Die Zeit wird kommen, in der die Eishockey-Schweiz in Nostalgie schwelgt und sich die goldenen – oder eben silbernen – Jahre des Männer-Nationalteams zurückwünscht. Vor 10, 20 oder 30 Jahren schien es komplett unrealistisch, dass die Nati 3-mal in Serie den WM-Final bestreiten würde.
Die aktuelle Gemütslage ist aber eine andere. Erstmal ist Trübsal blasen angesagt. Die Gold-Mission auf heimischem Boden, sie ist gescheitert.
Makellos bis und mit Halbfinal
So sehr wie in diesem Jahr schmerzte das Verpassen des erstmaligen WM-Titels noch nie. Die Vorzeichen waren optimal. Die WM-Vorbereitung begann mit der Freistellung von Patrick Fischer und der Ablösung durch Jan Cadieux zwar mit einem Knall. Während sich die Medien rund um die «Causa Fischer» die Finger wundschrieben, rückte die Mannschaft noch näher zusammen, ganz nach dem Motto: «Jetzt erst recht!»
Die tragenden Säulen auf dem Weg zu Silber an der Heim-WM
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Bild 1 von 9. Leonardo Genoni. Der EVZ-Goalie ist das beste Beispiel dafür, dass das Alter nur eine Zahl ist. Genoni ist auch mit 38 Jahren noch Weltklasse. Er stand in 7 der 10 WM-Partien zwischen den Pfosten, feierte 3 Shutouts und weist mit 97,08% die klar beste Abwehrquote des Turniers aus. Bildquelle: Keystone/Andreas Becker.
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Bild 2 von 9. Janis Moser. Der Seeländer hat in der abgelaufenen Saison noch einmal grosse Fortschritte erzielt. Gerade defensiv ist der NHL-Verteidiger eine Bank und kann den Gegnern so richtig unter die Haut gehen. Dass er im Final beim entscheidenden Tor auf dem Eis stand, schmälert seine Leistung über das ganze Turnier gesehen nicht. Bildquelle: IMAGO / Sports Press Photo.
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Bild 3 von 9. Roman Josi. Der Leuchtturm dieser Nati. Der Berner ist auch mit inzwischen 36 Jahren noch unermüdlich. Seine Schusstechnik und Übersicht sind genauso eindrücklich wie die läuferischen Qualitäten. Mit 12 Skorerpunkten war Josi der klar produktivste Verteidiger an der WM und der viertbeste Skorer aller Feldspieler. Die Wahl zum Turnier-MVP ist mehr als verdient. Bildquelle: Keystone/Claudio Thoma.
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Bild 4 von 9. Nico Hischier. Es gibt Partien, da fällt der Walliser im Vergleich zu anderen Leaderfiguren kaum auf. Doch kein Spieler liest das Spiel besser als der Captain der New Jersey Devils. Auch sein defensives Gewissen hebt ihn von ähnlichen Spielertypen ab. Im Viertelfinal gegen Schweden bereitete Hischier das 3:1 magistral vor. Bildquelle: IMAGO / justpictures.ch.
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Bild 5 von 9. Ken Jäger. Der Büdner war die positive Überraschung im Schweizer Team. Gemeinsam mit Simon Knak und Damien Riat bildete Jäger die Energie-Sturmlinie und machte der gegnerischen Parade-Formation das Leben schwer. Nicht nur bei 5-gegen-5, sondern auch im Powerplay war der 28-Jährige äusserst wertvoll für das Cadieux-Team. Bildquelle: IMAGO / All Over Press Finland.
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Bild 6 von 9. Timo Meier. Zuweilen räumte der Herisauer auf dem Eis alles ab, was ihm in die Quere kam. Meiers physischer Stil schüchterte die Gegner ein und verschaffte seinen Sturmkollegen oft zusätzlichen Platz, um sich zu entfalten. Der 29-Jährige bewegt sich oft am Rande des Erlaubten. Für einen Check gegen das Knie wurde Meier nachträglich für den Halbfinal gesperrt. Bildquelle: IMAGO / justpictures.ch.
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Bild 7 von 9. Denis Malgin. Die technischen Fähigkeiten gepaart mit seinem Tempo machen den ZSC-Akteur für die Nati unverzichtbar. Es war Malgins Energieanfall, der die Schweiz im Viertelfinal gegen Schweden auf die Siegerstrasse brachte. Mit 13 Punkten belegt der 29-Jährige Rang 3 in der WM-Skorerliste. Bildquelle: IMAGO / Beautiful Sports International.
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Bild 8 von 9. Sven Andrighetto. Nach der in den NL-Playoffs erlittenen Kopfverletzung war lange nicht klar, ob Malgins kongenialer Sturmpartner die Heim-WM bestreiten kann. Glücklicherweise für die Nati gewann der 33-Jährige das Rennen gegen die Zeit. Nachwehen waren während des Turniers keine zu erkennen. Mehr Skorerpunkte als Andrighetto (15) sammelte kein anderer Spieler. Bildquelle: KEYSTONE/Andreas Becker.
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Bild 9 von 9. Jan Cadieux. Der 46-Jährige übernahm das Amt des Nati-Headcoachs in einer alles anderen als einfachen Situation. In seiner ruhigen, sachlichen und überlegten Art blieb Cadieux seiner Linie fast immer treu. Einzig unmittelbar nach dem Halbfinal gegen Norwegen verlor der Trainer kurz die Contenance und lieferte sich ein Wortgefecht mit seinem Konterpart. Bildquelle: Keystone/Claudio Thoma.
Mit dem 3:1-Auftaktsieg in der Final-Reprise von 2025 gegen die USA sprang die Nati auf die Euphoriewelle auf. In der Folge fegten die Schweizer nur so über ihre Gruppengegner hinweg, die Begeisterung rund um die Eishockey-Nati erreichte eine neue Dimension. Die Verbindung zwischen Fans und Mannschaft gipfelte jeweils nach den Siegen, als gemeinsam die «W. Nuss vo Bümpliz» zelebriert wurde.
Im Viertelfinal erbrachte die Nati den Beweis, dass sie auch Widerständen trotzen kann. Gegen Schweden liess sich die Schweiz auch von einem anfänglichen Rückstand nicht unterkriegen und bestand die Reifeprüfung letztlich souverän. Es folgte die 6:0-Gala im Halbfinal gegen ein inferiores Norwegen.
Zu früh ausgeschossen
Wie schon 2024 in Prag und 2025 in Stockholm geriet der Offensiv-Motor der Schweizer aber auch 2026 in Zürich im Final ins Stocken. Über weite Strecken fehlte es an Präzision, Tempo und Durchschlagskraft. Alles Attribute, welche die Schweiz zuvor im Turnierverlauf ausgezeichnet hatten.
Selbst die Hockey-Götter wünschten sich in diesem Jahr die langersehnte Titel-Premiere der Nati. Sowohl im Viertelfinal als auch im Final wurde jeweils ein Treffer des Gegners zurecht einkassiert. Auch die eine oder andere wichtige Strafe wurde eher zugunsten der Schweizer ausgesprochen. So etwa jene im Final kurz vor Ende des Startdrittels, als gleich zwei Finnen gleichzeitig rausgeschickt wurden, Timo Meier aber mit einem vermeintlichen Check gegen das Knie ungeschoren davonkam.
Der letzte Eindruck bleibt, aber ...
Es liegt in der Natur des Menschen, dass er die letzten Eindrücke am intensivsten im Kurzzeitgedächtnis abspeichert. Und diese letzten Eindrücke sind aus Schweizer Sicht stark negativ behaftet. Das Team, die Fans, das ganze Land war bereit für Gold. Die Enttäuschung, dass es erneut «nur» Silber wurde, ist grenzenlos.
Bei aller Desillusion sollte man aber die 16 WM-Tage vor dem Final nicht einfach vergessen. Was die Nati erreicht und ausgelöst hat, auf und neben dem Eis, ist und bleibt nicht selbstverständlich. Die Heim-WM, sie war ein Märchen – nur halt eines ohne Happy End.