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China: Ein bisschen Freiheit nach über drei Monaten Lockdown
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.05.2020.
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China erlaubt Inlandreisen «Schutzmasken sind nur noch ein Randaspekt»

Erstmals nach dem Corona-Lockdown konnten sich Millionen Chinesen am verlängerten Wochenende zum Tag der Arbeit wieder etwas freier bewegen und sogar reisen. Hunderte Sehenswürdigkeiten sind wieder offen. Letztes Jahr waren 67 Millionen Menschen unterwegs. Ein kleiner Bruchteil davon sei es diesmal, berichtet der langjährige China-Korrespondent Felix Lee.

Felix Lee

Felix Lee

Journalist

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Felix Lee ist Journalist und berichtet aus Peking über China, vor allem für die deutsche «taz». Er wuchs als Kind von chinesischen Eltern in Deutschland auf. Lee studierte Volkswirtschaft und Politik und absolvierte später eine Journalistenschule in Deutschland.

SRF News: Sind die Chinesinnen und Chinesen übers Wochenende verreist?

Felix Lee: In China sind seit Freitag erstmals seit über drei Monaten Inlandreisen wieder möglich. Wie viele Menschen landesweit unterwegs waren, ist noch nicht bekannt. Es sind aber nicht die Massen, die normalerweise die «Golden Week» nutzten.

In Peking waren 1.7 Millionen Menschen in Parks und Sehenswürdigkeiten, in Schanghai über eine Million. Fast überall ist der Zugang auf 30 Prozent der normalen Kapazitäten beschränkt. Der Pekinger Kaiserpalast der Verbotenen Stadt etwa lässt täglich 5000 Menschen ein, verglichen mit 80'000 in den Vorjahren.

Fast überall ist der Zugang auf 30 Prozent der normalen Kapazitäten beschränkt.
Autor: Felix Lee

Sind die Touristen gerne gesehen nach der Lockerung der Massnahmen?

Ja, schon. In Peking gab es schon vor der Krise viele Kontrollposten. Wer zum Beispiel auf den symbolträchtigen Platz des Himmlischen Friedens wollte, musste sich schon immer Kontrollen unterziehen. Trotzdem war es ein deutliches Signal, nachdem auf dem grössten Platz der Welt monatelang fast niemand zu sehen war. Die Führung will das Leben normalisieren, aber weiterhin mit vielen Kontrollen und Einschränkungen.

In der Hauptstadt ist die Schutzmaskenpflicht aufgehoben. Wie passt das zu den strengen Massnahmen über die Feiertage?

Schutzmasken sind tatsächlich nur noch ein Randaspekt. Allerdings tragen die meisten die Schutzmasken weiterhin freiwillig. China ist sich Masken zum Schutz vor Smog gewohnt. Auch fürchten sich die Menschen weiterhin vor einer Ansteckung.

People wearing face masks arrive at the ticket area to visit the Mutianyu section of the Great Wall of China on the first day of the five-day Labour Day holiday following the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, on the outskirts of Beijing, China May 1, 2020. REUTERS/Thomas Peter
Legende: Endlich wieder reisen: Besucher am 1. Mai an einem Eingang zur Grossen Mauer in der Mutianyu-Sektion. Reuters

Es durfte entgegen früheren Plänen auch über die Provinzgrenzen hinaus gereist werden. Wie ist das zu erklären?

Wirtschaft und Tourismus sollen wieder in Gang gebracht werden. Die vielen Wanderarbeiter, die in Fabriken und auf Baustellen arbeiten, durften bereits vor einigen Wochen zurück in die grossen Städte der Küstenregion. Viele haben das aber nicht getan, was ein Novum für China ist, wo nach Regierungsbeschlüssen meist rasch etwas passiert. Von Normalisierung kann also weiterhin keine Rede sein. Der Alltag soll wieder normaler werden, doch das läuft langsam. Umso mehr sollte am Wochenende ein wichtiges Signal gegeben werden.

Viele Wanderarbeiter sind trotz Erlaubnis noch nicht an ihre Arbeitsplätze zurück.
Autor: Felix Lee

Trotzdem wird wieder in Massen gereist. Hat China keine Angst vor einer zweiten Corona-Welle?

Diese Angst besteht auf jeden Fall. Offiziell heisst es von der Propaganda, dass alle Fälle von Neuinfizierten aus dem Ausland stammten. Es wird suggeriert, die Ausländer schleppten das Virus wieder ein. Allerdings kommt momentan kaum ein Ausländer nach China rein. Es können also nur zurückkehrende Chinesen sein. In einer Provinz im Nordosten an der Grenze zu Russland gibt es wieder vermehrt Fälle. Man blickt auch auf die Nachbarländer wie Singapur, die eine zweite Infektionswelle erlebten, die schlimmer war als die erste.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

SRF 4 News, 04.05.2020, 07:20 Uhr;

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Soltermann  (ps)
    Eine andere Massnahme ist mir hier in Fujian bei den Portalen von grossen Fabriken , sowie bei groesseren Warenhausern aufgefallen: Man misst die Koerpertemperatur der Eintretenden. Eine Massnahme die sicher nicht schadet und auch keiner Ueberwachung dient. Diese Massnahme ist mir schon frueher, waehrend der SARS Zeit und im August letzten Jahres in Hongkong Airport aufgefallen.
    Wurde aber von D.Koch bisher nie erwaehnt (wohl nur darum nicht, weil die Massnahme aus China kommt)
  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    Schade wie sich das Interview mit dem letzten Abschnitt selber disqualifiziert. Die Beschreibung des Lebens finde ich ziemlich akkurat, man reist wieder frei, es herrscht grossartige Stimmung. Aber warum dann wieder "offiziell" sagt "die Propaganda"? Sagt irgend jemand irgend etwas anderes? Neue Fälle gibt es in Guangzhou und Heilongjiang, die einen sind aus Hongkong, die andern aus Russland. Hat nichts mit Propaganda zu tun. Und ja, klar sind es fliehende Chinesen die zurückkommen
    1. Antwort von Paul Soltermann  (ps)
      Sehr richtig Hr. Buchmann, aber man ist sich leider an Schlimmeres gewohnt.
  • Kommentar von Urs Scholer  (Nounours)
    Schon wieder ein irreführender Titel, nur um die Thesen des BAG zu stützen.
    "Masken ein Randaspekt"? Aber das Photo und der Text bestätigen, dass jedermann eine Maske trägt! Darf ich alle Maskengegner daran erinnern, dass China, wie auch Japan und Singapore 3 (drei) Coronaopfer auf eine Million Einwohner zählt. Bei uns sind es mittlerweile 206 (zweihundert sechs) !!!
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Eben, weil Masken nur ein Randaspekt ist, dafür die totale Ueberwachung in China, bis zu sehr strengen Ueberwachungen mit technologischen Mitteln, nie in Europa möglich, in Japan, Singapur oder Südkorea....
    2. Antwort von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
      Genau. Es ist eine Kombination von sinnvoller Überwachung und Maskentragen. In beidem hat der Westen komplett versagt. Jetzt die Demokratie dafür zu beschuldigen, dass man es nicht hingekriegt hat, ist lächerlich. Japan ist ziemlich demokratisch und hat es fast genauso gut geschafft wie China, die Pandemie zu kontrollieren. Ebenso Südkorea.
    3. Antwort von Paul Soltermann  (ps)
      Camenisch: Haben sie sich auch schon ueberlegt wie eine 'strenge Ueberwachung' mit einer Maskenpflicht zu vereinbaren waere?