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Afghanistan: Sind die Taliban bereit, die Macht zu teilen?
Aus Echo der Zeit vom 23.08.2021.
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Abdul Ghani Baradar ist zurück Wer ist der Führer der Taliban?

Der politische Kopf der Taliban ist wieder in Kabul. Diesmal soll mit den Gegnern verhandelt werden.

Es ging erstaunlich schnell in Afghanistan. Am Sonntag vor einer Woche hat der ehemalige Präsident Ashraf Ghani, das Land verlassen und dieses Wochenende sind bereits hohe Talibanführer in der Hauptstadt Kabul eingetroffen. Darunter auch die Nummer zwei der Taliban: Abdul Ghani Baradar.

Er gilt als der politische Führer der Taliban und ist eines der Gründungsmitglieder der Bewegung. «Wir versichern, dass niemand zu Schaden kommt und dass Frieden herrscht», sagte Baradar letzte Woche nach der Machtübernahme. Nun ist Baradar also in Kabul und verhandelt mit den politischen Parteien.

Mit einem Transportflugzeug der qatarischen Armee ist Abdul Ghani Baradar am späten Samstagabend in Kabul eingetroffen. Seine Rückkehr verdeutlicht wie kaum ein anderes Ereignis in den letzten Tagen, dass die Taliban in Afghanistan politisch wieder an der Macht sind. Denn Baradar ist der politische Kopf der Bewegung.

Barandar (l.) mit einem Vertreter einer chinesischen Delegation
Legende: Barandar (l.) mit einem Vertreter einer chinesischen Delegation Abdul Ghani Barandar führt nicht nur Gespräche mit afghanischen Gegner, sondern auch mit internationalen Gesprächspartnern. Reuters

Schon 1996 kamen die Taliban schnell an die Macht

Vor 20 Jahren ist er aus Afghanistan geflohen, als die amerikanischen Truppen in Afghanistan einmarschierten. Gerüchten zu Folge soll er auf einem Motorrad ins benachbarte Pakistan geflohen sein. Er war damals stellvertretender Verteidigungsminister des Emirats Afghanistan.

Baradar war einer der Gründer der Taliban-Bewegung in Kandahar 1994. Nach dem Bürgerkrieg gegen verfeindete Kriegsherren im Norden haben die Taliban 1996 die Macht relativ schnell an sich gerissen. Sie überrannten das Land förmlich und haben Provinzhauptstadt um Provinzhauptstadt eingenommen, genauso wie es in den letzten Wochen der Fall war. Baradar war massgeblich an der damaligen Machtübernahme beteiligt gewesen. Er war kein radikaler Ideologe, sondern der strategischer Führer der Bewegung, der im Hintergrund die Fäden zog.

Nach dem Einmarsch der USA 2001 war Abdul Ghani Baradar teil der Quetta Schura, quasi der Exilführung der Taliban in Pakistan und lebte dort mehrere Jahre relativ unbehelligt.

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Taliban-Vize-Chef Mullah Abdul Ghani Baradar in Kabul eingetroffen
Aus Tagesschau vom 21.08.2021.
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Im Februar 2010 wurde er vom amerikanischen und pakistanischen Geheimdienst in der Wirtschaftsmetropole Karatschi verhaftet. Im Gefängnis wurde er für die USA zur Ansprechperson. Es fanden die ersten Versuche der USA statt, mit den Taliban ins Gespräch zu kommen. In Doha wurde 2013 dafür eigens ein politisches Büro der Taliban eröffnet.

Trump fädelte Gespräche ein

Ernsthaft verfolgt wurden solche Gespräche aber erst unter US-Präsident Donald Trump. Er drängte Pakistan, Baradar freizulassen und setzte ihn an die Spitze des Taliban-Büros in Doha. Es war Abdul Ghani Baradar, der letztes Jahr direkt mit den USA ein Abkommen aushandelte. Darin versprachen die USA den Abzug ihrer Truppen und die Taliban, Gespräche mit der afghanischen Führung aufzunehmen. Diese Gespräche sind nun in Gang in Kabul.

Echo der Zeit, 23.08.2021, 18 Uhr

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Ein weiteres PuzzleSteinchen in der WeltHerrschaft der Chinesen. Deren Beteuerungen der Friedlichkeit hat für mich die Qualität der Versicherungen des verkleideten Wolfes: „ich bin Rotkäppchen und bringe dir das Essen“
    Die Chinesen sind etwas intelligenter als der Westen und machen’s mit struktureller Gewalt. Um so einen lästigen Ballast wie Menschenrechte brauchen sie sich nicht kümmern und sind damit den Talibans viel näher.
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Und das ganze Märchen wurde vom dumben Onkel Trump eingeleitet. Biden aus lauter Angst vor den Rep Wählern traute sich nicht neue Wege zu gehen. Wer’s ausbadet? Die Menschen und va. die Frauen in Afghanistan. Eine Tragödie fürchte ich.
  • Kommentar von Walter Haller  (wh)
    Wen interessiert das jetzt wer der «Führer» dieser Banden ist?