezer. Wieviele Menschen sterben an den Folgen einer konventionellen Therapie? Fragen Sie bitte Herrn Cerny, wieviele Patienten er trotz/wegen der Chemotherapie verloren hat.
    Ich war selbst Patientin und habe meinen Krebs erfolgreich behandeln lassen durch die Schulmedizin UND alternative Methoden. Wievielen Menschen hat Dr. Doepp schon geholfen?
    WER HEILT, HAT RECHT.
    Aber, Herr Schmezer, was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.
  • Kommentar von Urs Lachenmeier  (Urs Lachenmeier)
    Dass die anerkannten Therapieformen sehr viele Krebspatienten nicht heilen können, wird einfach ausdgeblendet. Es wird leider suggeriert, die "Schulmedizin" wäre meist erfolgreich. Wenn dies so wäre, würde kaum ein Krebspatient eine alternative Heilmethode wählen.
    Was sagte Hackethal vor Zeiten? oder Lothar Hirneise?

    Häufigsten Todesursachen:
    Herz-Kreislauf-Versagen und Krebs!
    An dritter Stelle die iatrogenen Todesursachen - Tod durch (meist anerkannte) Behandlung!
  • Kommentar von Bernhard Bizer  (Avidya)
    Angst vor der Chemotherapie gepaart mit mangelndem Vertrauen in die Schuldmedizin waren bei der Patienten wohl entscheidend für die Wahl des Alternativ-Mediziners Dr. Manfred Doepp. Vermutlich hat der Arzt es versäumt Kollegen zu Rate zu ziehen vor allem dann, wenn sich ein Patient partout weigert die Schulmedizin mit in Betracht zu ziehen. (gilt aber auch umgekehrt). Letztlich ist es aber immer noch die Entscheidung einer mündigen Person zu entscheiden, in welche Hände sie sich begeben will.