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Globale Lieferketten Freier Welthandel auf dem Abstellgleis

Die jüngsten Kriege und Konflikte schränken die Lieferketten ein. Nationale Sicherheit geht neu vor Effizienz. Das ist ein Problem für ärmere Länder.

Weltweiter Handel: Ein globales Netzwerk sorgt dafür, dass die Verkaufsregale gefüllt, die Tankstellen versorgt sind und unsere Computer und Handys einwandfrei funktionieren. Die Lieferketten sind eng verzahnt, ein Räderwerk aus Schiffen, Flugzeugen, Zügen und Lastwagen, die Güter rund um den Globus transportieren.

Gestörte Lieferketten: Der Krieg im Iran, die Blockade der Strasse von Hormus oder andere Konflikte haben zur Folge, dass dieses Lieferketten-Netzwerk Risse bekommt. Schiffe sind blockiert, Waren können nicht ungehindert transportiert werden.

Frau vor UNO-Flagge
Legende: Für Luz Maria de la Mora ist ein freier Welthandel der Schlüssel für Wirtschaftswachstum rund um den Globus. pd

Zölle statt Handel: Immer mehr Länder haben sich auch entschieden, die allgemein geltenden Regeln für einen weltweiten Handel einseitig zu ändern. Das, um die eigene Wirtschaft zu schützen oder wegen Sicherheitsbedenken. «Das führt zu Unsicherheit bei Exporteuren, Investorinnen, Produzenten oder auch Konsumentinnen», stellt Luz Maria de la Mora fest. Sie ist Direktorin für Handel und Rohstoffe bei der Unctad, der UNO-Direktion für Wirtschaft und Entwicklung.

Kritische Metalle: China gegen USA

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Der Wandel der globalen Lieferketten zeigt sich zum Beispiel bei den so genannt kritischen Mineralien. Das sind Metalle, die besonders wichtig sind, um zum Beispiel die Energiewende voranzutreiben, aber auch Rüstungsgüter herzustellen. Da konkurrenzieren sich die beiden grössten Wirtschaftsmächte USA und China. China dominiert diesen Markt und auch die gesamte Lieferkette. Die USA versuchen dagegenzuhalten und eigene Lieferketten aufzubauen. Das ermöglicht neuen Akteuren, verstärkt auf dem Spielfeld des Welthandels mitzumischen, zum Beispiel Ländern in Südostasien, die solche Rohstoffe abbauen, verarbeiten oder exportieren. Sie handeln mit eigenen Produkten – oder agieren als Zwischenhändler für chinesische Rohstoffe.

Global zu regional: Wenn Staaten beispielsweise versuchen, eigene Lieferketten für die wichtigen Metalle etwa für die Energiewende oder für Rüstungsgüter aufzubauen, führt das zu einer Fragmentierung der Lieferketten für diese Metalle in eine von den USA kontrollierte und eine von China dominierte Lieferkette. «Industrie und Handel müssen sich wohl oder übel auf neue Bedingungen einstellen», sagt Unctad-Direktorin Luz Maria de la Mora. Die Folgen: Mehrkosten wegen mehr Aufwand und mehr Lagerhaltung.

Industrie und Handel müssen sich wohl oder übel auf neue Bedingungen einstellen.
Autor: Luz Maria de la Mora Direktorin für Handel und Rohstoffe, Unctad

Die Verlierer sind die ärmeren Länder des globalen Südens. Sie sind auf gut funktionierende Lieferketten angewiesen, um günstig Waren beziehen zu können. «Diese Länder haben allerdings auf der Weltbühne kein wirtschaftliches oder politisches Gewicht, um sich gegen diesen eingeschränkten Handel und die teureren Produkte zu wehren», gibt die Unctad-Spezialistin zu bedenken.

Containerschiff im Hafen
Legende: Die globalen Lieferketten für unsere Güter werden wohl künftig stärker fragmentiert. Die Waren werden dadurch teurer. Keystone / Daniel Reinhardt

Süd-Süd-Handel: Allerdings beobachtet die Unctad-Direktorin auch ein neues Phänomen im weltweiten Handel: Länder im Süden würden vermehrt untereinander Handel treiben. 1995 habe der sogenannte Süd-Süd-Handel noch rund 500 Millionen Dollar umfasst, letztes Jahr seien es 7 Milliarden gewesen. «Das sind zwar kleine Beträge. Aber es gibt eine gewisse Dynamik, die in diesen Ländern neue Märkte und damit Jobs schafft.»

 

Auch Europa zur Anpassung gezwungen

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In diesem neuen Handelsumfeld muss auch ein wirtschaftlich stärkeres Europa versuchen, sich auf die neue Situation einzustellen. Luz Maria de la Mora ist überzeugt: «Es braucht regionale Handelsabkommen mit den USA, den Mercosur-Staaten sowie Investitionsabkommen mit China, um sich die benötigten Rohstoffe zu sichern.»

Neue Realität: Zwei Drittel des Handels dürften auch in Zukunft über globale Lieferketten abgewickelt werden. Das umfasst zum Beispiel den Handel mit Lebensmitteln. Ein Drittel des Handels dürfte allerdings bis auf Weiteres von Wirtschaftsmächten reguliert werden. «In gewissen Bereichen werden Eigeninteressen gewisser Staaten etwa im Bereich der nationalen Sicherheit die Effizienz eines freien Handels überlagern», bilanziert Luz Maria de la Mora von der Unctad. Das sei nicht ideal, aber wohl die neue Realität.

Echo der Zeit, 3.5.2026, 18 Uhr; wyss

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