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Elon Musk - eine schillernde Persönlichkeit
Aus Echo der Zeit vom 27.04.2021.
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Ein Porträt Elon Musk – wie ein Fantast zum Pionier wurde

Visionär, Rebell, Vollblut-Unternehmer, Idiot, Genie – viele Bezeichnungen hat Elon Musk schon erhalten. Mit Tesla hat er die Autoindustrie in Aufruhr versetzt und mit SpaceX ein neues Zeitalter in der Raumfahrt eingeläutet.

«Ich finde es langweilig, ja, es wäre sogar Folter, wenn ich jeden Tag am Strand liegen müsste.» Das sagte Elon Musk im Jahr 2007 gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender PBS und ergänzte: «Was ich mache, muss einen Nutzen für die Welt haben.»

Tesla, sein damals neuestes Projekt, sollte nicht einfach eine weitere Automarke sein, sondern mithelfen, den Klimawandel zu stoppen – so die Vision des bereits erfolgreichen Jungunternehmers. Allerdings war Tesla zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr als eine Idee. Zwar existierten erste Prototypen eines Elektroautos, aber von einer Serienproduktion war die Firma weit entfernt.

Der Fantast wird zum Pionier

Bei den gestandenen Autokonzernen in den USA und Europa wurde Elon Musk jahrelang für sein Elektroauto belächelt. Als Fantast oder gar als Spinner wurde er bezeichnet.

Inzwischen produziert Tesla über 500'000 Autos pro Jahr. Tendenz: steigend. Gemessen an den Stückzahlen ist die Firma zwar weltweit immer noch ein Nischenanbieter. Gleichzeitig hat sich aber das Bild von Tesla und seinem Eigentümer gewandelt: Tesla ist heute ein Pionier, der die ganze Autobranche aufgeschreckt hat. Auch den grössten Autokonzern der Welt – Volkswagen. VW-Chef Herbert Diess gestand 2019 öffentlich ein: «Elon Musk ist ein Innovator, der uns vorwärts treibt.»

Der Weg dorthin war steinig. Mehrfach stand Tesla vor dem Aus, zuletzt, als die Firma mit dem «Model 3» den Massenmarkt beliefern wollte. Monatelange kam die Produktion nicht richtig in Gang. 2018, mitten in dieser Krise, schilderte ein komplett übermüdeter Elon Musk der US-Nachrichtenwebsite Axios den Zustand seiner Firma: «Tesla droht der Tod wegen der Produktion des Models 3. Wir verlieren momentan unheimlich viel Geld, und wenn wir die Probleme nicht innerhalb weniger Wochen lösen können, werden wir sterben.»

Elon Musk übernachtete – wie so oft, wenn es an allen Ecken und Enden brennt – direkt in der Fabrik. Er und seine Angestellten leisteten Nachtschichten, um die Produktion hochzufahren. Nur dank eines riesigen Efforts gelang es Tesla einmal mehr, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Damit brachte Musk auch seine Kritiker etwas zum Verstummen.

Ein Leben auf der Überholspur

Eigentlich führe Musk einen Kampf, sagt Ashlee Vance. Der Bloomberg-Journalist aus Kalifornien hat eine Biografie über den Unternehmer geschrieben: «Elon Musk ist unerbittlich. Er hört nicht auf, bis er hat, was er will.» Sein Ziel sei letztlich, der Welt zu zeigen, was er drauf habe: «Lange galt er als ein intelligenter, aber sozial etwas unbeholfener Typ. Und jetzt will er der ganzen Welt beweisen, dass er aussergewöhnlich ist.»

In der Tat verfügt Musk über sehr gute Programmierkenntnisse und hat ein ausgesprochenes Verständnis für Technik und komplexe Zusammenhänge. Zudem hat er ein fotografisches Gedächtnis und ist belesen. Diese Fähigkeiten ermöglichen ihm tatsächlich ein Leben auf der Überholspur.

Lebenslauf und Meilensteine von Elon Musk

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  • 1971 – Elon Musk wird in Südafrika geboren.
  • 1980er Jahre – Umzug mit seiner Mutter und seinen zwei Geschwistern nach Nordamerika.
  • 1995 – Gründung seiner ersten Internetfirma Zip2.
  • 1999 – Gründung von X.com, einem Internet-Finanzdienst, aus dem später PayPal entsteht.
  • 2002 – Verkauf seines Anteils von PayPal für 250 Millionen Dollar.
  • 2002 – Gründung des Raketenunternehmens SpaceX.
  • 2003 – Musk beteiligt sich mit 10'000 Dollar an Tesla.
  • 2004 – Übernahme der Aktienmehrheit an Tesla.
  • 2006 – Gründung des Solarunternehmes SolarCity, das später von Tesla übernommen wird.
  • 2008 – Tesla stellt mit dem Modell S sein erstes Serienfahrzeug vor.
  • 2008 – SpaceX’ erste, privat finanzierte Rakete hebt ab.
  • 2013 – Musk initiiert Hyperloop, ein mit Druckluft betriebenes Transportmittel.
  • 2016 – Tesla präsentiert mit dem Model 3 sein erstes Elektroauto für den Massenmarkt.
  • 2019 – SpaceX’ Versorgungskapsel «Dragon» beliefert erstmals die Internationale Raumstation.
  • 2020 – Bau der Tesla-Fabrik bei Berlin; Produktionsstart 2021 (geplant).
  • 2021 – Die X-Prize-Foundation und Musk lancieren einen mit 100 Millionen Dollar dotierten Forschungswettbewerb zur CO2-Reduktion.
  • 2021 – SpaceX wird von der Nasa beauftragt, ein Mondlandegefährt für zwei Astronauten zu bauen.

Mit seinem Tempo und seiner unnachgiebigen Art können längst nicht alle Menschen in seiner Umgebung umgehen: Ehemalige Angestellte und Geschäftspartner beurteilen sein Wirken durchaus auch kritisch. «Es gibt unzählige Geschichten darüber, wie schwierig er als Chef ist», sagt Ashlee Vance. Er hat über 200 Gespräche mit Weggefährten von Elon Musk geführt. Für die Biografie hat ihm der Unternehmer über 30 Stunden Interviews gewährt. Allerdings nur widerwillig.

Der bald 50-jährige Musk gibt Medien nur selten Auskunft und auch nur dann, wenn er über seine Projekte und neuen Pläne sprechen kann. Kritischen Fragen geht er aus dem Weg.

Das zeigt sich exemplarisch an der neuen Tesla-Fabrik, die aktuell bei Berlin gebaut wird und die für die Autoproduktion riesige Mengen an Wasser benötigt. Begründeten Bedenken wegen einer Wasserknappheit in der Region weicht Musk aus. Einer ZDF-Journalistin, die ihn auf die Wasserproblematik ansprach, antwortete er salopp: «Grundsätzlich ist das keine trockene Region, ansonsten würden hier kaum Bäume wachsen.»

Kritik wischt er vom Tisch. Er schafft Fakten. Seit Februar 2020 wird die neue Fabrik hochgezogen, obwohl bisher nur provisorische Baugenehmigungen vorliegen. Das Tempo ist irrwitzig hoch – es kann nicht schnell genug gehen. Schliesslich soll noch in diesem Jahr die Produktion der ersten Fahrzeuge anlaufen. Die politische Unterstützung ist Tesla gewiss. Schliesslich können sich viele Politiker aus der Region im Glanz der Fabrik sonnen.

Der General

In Berlin wie anderswo sind die Meinungen gemacht: Entweder findet man das Projekt gut oder nicht. Und so verhalte es sich auch mit der Person Elon Musk, erklärt Biograf Ashlee Vance: «Elon Musk ist so etwas wie eine religiöse Figur geworden. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Und jene, die ihn verehren, vermag er zu kommandieren.»

Elon Musk ist so etwas wie eine religiöse Figur geworden.
Autor: Ashlee VanceAutor einer Biografie über Elon Musk

Sein wichtigstes Instrument dazu ist Twitter. Über 50 Millionen Menschen rund um den Globus folgen ihm. «Er nutzt Twitter ganz gezielt, um den Mythos rund um seine Person aufzubauen. Gleichzeitig provoziert er mit seinen Tweets bewusst und sucht die Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit», beobachtet Ashlee Vance und ergänzt: «Er liebt dieses Leben als öffentliche Figur.»

Obwohl Musk als Multimilliardär längst sorglos am Strand liegen könnte, taucht er immer wieder ab und zieht sich dorthin zurück, wo er am liebsten ist: in die Fabrik. Wie ein General, der mitten im Kampfgetümmel an vorderster Front seine Soldaten antreibt.

Echo der Zeit, 27.04.2021, 18:00 Uhr

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41 Kommentare

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Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Franz Heeb  (fheeb)
    Nachtrag zur Lithium Verwendung:
    2021 wurden 37% des Abbaus für wiederaufladbare Batterien. 13.4 % für Keramik, 7.9% in Schmierstoffe , 6.3% in Glas und Glaskeramik und der Rest in weitere Anwendungen.
    Bei den Lithium -Ionen Akkus wurden 2020 ca. die Hälfe in E-Fahrzeugen verwendet, die andere Hälfte in der Konsumer-Industrie (Laptops Handy u.s.w.)
    Interessant in diesem Zusammenhang: Seit Tesla Fahrzeuge baut, ist der Lithium Verbrauch ein Thema, vorher nicht. Wieso ?
  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Bei immer mehr Investitionen oder Kreditvergabe geht es um Macht um das Bestimmen was abläuft.
    Heut in den Nachrichten ein Beispiel: China will in einem Europäischen Land eine Uni einrichten. Das Erstellen der Uni geht auf Kosten des Landes mit einem von China gewährten Kredit.
    Ob nun China oder einzelne Privatpersonen, das Nachsehen hat die Bevölkerung/Steuerzahler.
    Das ist gefährlich und sollte verhindert werden. So entstehen neue Machverhältnisse, wir wissen, das Menschen das nicht wollen
  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    @ Franz Heeb Ich glaube kaum, dass sie die Menschen hier beim Scheitern freuen.

    Mich persönlich stört, dass Musk diesen Weg geht. Seine Äusserung, dass es ihm um den Zustand der Welt geht nehme ich ihm nicht ab.
    E-Autos zu produzieren ist leider Zwangsläufig nicht eine saubere Welt, denn es läuft nur mit der Batterie. Ich denke, da an Kinderarbeit, Umweltbelastung/-verschmutzung.
    Seine Ausflüge ins All überholen all Einsparungen.
    Er will den Ton in Deutschland angeben, has ist no go.
    1. Antwort von Franz Heeb  (fheeb)
      @Veren Schär. Ich befasse mich sehr intensiv mit Elektromobilität inkl. aller Vor- und Nachteile. Was mich stört, ist die Hartnäckigkeit, mit der sich Gerüchte halten. Kinderarbeit wird im Z.h. mit Cobalt Abbau genannt. Dies aber Elon Musk anzulasten ist höchst unfär, da in Tesla Akkus aktuell noch ein Drttel von Cobald gegenüber allen andern Herstellern verwendet wird. Anteil weiter sinkend.
      Bei den Standard Range Fz. werden LFP Akkus ohne Cobalt verbaut!
      Grösster Cobalt Verbraucher 2020 VW
    2. Antwort von Franz Heeb  (fheeb)
      Über die überbordende Bürokratie in Deutschland beschwert sich nicht nur Musk. Wohin das führt wurde in diversen Grossbauprojekten bewiesen (Stuttgart 21, BER ...).
      Beim BER liefen schon Wetten wo zuerst gelandet wird, Berlin oder Mars.