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«SRF 3 Best Talent» im März Pina Palau teilt nie eine Zahnbürste – aber ihre Musik mit uns

Sie arbeitet in der Psychiatrie, wohnt in einer WG, fährt Rennrad – und verwandelt Alltagsmomente, Erinnerungen und Gedanken in poetische Indie Folk-Songs – nahbar, ehrlich und ganz eigen.

Eine von Pina Palaus frühesten Kindheitserinnerungen ist, wie sie mit ihrer Mutter um den Küchentisch tanzt, während aus dem Plattenspieler ihr damaliger Lieblingssong dröhnt: «No Milk Today» von Herman's Hermits. Klein-Pina denkt, dass es im Song um ihren Bruder geht – der hat nämlich eine Laktoseintoleranz.

Person in gelber Jacke vor grauem Hintergrund.
Legende: Pina Palau heisst eigentlich Sophie Meerwein und bezeichnet sich selbst als ihre härteste Kritikerin. SRF/David Marbach

Ärztin am Tag, Songwriterin immer

Heute wohnt Pina Palau in einer WG in Zürich, arbeitet als Assistenzärztin in der Psychiatrie und fährt Rennrad. Ihre grosse Leidenschaft ist die Musik: Sie hat gerade ihr drittes Studioalbum «You Better Get Used To It» veröffentlicht.

David Beckham, Avril Lavigne und Black Beat

Pina Palau wird 1993 in Zürich geboren – am 14. Juni, dem feministischen Streiktag, wie sie lachend betont. Weil der Sportplatz auf ihrem Kindergartenweg so gut riecht, beschliesst sie, Fussball zu spielen. Ihr Götti schenkt ihr ein Trikot von David Beckham – ab da ist sie Beckham-Fan. Dass sie keine Profi-Fussballerin wird, verdanken wir Avril Lavigne: Inspiriert von der kanadischen Sängerin beginnt Pina Musik zu machen und Skateboard zu fahren (inklusive Armbruch). Merci, Avril!

Musik war in ihrem Elternhaus immer präsent. Die Mutter hörte die Rolling Stones und Patti Smith, der Vater eher Simon & Garfunkel und Neil Young.

Mit etwa 15 schrieb sie ihren ersten Song: «Melody». Er handelte vom Jugendfreund ihrer Mutter, einem Gitarristen, der in der Drogensucht abstürzte.

Schon zuvor hatte sie mit einem Schulfreund die Band «Black Beat». Ihr Songwriting damals: die vier englischen Wörter, die sie kannten, auf ein Blatt schreiben und singen. «Ich weiss aber nicht, ob das als Song zählt», lacht sie.

Bon Iver in Santa Barbara, Courtney Barnett in Lausanne

Mit etwa 20 reist Pina alleine mit dem Rucksack im Zug von Los Angeles nach San Francisco. In Santa Barbara macht sie Halt und besucht ein Open-Air-Konzert in einer Arena in den Hügeln: Steinränge wie in einem römischen Theater, kalifornisch oranges Licht, eine Brise in den hohen Bäumen, in der Ferne das Meer. Bon Iver spielt – und Pina ist so gerührt, dass sie vom ersten bis zum letzten Ton weint. «Dort würde ich auch gerne einmal spielen», sagt sie.

Wer Bon Iver kennt, weiss ungefähr, wo Pina Palau klanglich zuhause ist: intime, gitarrengetriebene Songs mit viel Raum zum Nachdenken.

Ein Traum hat sich bereits erfüllt: 2022 spielte sie als Support-Act für eines ihrer grössten Vorbilder, die Grammy-nominierte Musikerin Courtney Barnett, vor grossem Publikum im Les Docks Lausanne. «Ich habe gar nicht richtig gecheckt, was da gerade passiert», sagt sie – «vielleicht auch gut so, sonst wäre ich wohl zu nervös gewesen.»

Und sonst so?

Wer Pina fragt, ob der Psychiatriejob und die Musik etwas miteinander zu tun haben, wird wahrscheinlich erst mal eine Pause als Antwort bekommen: «Ich bin nicht gut darin, einfach irgendetwas zu sagen.»

Pina ist reflektiert, suchend und politisch wach. Sie beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Spannungen, Ungleichheit und Polarisierung – aber auch mit praktischen Fragen, etwa wie man einen vollgeladenen Bandbus legal durch den UK-Zoll bringt. Ihr Lieblingsessen ist Parmigiana, ihr Lieblingstier das Schaf – weil es unaufdringlich ist und nicht nach Aufmerksamkeit schreit. Auf Wanderungen und Festivals nimmt sie ihre elektrische Zahnbürste mit, weil sie nicht ohne kann – teilen würde sie sie trotzdem nie.

Das ist «SRF 3 Best Talent»

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Linda Elys auf der Bühne der Swiss Music Awards 2025
Legende: Siegerin 2025: Linda Elys 2025 holte sich die Schwyzer Musikerin Linda Elys den Swiss Music Award in der Kategorie «SRF 3 Best Talent» samt 10'000 Franken Fördergeld. Keystone/Ennio Leanza

«SRF 3 Best Talent» zeichnet aufstrebende Musikerinnen und Musiker aus der Schweiz aus. Jeden Monat steht ein Act im Fokus. Drei von ihnen werden Ende Jahr von der Jury ausgewählt und für einen Swiss Music Award und den Förderpreis von 10'000 Franken nominiert. Das Publikum wählt die Jahressiegerin oder den Jahressieger per Online-Voting.

Radio SRF 3, 5.3.2026, 19:00 Uhr

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