Wasserkraft: Weisses Gold ohne Glanz?

  • Mittwoch, 29. Juni 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 29. Juni 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 29. Juni 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die guten Jahre der Wasserkraft seien vorbei, sagt die Branche. Doch dies könnte sich schon bald wieder ändern, wie das Beispiel Norwegen zeigt. Ein Land mit einer Wasserkraftproduktion, die drei Mal so gross ist wie in der Schweiz.

Wasserkraft war jahrelang ein lukratives Geschäft. Bis vor kurzem wurden noch Milliarden in neue Pumpspeicherwerke investiert, zum Beispiel in die Werke Nant de Drance im Wallis oder Linth-Limmern im Kanton Glarus.

Weil heute aber zu viel Strom auf dem Strommarkt ist und dadurch die Preise sehr niedrig, lässt sich kaum noch Geld verdienen mit Wasserkraft. Die Zukunft der Wasserkraft sei zwar nicht in Frage gestellt heisst es von Betreiberseite, doch nehmen die Wasserkraftproduzenten Abschied von Konzepten wie der Pumpspeicherung. Damit ist auch der Plan gescheitert, die Wasserkraftwerke als «Batterie Europas» einzusetzen, um den unregelmässig anfallenden Wind- und Solarstrom zu speichern.

Auch das Land mit der europaweit grössten Wasserkraftproduktion – Norwegen – glaubt nicht mehr daran und investiert lieber Geld in Verbindungskabel zum Kontinent um am europäischen Stromhandel mitzuverdienen.

Beiträge

  • Reportage aus Ulla Førre (N)

    Das grösste Wasserkraftwerk Nordeuropas hat eine Speicherkapazität so gross wie alle Schweizer Stauseen zusammen. Ulla Førre wurde in den 1970-er Jahren mit Pumpspeichertechnologie gebaut.

    Ursprünglich gedacht für die Versorgungssicherheit des Landes, dienen die Pumpen heute dazu, mit günstigem Strom Wasser hochzupumpen um es aufzusparen für Zeiten mit höheren Strompreisen.

    Daniel Theis

  • Pumpspeicherkraftwerke in der Schweiz

    Wasserkraft in der Schweiz - das war lange ein lukratives Geschäft.

    Insbesondere zu Beginn des Jahrtausends verdienten die Energiekonzerne Millionen und investierten deshalb Milliarden in den Ausbau, zum Beispiel in die Pumpspeicherkraftwerke - Nant de Drance im Wallis und Linth-Limmern im Kanton Glarus. Doch unterdessen hat sich der Strommarkt grundlegend verändert und mit Wasserkraft lässt sich nur noch ganz wenig Geld verdienen - noch weniger mit Pumpspeicherkraftwerken.

    Klaus Ammann

  • Die Krise der Wasserkraft

    Wie schlimm ist die Krise der Wasserkraft überhaupt und wie viel Schuld trifft die Schweizer Energiekonzerne an ihrer eigenen Misere? Fragen, die Klaus Ammann dem Energieökonomen Hannes Weigt gestellt hat.

    Dieser ist Professor am Wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Universität Basel und Leiter einer Studie im Nationalen Forschungsprogramm NFP 70 zur Zukunft der Wasserkraft.

    Klaus Ammann

  • Kabel statt Pumpspeicherkraftwerke

    In Europa gibt es eher zuviel als zu wenig Strom – und diesen könnte man mit Pumpspeicherkraftwerken zwischenspeichern, so die Idee; aufsparen für schlechte Tage also. Doch niemand will die Anlagen bauen um den Strom zu speichern – sie lohnen sich finanziell nicht.

    Ein anderes Konzept zur Speicherung wird zur Zeit in Norwegen verfolgt. Statt neue Pumpspeicherwerke zu bauen und damit zur vielzitierten «Batterie Europas» zu werden, bauen die Norweger Unterseekabel zum Kontinent um den Stromhandel anzukurbeln. «Virtuelle Pumpspeicher» nennen sie dieses Konzept.

    Daniel Theis

  • Die Energie der Zukunft ist erneuerbar

    Die norwegische Wasserkraft wird wegen der Verbindungskabel immer mehr auch in Mitteleuropa zur Verfügung stehen, zumindest in der EU, in der ein freier Strommarkt besteht.

    Norwegen ist dabei ein grosser Player: Es produziert von allen europäischen Ländern mit Abstand am meisten Strom aus Wasserkraft. Doch Norwegen ist auch ein grosser Förderer von Erdöl und Gas.

    Daniel Theis hat mit Torkild Jemterud über die Energiezukunft von Norwegen und Europa gesprochen. Torkild Jemterud arbeitet beim öffentlich-rechtlichen Radiosender NRK in Norwegen als Wissenschaftsredaktor.

    Daniel Theis

Autor/in: Daniel Theis, Klaus Ammann, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Michael Sennhauser