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RAV haben alle Hände voll zu tun
Aus Echo der Zeit vom 09.06.2020.
abspielen. Laufzeit 04:00 Minuten.
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Zusätzliche Stellensuchende RAV haben deutlich mehr zu tun

Der Corona-Lockdown jagte die Zahlen in die Höhe. Mit einem weiteren Schub wird nach Ende der Kurzarbeit gerechnet.

Für viele Menschen ist es eine neue Erfahrung: Plötzlich müssen sie aufs RAV, weil sie ihre Stelle verloren haben. Das höre sie dieser Tage oft, sagt Nadine Steiner, die auf dem RAV Bümpliz Stellensuchende berät: «Viele berichten von vorsorglichen Kündigungen von einem Tag auf den anderen. Argument: Coronavirus.»

Häufig könnten die Betroffenen ihre Kündigung nachvollziehen und zeigten Verständnis angesichts der prekären Wirtschaftslage, beobachtete Steiner mit Erstaunen: «Viele empfinden die Kündigung nicht als unfair, sondern betrachten das Virus als Fakt und berichten auch vom Bedauern der Arbeitgeber.»

Gruppenleiterin Nadine Steiner vom RAV in Bümpliz
Legende: Gruppenleiterin Nadine Steiner vom RAV in Bümpliz erlebt auch viel Verständnis von den vorsorglich Gekündigten für die corona-bedingte Krisenlage. SRF

Seit März verzeichnen die RAV Tausende zusätzliche Stellensuchende. Das ist ein Zeichen, dass sich in der Schweiz schlagartig etwas verändert hat. «Der rasante Anstieg von Stellensuchenden auf einen Stichtag und in der Folge des Lockdowns unterscheidet sich klar von der Lage bei der Finanzkrise 2008 und ist bemerkenswert», stellt Remo Frei fest, Leiter der Arbeitsvermittlungszentren im Kanton Bern.

Fulminanter Anstieg um 30 Prozent

Frei verdeutlicht dies mit Zahlen: «Waren es im Februar rund 17'000 Stellensuchende in den Berner RAV, ist die Zahl bis Mai auf 22'000 gestiegen.» Das ist ein Plus von 30 Prozent. Umgehend musste er mehr Personal einstellen, um die vielen neuen Dossiers bewältigen zu können.

Der rasante Anstieg auf einen Stichtag unterscheidet sich klar von der Finanzkrise 2008 und ist bemerkenswert.
Autor: Remo FreiLeiter der Arbeitsvermittlungszentren im Kanton Bern
Remo Frei.
Legende: Remo Frei, Leiter Arbeitsvermittlung im Kanton Bern: Unmittelbar nach dem Lockdown schnellten die Zahlen in die Höhe. SRF

Doch am wirtschaftlichen Umfeld können auch die Arbeitsvermittlungszentren nichts ändern. Den Stellensuchenden Zuversicht zu vermitteln sei momentan das Wichtigste, so Steiner in Bümpliz: «Uns ist bewusst, dass der Stellenmarkt nicht intakt ist. Der Zugang zu den Stellen ist erschwert. Genau jetzt braucht es viel Geduld und man muss bei der Stellensuche am Ball bleiben.»

Erfreulich sei, dass sich in gewissen Branchen wie der Gastronomie und im Detailhandel die Situation bereits wieder entschärfe, so Steiner. An der Baubranche sei die Coronakrise bislang sogar fast spurlos vorbeigegangen.

Wie weiter nach der Kurzarbeit?

Trotz alledem sind die Aussichten für Langzeitarbeitslose oder schlecht Qualifizierte momentan schlecht. Dazu kommt laut Frei als grosse Unbekannte, wie sich die Tausenden von Unternehmen mit Kurzarbeit verhalten: «Wenn die Kurzarbeit ausläuft, kann es nochmals verstärkt zusätzliche Stellensuchende geben. Auf dieses Szenario müssen wir uns einstellen.»

Die grosse Unbekannte: Wie verhalten sich die Tausenden von Unternehmen mit Kurzarbeit?
Autor: Remo FreiLeiter der Arbeitsvermittlungszentren im Kanton Bern

Im März waren 800'000 Personen von Kurzarbeit betroffen. Je nach wirtschaftlicher Lage können die Unternehmen bis zu 12 Monate Kurzarbeit beanspruchen. Die Zeiten der Vollbeschäftigung, wie sie noch bis Februar geherrscht haben, sind also – zumindest für den Moment – vorbei.

Echo der Zeit, 09.06.2020, 18:00 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Franz Giger  (fjg)
    Und plötzlich haben sie auch gemerkt, dass nach Ablauf der Kurzarbeitsfrist eine veritable Welle von Arbeitslosen zu erwarten ist, die das Bisherige locker in den Schatten stellt.
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    1. Antwort von Nico Stäger  (Nico Stäger)
      ... und das nur 3 Monate nach dem Lockdown. Ich erinnere mich an das bittere Lachen, welches einem im Halse stecken blieb, als von Sofortmassnahmen von 10 Milliarden Franken für Kurzarbeit gesprochen wurde. Als dann ein paar Wenige von mindestens 100 Milliarden Kosten geschrieben haben, wurden wir virtuell gelyncht. Die 100 Mia. sind bereits erreicht mit den zu erwartenden Steuerausfällen für Bund, Kanton und Gemeinden (Unternehmenssteuern, Mineralölsteuer, Einkommenssteuer, MwSt, etc.).
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    @SRF: Es wäre gut, wenn Statistiken regelmässig erscheinen würden. Welche Branchen, Berufe, Regionen, Alter der Stellensuchende usw. sind am besten betroffen. Welche Berufe werden nach wie vor gesucht und wo. So können Stellensuchende ihre Suche besser anpassen. Manche erweitern dann den Suchradius, was zwar zu längeren Arbeitswegen (und weiter verstopften Zügen) führt, aber dazu braucht es die regelmässigen Infos der Entwicklungen. Oder die Weiterbildungen kann man optimieren.
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  • Kommentar von Henriette Rub  (Sylou)
    Wer hätte das gedacht!
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