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Bei Covid-19 sin die meisten Patientenverfügungen zu wenig spezifisch
Aus Espresso vom 14.04.2020.
abspielen. Laufzeit 06:03 Minuten.
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Wegen Corona im Spital Patientenverfügung: «Viele haben konkrete Fragen zum Sterben»

Jede Person kann selber bestimmen, wie sie bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus behandelt werden möchte.

Die Verunsicherung ist gross: Was passiert mit mir, wenn ich mich mit dem Coronavirus anstecke und ins Spital komme? Was, wenn ich mich nicht beatmen lassen will? Wie sieht der Sterbeprozess aus?

Angehörige in schwierigen Situationen entlasten

Bei Palliativ Schweiz, der Gesellschaft für Palliativpflege oder bei Pro Senectute gehen im Moment viele solcher Fragen ein. «Wenn eine Bedrohung wie das Coronavirus so nahe kommt, wird die Auseinandersetzung mit diesen Fragen dringender», stellt Monika Obrist fest, sie ist Präsidentin von Palliativ Schweiz. Viele hätten konkrete Fragen rund ums Sterben, sagt Peter Burri von Pro Senectute Schweiz. «Und es gibt Menschen, die sich unter Druck gesetzt fühlen, eine Patientenverfügung auszufüllen.» Einen Zwang zum Ausfüllen einer Patientenverfügung gibt es allerdings nicht.

Patientinnen und Patienten können selber entscheiden, wie sie behandelt werden möchten. So steht es im Gesetz. Kann sich eine Person aber aufgrund ihrer Beschwerden nicht mehr selber äussern, müssen ihre nächsten Angehörigen zusammen mit den Ärzten entscheiden, welche Behandlungen sinnvoll sind. Ist der Patientenwille nicht klar, sind solche Entscheide für Angehörige und Ärzte eine grosse Belastung.

Patientenverfügung für Covid-19 zu wenig spezifisch

Viele Menschen haben heute eine Patientenverfügung, in der sie festgelegt haben, wie sie behandelt werden möchten, falls sie sich selbst nicht mehr äussern können. Nur: In der aktuellen Situation um das Coronavirus sind solche Verfügungen oft zu wenig spezifisch.

Verschiedene Organisationen haben deshalb speziell für die Behandlung von Corona-Patienten angepasste Kurzversionen oder Zusätze ausgearbeitet – darunter auch die Sektion Zürich/Schaffhausen von Palliativ Schweiz oder die Pro Senectute. Diese Dokumente können auch Personen ausfüllen, die noch keine Patientenverfügung haben.

Angehörige und Ärzte müssen den Patientenwillen respektieren

In diesen speziellen Kurzformen oder Zusätzen zu Patientenverfügungen beantworten Patientinnen und Patienten in ihren eigenen Worten mehrere Fragen. Zum Beispiel:

  • «Wie gerne leben Sie?»
  • «Möchten Sie in einer Krise in ein Spital eintreten?»
  • «In welchem Krankheitszustand möchten Sie nicht mehr lebensverlängernd behandelt werden?» oder
  • «Welche Sorgen und Ängste bewegen Sie, wenn bei Ihnen lebensverlängernde Massnahmen durchgeführt werden?».

Die Antworten sollen Angehörigen und Ärzten helfen, in einer Notsituation dem Willen des Patienten gerecht zu werden.

Allerdings sollten solche Zusätze – wie auch Patientenverfügungen selber – immer mit dem Hausarzt oder ein Fachperson besprochen werden und natürlich auch mit den Angehörigen. Verschiedene Organisationen bieten Hilfe und Unterstützung an, zum Beispiel die Pro Senectute, Palliativ Schweiz, die SPO Patientenorganisation oder die Lungenliga Schweiz.

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

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Espresso, 14.04.20, 08:13 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer  (Hans F.)
    Die bisherige Patientenverfügung sollte für jeden Gesundheitszustand reichen, wenn sie denn auch ohne haarspalterische Anfechtungen strikte zur Anwendung kommt. Ausnahmebestimmungen für Corona und andere Fälle können allzu schnell zu Zweifeln an der Auslegung führen und sollten daher vermieden werden.
  • Kommentar von Eric Cerf  (Alpenjonny)
    Unsere schnelllebige, moderne Gesellschaft im Westen, hat den Bezug zum eigenen Sterben schon lange verloren. Weil uns die Religiosität fast völlig abhanden kam. Die Landeskirchen, Synagogen und Moscheen wissen auch nicht recht, wie sie mit dem Tod umgehen sollen. Drohungen mit braten im Fegefeuer wegen der begangenen Sünden auf Erden wirken im Prinzip nur lächerlich, nicht nur im Christentum. Wir müssen neue Wege zu Gott finden, um wieder beten zu lernen. Bibel, Koran, etc helfen nur bedingt.
  • Kommentar von Christine Angst Azevedo  (caa)
    Der Tod ist per se ein unfreundlicher Geselle, der nicht mit sich verhandeln lässt. Mit viel Geld und medizinischen Ressourcen kann er vielleicht etwas aufgeschoben werden, aber grundsätzlich ist unsere Lebenszeit beschränkt.
    Für Betreuende ist es sehr belastend, wenn Menschen die sich offensichtlich im Sterbeprozess befinden, um jeden Preis am Leben erhalten werden wollen.
    Es wäre zu wünschen, dass die Bevölkerung die eigene Endlichkeit akzeptieren und mit Demut annimmt.
    1. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      Meine persönliche Erfahrung mit den Patientenverfügungen meiner Eltern sind leider schlecht. Es wäre auch schön, wenn die Gesundheitsbranche etwas mehr Rücksicht nehmen würde. In der Schlussphase wird seeehr viel Geld verdient mit jedem Tag Lebensverlängerung.