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Die schwierige Stellensuche der Lehrabgänger
Aus Rendez-vous vom 01.07.2021.
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Arbeitsmarkt nach Corona Lehrabgänger finden derzeit nur schwer eine Stelle

Eine Umfrage der ETH zeigt, dass viele Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger Mühe haben, eine Stelle zu finden.

Vor einem Jahr war die damals 19-jährige Filomena Grimm auf Stellensuche. Sie wartete gerade auf ihr Abschlussdiplom als Logistikerin und schrieb Bewerbung um Bewerbung. «Ich habe ein halbes Jahr vorher angefangen und habe jeden Monat zwischen zwölf und fünfzehn Bewerbungen verschickt.»

Doch sie erhielt Absage um Absage. «Viele Absagen sind erst spät gekommen. Die Arbeitgeber haben selbst nicht gewusst, ob sie noch jemanden brauchen oder ob sie Leute entlassen müssen. Das war auch für sie schwierig.»

ETH hat Leute befragt

Eine Stelle nach der Lehre in Zeiten der Pandemie zu finden, das ist auch dieses Jahr für viele Lehrabgängerinnen und - abgänger wieder ein schwieriges Unterfangen.

Das zeigen die neusten Zahlen der ETH Zürich, die monatlich eine Umfrage bei den Betrieben aus den verschiedensten Branchen macht. Im Juni beurteilte jeder zweite Betrieb die Situation für die frisch Ausgebildeten als kritisch. Sie rechnen damit, dass es für die jungen Erwachsenen schwierig werden könnte, eine Stelle zu finden.

Ursula Renold, Professorin für Bildungssysteme der ETH Zürich, sagt: «Die Branche, die am pessimistischen ist für die Zukunft, ist Verkehr, Logistik und Sicherheit. Auch die Luftfahrt gehört dazu. Dort sind die Aussichten sehr schlecht. 65 Prozent denken, dass es dort sehr schwierig wird, eine Anschlusslösung zu finden.»

Gute Chancen in der Hotellerie

Viele Firmen sind noch vorsichtig und warten zu, bevor sie neues Personal einstellen. Auch in der Tourismusbranche und in der Metall-, Maschinen- und Uhrenindustrie sieht es weniger gut aus als im Branchendurchschnitt.

Bessere Chancen haben Lehrabgängerinnen und -abgänger aus der Hotellerie und der Gastronomie, die derzeit Fachkräfte suchen. Über alle Branchen gesehen können immerhin rund 60 Prozent aller LehrabgängerInnen im eigenen Lehrbetrieb weiterarbeiten. Alle anderen haben es auf dem Arbeitsmarkt aber eher schwer, sagt Ursula Renold.

«In der Regel hängt es mit der konjunkturellen Situation zusammen. Wenn sie schwierig ist, dann haben junge Menschen im Wettbewerb mit erfahrenen Fachkräften immer Mühe, einen Job zu finden.»

Lehrbetriebe behalten Ausgebildete

Die Lehrbetriebe könnten den Jugendlichen unter die Arme greifen, indem sie sie befristet weiterbeschäftigen, bis sie eine andere Stelle finden. Rund die Hälfte der befragten Betriebe tue das, sagt Renold.

Kleinere Betriebe haben diese Möglichkeit allerdings meist nicht. Auch Filomena Grimm musste sich anderswo umschauen. Sie fand zwei Wochen nach Ende der Lehre eine Temporärstelle, die nach einem halben Jahr in eine Festanstellung umgewandelt wurde.

Normalerweise geht es in der Schweiz 4 bis 5 Monate, bis die Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger eine Anschlusslösung finden. Ob das auch dieses Jahr der Fall sei, hängt nun stark davon ab, wie sich die Pandemie entwickelt und ob Betriebe erneut zeitweise schliessen müssen.

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Archiv: Arbeitslosigkeit steigt – besonders bei Lehrabgängern
Aus Tagesschau vom 09.09.2020.
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Rendez-vous vom 01.07.2021; 12:30 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Stocker  (BeaSt)
    Nicht nur Lehrabgänger tun sich (nach der Pandemie) schwer, (wieder) eine Stelle zu finden. Ich beobachte, dass dies nicht zuletzt daran liegt, dass die AG vornehmlich Arbeit auf Abruf und Stundenbasis ausschreiben; das ist aber keine lebenskostendeckende Lösung; weder für Angestellte noch für Lehrabgänger.
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Auszug aus einer Studie der UZH, Quelle 20min heute: "Gut erholt hat sich dafür die Industrie und Transport-Branche: Dort werden im Vergleich zum Vorjahresquartal 33 Prozent mehr Jobs ausgeschrieben. Damit sind Fachleute in der Industrie und im Transport sogar stärker nachgefragt als kurz vor dem ersten Shutdown." Dass die Lehrabgänger trotzdem keine Stelle finden, dürfte mit der Strukturänderung zusammenhängen. Die Lehre erweist sich zunehmend als unbekanntes Terrain, bzw. als Zwischenlösung.
    1. Antwort von Susanne Meister  (S.M.)
      Ich würde keinem Jungen/Mädchen heutzutage empfehlen eine Lehre zu absolvieren. Man muss sich auf eigene Kosten weiterbilden und die FH-Diplome werden nicht gleichwertig wie ein Studium angesehen. In der Wirtschaft werden Uni-Abschlüsse verlangt, durch die PFZ haben wir das Problem, dass immer mehr EU Zuzüger hinzukommen, welche eine im Vergleich zur Schweiz höhere Gymnasialquote haben und somit auch mehr Uni-Abgänger. Das Duale System hat den Verfall erreicht.
    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Ich bin mit Ihnen völlig einig, Frau Meister. Es fehlt nur noch, dass die Bildungspolitiker in Bundesbern diese Trendwende erkennen und anerkennen. Es bringt nichts, an der heiligen Kuh "Lehre" festzuhalten, wenn der Bildungsinhalt und der Titel völlig quer in der europäischen Bildungslandschaft steht. Bzw. Lehre ist ja überall bekannt, wird aber nirgendwo so hochpoliert, wie in der Schweiz. Die CH-Jugend entwertet sich selber mit der Lehre. Mensch, werde ich da Prügel bekommen...
  • Kommentar von Susanne Nussbaumer  (Susen)
    Ist doch am einfachsten für alles der Pandemie Schuld zuweisen.
    Dass die Lehrstellen in der Schweiz immer knapper werden hängt doch zum grössten Teil vom konsumverhalten der heutigen Geiz ist Geil-Gesellschaft ab.
    Ab nach Deutschland und ins Internet zum einkaufen bewirkt dass immer mehr Läden in der Schweiz schliessen müssen und somit auch Lehrstellen verschwinden.
    Also ein riesen Eigentor.
    1. Antwort von Ruedi Keusch  (rkeusch)
      Es geht im Artikel nicht um Lehrstellen, sondern darum, dass Lehrabgänger (=Menschen die eine Lehre erfolgreich beendet haben) anschliessend keine Arbeitsstelle finden.
    2. Antwort von Jim Brunner  (JimB)
      Haben Sie den Artikel gelesen? Es geht um Stellen für LehrabgängerInnen. Bezüglich Lehrstellen gibt es keinen generellen Mangel.