Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Ihre Fragen zu Liebe und Sex «Was ist der Schlüssel zu einer gesunden Beziehung?»

In einem Live-Q&A haben die Expertinnen Ursina Donatsch, Tamara Altermatt sowie der Experte Daniel Arnold Ihre Fragen zu Liebe, Sexualität und Polyamorie beantwortet. Die fünf wichtigsten Erkenntnisse.

Wie spricht man über sexuelle Wünsche, ohne zu verletzen?

«Das ist eine der mutigsten und gleichzeitig zärtlichsten Fragen, die man in einer Beziehung stellen kann», sagt Tamara Altermatt dazu. Sie arbeitet als Sexologin und Beziehungstherapeutin und gibt dazu fünf Ratschläge mit:

  1. Wichtig sei ein richtiger Zeitpunkt. Etwa nicht direkt nach dem Sex oder während eines Streits – sondern während eines ruhigen Moments. «Das Gespräch verdient einen guten Rahmen», so Altermatt.
  2. Ich-Botschaften verwenden und auf Vorwürfe verzichten, also nicht «Du machst nie», sondern eher ein «Ich wünsche mir manchmal, dass …».
  3. Die Wünsche als Einladung formulieren, nicht als Erwartung.
  4. Auch nach Wünschen des anderen fragen: «Offenheit ist keine Einbahnstrasse.»
  5. Sollte ein Wunsch nicht geteilt werden, heisst das nicht, dass das Gegenüber keine Gefühle empfindet. «Das möchte ich nicht» und «Ich liebe dich» können problemlos gleichzeitig wahr sein.

Sind wir als Gesellschaft monogam?

Ursina Donatsch, Psychotherapeutin, Paar- und Sexualtherapeutin, schreibt dazu: «Wir sind mit der Monogamie sozialisiert worden. Ich glaube nicht, dass ein Modell (mono oder nicht mono) natürlicher ist als das andere. Beide Modelle haben ganz klar ihre Vor- und auch ihre Nachteile.»

Wie viele polyamore Menschen gibt es in der Schweiz?

Box aufklappen Box zuklappen

Dazu schreibt Ursina Donatsch: «Aus neusten Umfragen und Studien sind das circa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung. Ja, das kann durchaus sein, dass Menschen wieder monogame Beziehungen leben, nachdem sie polyamor gelebt haben.»

Wieso ist Sexualität oft mit Scham verbunden?

«Dass Sexualität so oft mit Scham belegt ist, hat viel mit der eigenen Geschichte zu tun. Es spielt eine Rolle, wie wir aufgeklärt wurden, welche Erfahrungen wir gesammelt haben und wie wir zu uns selbst und unserem eigenen Körper stehen», sagt Daniel Arnold, diplomierter Paar- und Sexualtherapeut. Sexualität sei für viele eines der intimsten Themen überhaupt, daher sei eine gewisse Vorsicht damit verständlich.

Der Schlüssel zu einer gesunden Beziehung?

Darin sieht Tamara Altermatt «sich selbst zu kennen und eigene Bedürfnisse zeigen zu können – und dann in diesen gesehen zu werden».

Konkret heisst das für die Sexologin: offene und ehrliche Kommunikation – auch über Unangenehmes –, Konfliktfähigkeit statt Konfliktvermeidung, Verlässlichkeit und Vertrauen, gegenseitige Verantwortungsübernahme statt Schuldzuweisungen, Lebendigkeit: Nähe, Sexualität, gemeinsame Entwicklung.

Gesunde Beziehungen sind nicht konfliktfrei, sie sind reparaturfähig.
Autor: Tamara Altermatt Sexologin und Beziehungstherapeutin

Wieso liegt auf Frauen immer so ein Druck, den Männern sexuell gerecht zu werden?

«Dieses Gefühl, sexuell ‹funktionieren› zu müssen, ist eine Last, die tatsächlich sehr viele Frauen empfinden», schreibt Daniel Arnold. Ein grosser Teil davon sei gesellschaftlich bedingt, etwa durch die Vorstellung, dass regelmässiger Sex zu einer funktionierenden Beziehung gehöre.

Zwei Menschen halten Händchen vor Berglandschaft.
Legende: Offene und ehrliche Kommunikation sei einer der Schlüssel für eine gesunde Beziehung, findet Sexologin Tamara Altermatt. KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Das Missverständnis hier sei, dass sowohl für Männer als auch für Frauen oftmals Sexualität ein zentraler Weg sei, emotionale Nähe zu spüren. «Wichtig ist, dass man sich weder in der Sexualität noch in anderen Bereichen der Partnerschaft für das Gegenüber aufgibt», so Arnold.

Ab wann lohnt sich eine Paartherapie?

«Ab Start der Beziehung» lohne sich eine Paartherapie, findet Tamara Altermatt. «Die meisten Paare suchen sich leider erst in einer Krise Unterstützung, dabei wäre es von Vorteil, die Muster in Beziehungsdynamiken schon früh zu erkennen, bevor sie sich verfestigen.»

SRF Club, 14.4.2026, 22:25 Uhr;herb

Meistgelesene Artikel