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Kein Grippewinter in Australien
Aus Rendez-vous vom 10.08.2020.
abspielen. Laufzeit 04:09 Minuten.
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Coronabekämpfung in Australien Massnahmen haben normale Grippeinfektionen verhindert

Der Kampf gegen Covid-19 hat in Australien zu einem dramatischen Rückgang der Anzahl Grippeinfektionen geführt.

Ein Husten, der nicht weggehen will. Dazu Schnupfen, Gliederschmerzen, Fieber. Symptome, die Zeichen einer Infektion mit dem Covid-19-Virus sein können. Doch nicht nur: wer hustet und Schnupfen hat, dazu erhöhte Temperatur, könnte auch einfach nur eine Grippe haben – eine Influenza. Vor allem im Winter. In Australien ist jetzt Winter, und damit Grippesaison.

Normalerweise fordert die Grippewelle in jedem Jahr auch auf der anderen Seite der Erde hunderte von Todesopfern, vor allem unter älteren Menschen und solchen mit gesundheitlichen Problemen. Nicht aber in diesem Jahr.

Mann mit Kind vor Schild: Covid-19-Screening-Center
Legende: Bei Symptomen müssen Menschen in Australien zum Coronatest in spezielle Covid-19-Kliniken. Keystone

Während 2019 zwischen Januar und Juni 430 Menschen an der Folge einer Grippe starben, waren es bisher gerade mal 36. «Der Hauptgrund dafür ist die soziale Distanz», sagt Professor Ian Barr, einer der führenden Grippeexperten der Weltgesundheitsorganisation WHO, in Melbourne. Seit April wurde gar kein Todesfall, der auf Influenza zurückzuführen ist, mehr gemeldet.

Gegen alle Erreger von Atemwegskrankheiten

So ironisch es klingt: Man kann zumindest indirekt Covid-19 für diesen Rückgang danken. Denn die Massnahmen, die Behörden rund um den Globus beschlossen haben, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, sind auch gegen Grippe wirksam. Covid-19 und gewöhnliche Influenzaviren verhielten sich gleich, erklärt Barr. Sie würden von einem Menschen auf den anderen springen, durch Husten, durch Niesen, durch Händeschütteln.

«Wenn man die Menschen also voneinander trennt, wenn man gute Handhygiene praktiziert, Schulen schliesst, dann hat das Auswirkungen auf alle Erreger von Atemwegserkrankungen.» Australien führt solche Massnahmen besonders strikt durch. Die Grenzen sind seit Monaten zu.

Isolation von Reiserückkehrern wird überwacht

Touristen sind längst ausgereist. Nur noch heimkehrende Australier werden ins Land gelassen. Sie müssen unter Strafandrohung zwei Wochen in einem Hotel in die Isolation, mit einem Wächter vor der Tür. Der Gliedstaat Victoria ist wegen einer zweiten Coronawelle vom Rest des Landes abgeschnitten.

Wenn man die Menschen also voneinander trennt, wenn man gute Handhygiene praktiziert, Schulen schliesst, dann hat das Auswirkungen auf alle Erreger von Atemwegserkrankungen.
Autor: Ian BarrStv. Direktor des Grippeforschungszentrums in Melbourne

Die Folgen dieser Massnahmen spüren in diesen Wochen vor allem die Hausärzte. Ihre Warteräume sind deutlich weniger mit hustenden und schniefenden Patientinnen und Patienten gefüllt als sonst im Winter.

Nicht nur, weil gemäss behördlicher Verordnung jeder mit solchen Symptomen sofort zum Test in ein Covid-Zentrum muss. Es gibt dramatisch weniger Influenzafälle: Bei 21'000 Menschen wurde zwischen Januar und Juni Grippe diagnostiziert. Im letzten Jahr waren es im selben Zeitraum 132'000.

Auch weniger Grippefälle in Europa möglich

Dass sich immer mehr Australier gegen Grippe impfen lassen, erkläre den signifikanten Rückgang der Grippefälle nicht, so Epidemiologe Barr. Die Impfung sei in Australien im Vergleich zu anderen Ländern zwar relativ weit verbreitet. 8.8 Millionen Menschen liessen sich in Australien zwischen März und Juli gegen Grippe impfen – zwei Millionen mehr als im Vorjahr.

Doch das sei nicht die perfekte Waffe, so Barr. «Die Grippeimpfung ist vielleicht bei 60 Prozent aller Geimpften wirksam.» Er ist vorsichtig optimistisch, wenn er eine Prognose für die kommende Grippesaison auf der nördlichen Hemisphäre stellen soll: Es hänge davon ab, wie weit auch da die Beschränkungen bestehen blieben. «Wenn einige davon weitergeführt werden, erwarte ich auch für Europa einen Rückgang der Grippefälle.»

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Claudia Esser  (Lilly.lombarte)
    Wen wundert es denn, das die "normale Grippe " weitgehend ausgebremst wurde? Den Wunderer sei gesagt, ein völlig normales Phänom. Mit den Massnahmen gibt es nichts zu wundern. Ein guter Vergleich ist folgender Artikel:"Der Virus ist gekommen, um zu bleiben." Zu finden im Netz über Flip. Mir hat es sehr geholfen das Ganze besser zu verstehen. Lg. Liebes SRF IST LESENSWERT BITTE MEINEN KOMMENTAR NICHT VERHEIMLICHEN. DANKE:-)
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Warum sollte ihr Kommentar verheimlicht werden. Einzig muss man nicht unbedingt damit einverstanden sein.
  • Kommentar von Daniel Ackermann  (saskilte)
    Sehr gut, das muss nun jedes Jahr gemacht werden. Wer braucht schon eine funktionierende Wirtschaft.
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      (TeeS) für eine Anzahl Menschen ist eine Grippeimpfung wichtig. Ich hatte im Jahre 1990 eine Krebserkrankung. Hatte zwei grössere Operationen mit anschliessenden Chemotherapie fünf mal eine Woche mit vier Wochen Unterbruch. Als ich das ganze Prozedere hinter mir hatte wurde mir von meinem Onkologen empfohlen, die nächsten Jahre eine Grippeimpfung zu machen. Begründung, Fieber kann nicht nur auf eine Grippe hinweisen, sondern auf einen neuerlichen Ausbruch der Krebserkrankung.
  • Kommentar von Theo Schneider  (TeeS)
    Sehr interessanter Beitrag. Dazu liessen sich viele Schlüsse ziehen. Im Grundsatz geht es auch hier um Eindämmung vs. Durchseuchung. Eindämmung kostet wirtschaftlich + sozial enorm, dafür gibt es weniger (Todes)-opfer.

    Interessant ist auch, dass eine zukünftige Impfstrategie antizipiert werden kann. Impfen finde ich nämlich punkto Wirksamkeit und Impfpflicht sehr fraglich.

    Am Besten ist es, gesund zu leben mit starkem Immunsystem. Dann hat man auch kaum die normale Grippe.
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Ja, und die anderen, welche durch Vorerkrankungen kein solches Immunsystem vorweisen können?
    2. Antwort von Aaron Nela  (Aaron11)
      @Reto
      Natürlich Impfen wen möglich.
      Eindämmen wird, dank Corona, bei allen Krankheiten in den nächsten Jahren um einiges besser funktionieren.
      Oder was haben Sie sonst noch für ein Vorschlag?