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Spitze der Omikron-Welle bald erreicht
Aus Tagesschau vom 18.01.2022.
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Wie Virus-Varianten entstehen Deshalb könnten auf Omikron weitere Corona-Mutationen folgen

Wie sich neue Virusvarianten entwickeln und welche Risiken diese Mutationen bergen: Fünf Fragen und Antworten.

Weshalb mutieren Coronaviren? Das Coronavirus ist inzwischen in schier unendlich vielen Kopien auf diesem Planeten verteilt. Jede infizierte Person kann geschätzt zwischen 1 und 100 Milliarden Kopien in sich tragen. Und jedes Mal, wenn das Virus einen Menschen infiziert, werden neue Kopien gemacht. Bei diesem Kopiervorgang passieren Fehler. Wenn diese an einer relevanten Stelle im Viren-Erbgut passieren, führen sie zu neuen Varianten.

Wie lassen sich neue Varianten aufspüren? Das Zauberwort hierzu lautet: Sequenzierung. Dabei wird das Erbgut zahlreicher Viren aus positiven Coronatests im Labor analysiert. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die Sequenzierung ein Schlüsselelement im Kampf gegen die Pandemie. Entscheidend sei, neue Mutationen frühzeitig zu entdecken, um die Verbreitung nachvollziehen zu können.  

Ein Labormitarbeiter bereitet Corona-Proben zur Genom-Sequenzierung vor.
Legende: Mithilfe der sogenannten Sequenzierung können die verschiedenen Varianten des Coronavirus und deren Auswirkungen ausfindig gemacht und überwacht werden. Keystone

Wie stark beeinflusst die Immunität in der Bevölkerung die Entstehung neuer Varianten? Je länger eine Person mit dem Virus infiziert ist, desto eher können sich neue Varianten bilden. Der Extremfall sind Personen, die das Virus über Monate nicht aus dem Körper bringen, etwa wegen einer Immunschwäche. Das ist auch eine der Theorien, wie sich Omikron gebildet haben könnte.

Die Viruslast von Omikron und wie ansteckend geimpfte und ungeimpfte Menschen im Vergleich sind, wird aktuell noch untersucht.

Grundsätzlich gilt aber: Je mehr das Virus im Umlauf ist, je mehr Kopien von ihm angefertigt werden in Menschen, die sich infizieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass neue Mutationen entstehen. Prinzipiell spielt es keine grosse Rolle, ob dies in geimpften oder ungeimpften Personen stattfindet. Wie sich das bei Omikron-Infektionen verhält, ist im Moment noch unklar. Die Viruslast und wie ansteckend geimpfte und ungeimpfte Menschen im Vergleich sind, wird aktuell noch untersucht.

Welches Risiko bergen neue Mutationen? Sie könnten die Immunität umgehen und dann noch einmal viele schwere Verläufe auslösen. Nebst der Option frischer Varianten könnten auch Beta oder Gamma zurückkehren.

«Alpha, Beta, Gamma»: Die wichtigsten Coronavirus-Varianten

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Die WHO hat die Namensgebung der Coronavirus-Varianten angepasst. Die griechischen Buchstaben dienen der Vereinfachung und um rassistische Ressentiments zu vermeiden. SRF teilt die Meinung, dass kein Land für die Entdeckung und die Meldung von Varianten stigmatisiert werden soll und übernimmt diese Namensempfehlung.

WHO-Name

wissen-schaftlich

erstmals aufgetaucht

Alpha

B.1.1.7

Vereinigtes Königreich,
September 2020

Beta

B.1.351

Südafrika,
Mai 2020

Gamma

P.1

Brasilien,
November 2020

Delta

B.1.617.2

Indien,
Oktober 2020

Omikron

B.1.1.529

Verschiedene Länder,
November 2021

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Mit Blick auf die vorhandenen mRNA-Vakzine gibt es allerdings auch positive Signale: Impfstoffe zielen fast alle auf das Spike-Protein. Also auf jenen Teil, den ein Virus benutzt, um in Zellen einzudringen. Wenn das Virus die Spikes verändert und damit eine gute Immunflucht hinbekommt, geht es gleichzeitig ein Risiko ein: Nämlich, nicht mehr so gut in die Zellen reinzukommen, also weniger gut Menschen infizieren zu können. Ausserdem gilt: Menschen bauen immer mehr Immunität auf, durch Impfungen und mit durchgemachten Infektionen. Das sollte schwere Verläufe insgesamt zunehmend seltener machen.

Immunantwort: So wichtig sind B- und T-Zellen

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Die Immunantwort des Körpers ist sehr komplex und besteht aus verschiedenen Teilen. Ein wichtiger Teil sind die Antikörper. Sie werden von den sogenannten B-Zellen gebildet. Sie binden an das Virus und hindern es am Eindringen in die Körperzellen.

Impfstoffe regen B-Zellen zur Produktion von Antikörpern an. Hat ein Mensch genügend Antikörper und befinden sie sich in genügender Menge in den oberen Atemwegen, so ist er vor einer Ansteckung geschützt. Nach einer Weile sinkt der Antikörperpegel im Blut. Eine Ansteckung mit dem Virus stimuliert die B-Zellen und sie produzieren neue Antikörper. Dies trägt zum Schutz gegen einen schweren Verlauf bei.

Ein weiterer wichtiger Teil des Immunsystems sind die sogenannten T-Zellen. Sie spüren vom Virus befallene Körperzellen auf und zerstören sie. Dies vermindert die Ausbreitung des Virus im Körper. Manche Mutationen einer Virenvariante führen dazu, dass ein Teil der Antikörper die Variante nicht mehr so gut oder gar nicht mehr erkennt. So kann das Virus leichter in die Körperzellen eindringen.

Der Antikörperschutz verschwindet in der Regel nicht vollständig, sondern wird in unterschiedlichem Ausmass vermindert. Eine starke Antikörperproduktion kann dies zumindest teilweise ausgleichen – beispielsweise kann eine Booster-Impfung diesen Effekt erzielen. Selbst wenn eine Variante die Antikörper-Antwort des Immunsystems teilweise unterlaufen kann, sollte der Schutz durch T-Zellen bestehen bleiben.

Doch die Unsicherheit sei nach wie vor gross, betonte kürzlich der führende US-Immunologe Anthony Fauci gegenüber dem «Spiegel»: Solange das Infektionsgeschehen schwele, erhalte das Virus die Möglichkeit zu mutieren. «Und es ist denkbar, dass die nächste Variante nicht nur ansteckender ist, sondern auch schwerere Krankheitsverläufe verursacht.»

Welche Bedeutung kommt der Impfung in Zukunft zu? Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, geht aktuell nicht davon aus, dass regelmässige Booster für die breite Bevölkerung nötig sind. Am ehesten brauche es künftig Auffrisch-Impfungen für Hochrisikopersonen, sagte er jüngst in einem Interview mit SRF.

Nach Einschätzungen des US-Immunologen Fauci ist in Zukunft ein Impfstoff nötig, der besser alle gegenwärtigen und vor allem auch mögliche neu auftretende Varianten abdeckt. Momentan jage man mit der Anpassung der Vakzine an aktuelle Varianten der Entwicklung des Virus hinterher.

Wo nicht anders gekennzeichnet, stammen die Informationen für diesen Artikel von Thomas Häusler, Daniel Theis und Katrin Zöfel aus der SRF-Wissenschaftsredaktion.

So mutieren Viren Egal ob Corona oder Grippe: Für Mutationen müssen Viren zuerst in eine Körperzelle gelangen. Denn nur hier können sie sich vermehren. Bei seiner Vermehrung in den Wirtszellen kopiert das Virus seine Erbinformationen immer und immer wieder. Beim Kopieren passieren Fehler, vergleichbar mit Tippfehlern. Das sind die zufälligen Mutationen im viralen Erbgut. Mutationen können die Eigenschaften des Virus verändern und zu verschiedenen Virusvarianten führen. Zum Beispiel kann es sein, dass eine Virusvariante ansteckender ist als eine andere. Um die Konsequenzen der Veränderungen zu verstehen, muss man sich die Zapfen des Virus – die Spike-Proteine – genau anschauen. Sie funktionieren wie ein Schlüssel. Trifft das Virus auf eine menschliche Zelle, muss es zuerst den Eingang finden, das Schlüsselloch sozusagen. Bei den früheren Versionen des Coronavirus dauert dies und gelingt nicht immer. Konkret verändern sich die Aminosäuren der Spike-Proteine und dadurch auch deren Eigenschaften. Im Falle einer ansteckenderen Virusvariante, haben sich die Spike-Proteine so verändert, dass das Virus nun besser den Eingang in die Körperzelle findet. Verglichen werden kann dies mit einem magnetischen Schlüssel. Mit diesem magnetischen Schlüssel findet die Virusvariante den Eingang in die Körperzelle schneller und kann sich im Zellinneren vermehren. Also ist die Variante ansteckender als die ursprüngliche. Quelle: SRF Puls

Tagesschau, 18.01.2022, 19:30 Uhr;

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