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Leber und Alkohol Dry January: Reicht ein Monat ohne Alkohol für die Leber?

Die Leber ist ein sehr interessantes Organ, denn sie ist äusserst regenerationsfähig. Aber sie verzeiht nicht alles.

Die Leber ist das grösste und wichtigste Stoffwechselorgan im menschlichen Körper. Sie wiegt ungefähr zwei Kilogramm und befindet sich rechts im Oberbauch. Sie ist direkt am Stoffwechsel beteiligt und steuert den Glucose-, Fett- und Eiweissstoffwechsel. Zusätzlich stellt sie wichtige Eiweisse her, die es für die Blutgerinnung und die Immunabwehr braucht und sorgt aber auch für den Abbau von Stoffen, etwa von Medikamenten.

Sie ist regenerationsfähig wie kein anderes Organ: Bis zu 70 Prozent der gesunden Leber können entfernt werden und sie wächst wieder nach. «Für mich ist sie deshalb unglaublich spannend», sagt Yves Borbély, Gastroenterologe am Inselspital Bern. All diese positiven Eigenschaften würden aber keinen Freipass bedeuten, wenn es um die Leber und den Alkohol geht.

Die Regenerationsfähigkeit der Leber

«Die Leber verzeiht sehr viel», sagt Borbély. Ab und zu feuchtfröhlich feiern mit vielen Gelegenheiten zum Anstossen, gutem Essen mit Weinbegleitung und vielleicht noch einem Schnaps zum Verdauen – geschenkt. Fast.

Aber der regelmässige Alkoholkonsum unter dem Jahr, der setze der Leber zu, auch Übergewicht, fettes Essen und hoch verarbeitete Lebensmittel tragen das ihre dazu bei, dass die Leber mit Regenerieren nicht mehr nachkomme, so der Experte. Die Folge: Eine chronische Entzündung der Leber, eine Leberzirrhose.

Was ist eine Leberzirrhose?

Die Leberzirrhose bringt man als Laie als erstes mit übermässigem Alkoholkonsum in Verbindung. Aber auch Übergewicht, eine dadurch bedingte Fettleber oder eine Hepatitis, eine virale Leberentzündung, können zu einer Leberzirrhose führen.

Bei einer Leberzirrhose vernarbt das Lebergewebe durch eine chronische Entzündung. Die Folge: Die Leber schrumpft und ist in ihrer Funktion eingeschränkt. «Eine Narbe im Lebergewebe ist irreversibel», so der Gastroenterologe.

Alkohol in Massen?

Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es keine Alkoholmenge, welche gesundheitlich unbedenklich ist. «Natürlich trinke ich auch ab und zu ein Glas Wein», sagt Borbély. Es sei der tägliche Konsum, welcher der Leber zusetze, weil dieser schlussendlich zu einer chronischen Entzündung führe. Zudem gehört das tägliche gesunde Glas Wein mittlerweile ins Reich der Mythen.

Bringt’s der «Dry January»?

«Leider gibt es bis heute keine Studie, die eindeutig aufzeigt, was der Dry January für den Körper, insbesondere für die Leber langfristig bedeutet», so Borbély.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus Grossbritannien hat gezeigt, dass Teilnehmende, die vorher moderat Alkohol tranken, eher von einer erfolgreichen Abstinenz berichten konnten, im Gegensatz zu denjenigen mit höherem Alkoholkonsum.

Im Dry January sehe ich die Chance für einen Change of Life. Und dass es auch ohne täglichen Alkohol geht.
Autor: Yves Borbély Gastroenterologe

Wer erfolgreich abstinent war, habe von kurz- bis mittelfristig reduziertem Alkoholkonsum auch nach dem Dry January berichtet. Zudem sei diese Gruppe zufriedener gewesen, hätte nach dem Verzichtmonat leichter auf Alkohol verzichten können und über bessere Laborwerte verfügt, so die Autoren.

Auch wer nicht gänzlich abstinent war, habe profitiert. Der Gastroenterologe streicht noch einen weiteren Vorteil des Dry January hervor: «Im Dry January sehe ich die Chance für einen Change of Life. Und dass es auch ohne täglichen Alkohol geht.»

Radio SRF 1, Ratgeber, 23.1.2026, 11:08 Uhr

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