Er hat es bis in die Bundesliga geschafft. Auf die grosse Bühne also. Doch wirklich wohl war es ihm im Scheinwerferlicht praktisch nie. «Die einzigen Spiele, die ich wirklich geniessen konnte, waren jene in Bielefeld, als unser Aufstieg in die Bundesliga schon feststand», sagt Brunner rückblickend. Eine Handvoll Spiele waren das. Im Juni 2020. Ansonsten war Brunner vor Einsätzen zu oft im Gedankenkarussell gefangen.
«Vor den Spielen war ich immer sehr nervös und angespannt.» Es ist die Realität, mit der sich Cédric Brunner Wochenende für Wochenende konfrontiert sah. Eine Realität, über die er – der Anfang Januar 2025 seine Profikarriere offiziell beendete – mittlerweile sehr offen spricht. Versagensängste, Zweifel, Überforderung – all das beschäftigte ihn während seiner Zeit als Fussballprofi stark. «Ich habe immer gehofft, dass ich keinen entscheidenden Fehler mache», sagt Brunner.
«Ich war nicht der einzige Spieler mit diesem Problem»
Die wiederkehrenden negativen Gedanken machten sich auch körperlich bemerkbar. An Spieltagen plagten Brunner Magen-Darm-Beschwerden. «Vor den Partien war ich permanent auf dem WC», erzählt Brunner. Allein war er dort nie. «In der Regel gab es in den Stadien vier, fünf Toiletten, die aneinandergereiht waren. Es hat mich beruhigt, dass ich nicht der einzige Spieler mit diesem Problem war. Nur redet halt niemand gerne darüber. Es ist schliesslich auch kein angenehmes Thema.»
Er habe auch die Erfahrung gemacht, dass Spieler Angst hätten, sich zu öffnen. «Viele haben etwa das Gefühl, dass das Teilen von Gefühlen Auswirkungen auf den nächsten Vereinswechsel haben kann», sagt Brunner. «Es ist nach wie vor so, dass das ganze Thema innerhalb einer Mannschaft etwas belächelt wird.»
«Rückblickend war das sicher nicht der richtige Weg»
Seine Beobachtungen und Gedanken teilte Brunner lange Zeit nicht. «Auch gegenüber meiner Familie habe ich die Themen nicht immer offen angesprochen. Rückblickend war das sicher nicht der richtige Weg», so Brunner. Deshalb legt er jeder jungen Person im Fussballgeschäft nahe, sich früh mit dem Thema der mentalen Gesundheit zu befassen.
«Es lohnt sich, Unterstützung zu holen. Man muss diesen teilweise harten Weg im Leistungssport nicht allein bestreiten.» Brunners ganze Geschichte erfahren Sie in der aktuellen Folge von «Kehrseite – Abseits des Erfolgs».