Zum 56. Mal treffen sich kommende Woche Regierungsvertreter und Firmenchefinnen aus aller Welt zum World Economic Forum WEF in Davos. Unter ihnen beziehungsweise allen voran: US-Präsident Donald Trump. Empfangen wird Trump unter anderem vom neuen Co-Präsidenten des WEF, von Roche-Vizepräsident André Hoffmann – einem Mann, der ziemlich genau das Gegenteil von dem vertritt, was der US-Präsident macht.
SRF News: In wenigen Tagen beginnt das WEF in Davos. Sind Sie nervös?
André Hoffmann: Nein, nervös nicht, Aber natürlich sehr positiv aufgeregt. Es werden viele Sachen passieren und ich freue mich darauf.
Der frühere Präsident des WEF, Klaus Schwab, war jeweils omnipräsent und hat alle prominenten Gäste persönlich begrüsst. Werden Sie das auch so halten?
Die Idee, dass so ein wichtiger Anlass nur von einer Person abhängt, ist nicht mehr zeitgemäss. Wir sind heute offener. Wir haben viele verschiedene Gruppen, die wir irgendwie begrüssen oder willkommen heissen müssen. Und dazu haben wir viele Leute in der Organisation, besonders im Verwaltungsrat, die das machen können.
Der Stargast, auf den die grosse Aufmerksamkeit gerichtet sein wird, ist dieses Jahr US-Präsident Donald Trump. Er soll am Mittwoch eine Rede halten. Werden Sie ihn begrüssen?
Als Präsident werde ich ihn natürlich willkommen heissen. [Zögert.] Ich werde ihn begrüssen. Ja.
So ein Forum könnte man sich nicht ohne den Präsidenten der Vereinigten Staaten vorstellen.
Also finden Sie es richtig, dass Donald Trump eingeladen wurde?
So ein Forum könnte man sich nicht ohne den Präsidenten der Vereinigten Staaten vorstellen. Er ist der Präsident, der gewählte Präsident der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt. Wir können ihn doch nicht einfach ausschliessen. Wenn er unsere Einladung akzeptiert, dann sind wir natürlich zufrieden.
Sie selbst haben allerdings nach Trumps Wahl zum Präsidenten gesagt, dass Sie schockiert seien. Sie verstünden nicht, warum eine knappe Mehrheit in den USA einem «alten, korrupten Mann» die Zukunft des Landes anvertraue. Und jetzt ist er Ihr Gast.
Ja, wir müssen uns gegenseitig zuhören, wenn wir etwas Gemeinsames aufbauen wollen. Der Sinn des Forums ist ja nicht, Freundlichkeiten auszutauschen. Und um etwas gemeinsam zu bewegen, müssen wir halt verschiedene Meinungen anhören.
Aber dieses einander Zuhören, der «Geist von Davos», globale Zusammenarbeit, supranationale Initiativen, kollektive Lösungen – das ist doch genau das Gegenteil von dem, wofür der aktuelle US-Präsident steht.
Wie gesagt, wir können für verschiedene Probleme verschiedenen Lösungen wählen. Aber wir werden dies innerhalb der planetarischen Grenzen tun müssen. Wir können den Klimawandel zum Beispiel nicht ändern durch eine Executive Order. Nur weil gewisse Regierungen sagen, es gebe keinen Klimawandel, heisst das nicht, dass es ihn nicht gibt. Die Wissenschaft ist ganz klar. Wir sind an einem Punkt, wo wir Probleme lösen müssen.
Klaus Schwab hat Unglaubliches geleistet.
Es ist Ihr erstes WEF als Co-Präsident. Klaus Schwab, der das WEF 1971 ins Leben gerufen hat, ist im Frühjahr beschuldigt worden, dass er Spesen aufgeblasen und Studien beeinflusst haben soll. Eine externe Untersuchung hat die Vorwürfe entkräftet. Trotzdem wird Klaus Schwab dieses Jahr nicht in Davos sein. Wird er totgeschwiegen?
Klaus Schwab hat Unglaubliches geleistet. Das World Economic Forum ist eine grossartige Sache und wir bewundern, was er da geschaffen hat. Aber die Welt hat sich verändert und wir gehen jetzt vorwärts. Wir haben uns mit Professor Klaus Schwab geeinigt, dass er dieses Mal nicht dabei sein wird.
Das Gespräch führte Klaus Ammann.