Cordon bleu, Coq au vin, Bœuf Bourguignon: Das Bonmot «Leben wie Gott in Frankreich» hat auch viel mit der Speisekarte zu tun. Und die ist bei unseren Nachbarn traditionell fleischlastig.
Nun wurde in der Pariser Verwaltungsküche etwas angerührt, das nicht allen schmeckt: In ihrer «Nationalen Strategie für Ernährung und Klimaschutz» ruft die Regierung zu weniger Fleischverzehr auf.
Rind, Tatar oder Steak kann man in fast jedem Bistro bestellen.
Paris begründet die Ratschläge mit Erkenntnissen zu gesunder Ernährung, aber auch mit den Auswirkungen der Nahrungsmittelerzeugung auf die Umwelt. Anstelle von Fleisch sollen mehr Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte gegessen werden.
In Frankreich landet vergleichsweise viel Fleisch auf dem Teller. Pro Kopf und Jahr sind es 85 Kilo. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es rund 50 Kilo.
Knatsch zwischen Ministerien
SRF-Korrespondentin Zoe Geissler bestätigt: «Rind, Tatar oder Steak kann man in fast jedem Bistro bestellen.» Allerdings sei in den letzten Jahren auch in Frankreich das Umweltbewusstsein gestiegen und der Fleischkonsum leicht rückläufig – gerade beim Rindfleisch.
Die Veröffentlichung der Empfehlungen in Frankreich wurde mehrfach verschoben. Hinter den Kulissen soll es nämlich Knatsch gegeben haben, wie SRF-Geissler berichtet: «Offenbar wollte das Umweltministerium eine Reduzierung des Fleischkonsums in die Strategie aufnehmen – das Agrarministerium wollte zu einer Begrenzung raten.»
Gegenläufige Interessen
Das Ende des Tauziehens: Die Regierung rät zu einem begrenzten Fleischkonsum und dazu, die Importe zu reduzieren. So soll die heimische Agrarproduktion gestärkt und dem Klimaschutz Rechnung getragen werden. Denn gerade importiertes Fleisch bringt ordentlich CO₂ auf die Waage.
Frankreich ist der grösste Agrarproduzent innerhalb der EU. «Schlussendlich geht es bei dem Thema also auch darum, ein Gleichgewicht zwischen ökologischen Interessen und den Bedenken der Landwirtschaft zu finden», schätzt Geissler ein.
«Make America Healthy Again»
Ganz anders verläuft die Debatte in den USA. Dort empfehlen die Behörden in ihren «Dietary Guidelines for Americans» neuerdings mehr Proteine und vollfette Milchprodukte – ausdrücklich wird auch zum Fleischkonsum aufgerufen.
«Make America Healthy Again» – «macht Amerika wieder gesund», propagiert Gesundheitsminister Robert F. Kennedy. Die Menschen sollten wieder «echtes Essen» zu sich nehmen und auf hochverarbeite Lebensmittel verzichten.
Auf klimaschädliche Auswirkungen der Fleischproduktion wird nicht verwiesen. Angesichts der jüngsten Kehrtwende in der Klimapolitik durch die Trump-Administration ist das nur konsequent: So anerkennt sie den wissenschaftlichen Konsens nicht mehr, dass Treibhausgase dem Menschen und Klima schaden.