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Schwere Vorwürfe gegen Australiens Justizminister
Aus HeuteMorgen vom 03.03.2021.
abspielen. Laufzeit 03:14 Minuten.
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33 Jahre nach dem Vorfall Australischer Minister steht unter Vergewaltigungsverdacht

Der Beschuldigte streitet den Vorwurf ab. Doch da sich die Frau das Leben genommen hat, wird es keine Ermittlungen geben.

Was ist passiert? Mehrere australische Politiker haben in den letzten Wochen einen Brief erhalten. Darin werden relativ detailliert die Umstände geschildert, wie ein heute hochrangiger Minister, inzwischen als Christian Porter identifiziert, 1988 bei einem Studienausflug nach Sydney eine Schulkollegin vergewaltigt haben soll. Er war damals 17, das Mädchen 16 Jahre alt. Porter streitet diese Reise nicht ab, sehr wohl aber die Vergewaltigung.

Was steckt dahinter? Die Frau hatte dieses Erlebnis laut ihren Freunden 30 Jahre lang mit sich herumgetragen – offenbar mit Folgen für ihre psychische Verfassung. Erst letztes Jahr informierte sie die Polizei. Sie nahm sich aber tragischerweise das Leben, noch bevor sie der Polizei ein offizielles Protokoll abgeben konnte. Deshalb, so das Argument der Polizei, könne in diesem Fall nun nicht mehr ermittelt werden. Die Hauptzeugin und Anklägerin fehle.

Wie reagiert der Angeschuldigte? Der Justizminister sagt, er sei Opfer einer Medienkampagne geworden. Hat er da auch ein wenig recht? «Ja und nein», sagt SRF-Australien-Mitarbeiter Urs Wälterlin. «Porter war bis zu seiner Erklärung heute Morgen nicht von den Medien als der beschuldigte Minister identifiziert worden – schon alleine aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wäre das für die Medien ein Hochrisikomanöver gewesen. Wir reden da immerhin über den höchsten Justizverantwortlichen des Landes.»

Porter hat den Ruf, sich schon öfters abwertend über Frauen geäussert zu haben.
Autor: Urs WälterlinSRF-Korrespondent, Canberra

Aber Details seien durchgesickert. «Und: Da Porter erst kürzlich wegen früheren sexuellen Verfehlungen in den Schlagzeilen gewesen war, konnte man sich relativ bald ausrechnen, dass es sich um ihn handeln könnte.» Er habe den Ruf, sich schon öfters abwertend über Frauen geäussert zu haben, auch während seiner Studienzeit und als junger Staatsanwalt, so Wälterlin.

Video
Christian Porter spricht unter Tränen zu den Medien
Aus News-Clip vom 03.03.2021.
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Wird dieser Fall Folgen haben? «Angesichts des Aufruhrs, den der Skandal ausgelöst hat, kann ich mir etwas anderes fast nicht vorstellen», sagt der Korrespondent. «Der öffentliche Druck wird vor allem jetzt auch nach Porters Pressekonferenz sicher sehr gross sein.» Die Tatsache aber, dass er nicht selbst zu einer Untersuchung aufruft und nicht zurücktritt, wie er klargemacht hat, oder wenigstens temporär seinen Posten zur Verfügung stellt, zeuge «entweder von seiner Unschuld oder von geradezu atemberaubender Arroganz», wie ein australischer TV-Kommentator sagte.

Wie geht die Politik mit den Vorwürfen um? Dieser Vorwurf sei der momentan spektakulärste in einer Reihe von jüngeren Fällen in Australien, sagt Wälterlin. Erst vor einem Monat habe eine junge politische Angestellte geklagt, sie sei nach einer Party im angetrunkenen Zustand im Vorzimmer der Verteidigungsministerin von einem Kollegen vergewaltigt worden.

In Australien werden Frauen auch im Alltag sehr oft ungleich behandelt.
Autor: Urs WälterlinSRF-Korrespondent, Canberra

«Solche Skandale sind aber nicht etwa das Privileg der konservativen Partei», so der Journalist. Auch Sozialdemokraten sei immer wieder vorgeworfen worden, sie hätten ihre privilegierte Stellung missbraucht, um Untergebene zu verführen. «Man kann sagen, dass in Australien Frauen auch im Alltag sehr oft ungleich behandelt werden», sagt Wälterlin. «Sie verdienen deutlich weniger als Männer. Und frauenfeindliche Aussagen sind immer wieder zu hören.»

HeuteMorgen, 03.03.2021, 08:10 Uhr;

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Übrigens ist der Titel leicht reisserisch. Eigentlich ist es ein nichtbeweisbarer Vorwurf - da die Straftat, selbst wenn sie begangen wurde, aufgrund der Verjährung nie nachgewiesen wird und der Minister daher unschuldig ist und bleibt! Zu schreiben, er stehe unter dem Verdacht eine Vergewaltigung begangen zu haben, ist daher sehr weit gegriffen. Der Fall Kachelmann hat im Nachgang klar gemacht, dass in diesem Bereich schnell etwas geschrieben ist!
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Vieles ist hier Spekulation. Das offizielle Protokoll hätte in der Schweiz keine strafrechtlichen Konsequenzen gehabt, weil selbst wenn die Tat erfolgt wäre, sie nach 32 Jahren zu lange zurückliegt, sprich einfach verjährt ist. Die Tatsache, dass die Frau Selbstmord begangen hat, ist sehr tragisch, trägt aber nicht dazu bei, Licht in die Sache zu bringen. Wem hier Unrecht geschieht, ist unter den gegebenen Umständen schlicht nicht mehr feststellbar - damit ist man in der Spekulation gefangen.
    1. Antwort von Bruno Muller  (syd)
      So ist es und diese Spekulation auch noch in die Schweiz ziehen, geht überhaupt nicht
  • Kommentar von Vinzenz Böttcher  (AfroKaiser)
    Einie privilegierte Stellung nutzen um Untergebene zu verführen ist eine ganz andere Kategorie als eine Vergewaltigung. Mir ist unklar wie das als "ja bei den anderen ist sowas ähnliches ja auch passiert"-Agrument verwendet werden kann. Dass Macht sexy sein kann wirkt im übrigen in beide Richtungen und ich halte das nicht für falsch.

    Schlimm genug aber, dass jemand keinen anderen Ausweg aus einer Lebenssituation als den Selbstmord sah. Dadurch sehe ich aber nicht unbedingt Glaubwürdigkeit.