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Afrika: Zuhausebleiben als Luxus
Aus Echo der Zeit vom 25.05.2020.
abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
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Coronavirus in Afrika Kommt die Lockerung zu früh?

In Afrika halten sich viele Menschen nicht an die Corona-Massnahmen. Trotzdem heben viele Staaten ihre Lockdowns auf.

«Das sind keine guten Nachrichten.» Die Ansteckungen nehmen zu in Afrika, und der Virologe Oyewale Tomori aus Ibadan, Nigeria, ist besorgt: «Wir haben es nicht geschafft, die Kurve abzuflachen.»

Im Gegenteil, die Ansteckungen nehmen zu, die Kurve zeigt weiterhin nach oben. Rund alle 12 Tage verdoppelt sich die Zahl der Coronavirus-Fälle in Subsahara-Afrika. Der Anstieg ist exponentiell. Die oft gehörte Aussage, der Kontinent bliebe vom Virus verschont, ist falsch.

«Wir kennen das Ausmass nicht»

In Subsahara-Afrika kommen auf eine Milliarde Einwohner zwar noch immer weniger als 100'000 Infektionen. Anfangs verbreitete sich das Virus langsam. Viele afrikanische Staaten hatten früh Ausgangssperren verhängt, zudem ist die Mobilität der Menschen südlich der Sahara tiefer als andernorts.

Doch es gibt noch einen anderen Grund, so Professor Tomori: «Die Zahlen sind tief, weil wir nicht genügend testen. Wir haben zu wenige Test-Kits, also kennen wir das wahre Ausmass der Epidemie nicht.»

Druck der Bevölkerung ist gross

Nach dem langsamen Start nimmt das Virus auf dem afrikanischen Kontinent Fahrt auf. In den meisten Ländern steigen die Ansteckungszahlen. Und doch werden nun vielerorts die Massnahmen bereits gelockert. Im ostafrikanischen Uganda sind Restaurants und Geschäfte seit zwei Wochen wieder geöffnet, bald sollen auch Busse wieder fahren.

Uganda.
Legende: In den Städten gibt es viele Arme, die von der Hand in den Mund leben, wie hier in Ugandas Hauptadt Kampala. Keystone/Archiv

Die Ausgangssperre wurde zum Problem für viele Menschen – um ein Einkommen zu haben, müssen sie jeden Tag arbeiten gehen. «Natürlich ist der Druck der Bevölkerung enorm», erklärt der ugandische Infektiologe Andrew Kambugu: «Die Arbeitslosigkeit in Afrika ist hoch. In den Städten gibt es viele Arme, die von der Hand in den Mund leben. Also ist die Regierung unter Druck.»

Man hat die Wahl: will man an Hunger sterben, oder an der Krankheit.
Autor: Oyewale TomoriVirologe

Ugandas Präsident verkündete kürzlich, man habe das Virus gezähmt. Die Massnahmen würden nun gelockert. War das voreilig? Nein, glaubt Doktor Kambugu. Der Lockdown würde nur schrittweise wieder aufgehoben.

Tiefes Bildungsniveau erschwert Eindämmung

Doch eine Lockerung führt unweigerlich zu mehr Ansteckungen. Vor allem, wenn sie so chaotisch passiert, wie unlängst in Nigerias Millionenmetropole Lagos, wo Tausende nach draussen strömten. Professor Tomori: «Die Leute auf der Strasse, vor den Bankschaltern, alle sind ohne Abstand und ohne Masken umhergelaufen.»

Strasse Lagos.
Legende: Die Strassen von Nigerias Hauptstadt sind aktuell wieder stark bevölkert. Keystone

Das tiefere Bildungsniveau, so Tomori, erschwere die Eindämmung des Virus. Abstand halten, Masken tragen, im Kampf gegen einen unsichtbaren Feind. Das ist in afrikanischen Ländern nicht immer einfach zu vermitteln. Doch ohne Eindämmung, warnt die Weltgesundheitsorganisation, könnten in Afrika im ersten Jahr bis zu 190'000 Menschen an Covid-19 sterben.

Afrikas Dilemma im Kampf gegen das Virus: Die meisten Leute können sich schlicht nicht leisten, zu Hause zu bleiben. Oder in den Worten von Oyewale Tomori: «Man hat die Wahl: will man an Hunger sterben, oder an der Krankheit.»

Echo der Zeit, 25.05.2020, 18 Uhr

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Wenn die 190'000 zutreffen - und die Gesundheitsämter rechnen offenbar nur bei der Todesrate nicht extrem vorsichtig - wäre Sars-Cov-2 in Afrika in etwa so gefährlich wie bei uns die Influenza. Schätze also wirklich nur im allerhöchsten Fall. Keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen - aber die Neutralität der Berichterstattung nimmt hier eine ganz unerwartete Wendung: Wie kann man titeln, ob die Lockerungen zu früh kommen, wo der Hunger allerbestenfalls noch auf der Schwelle steht?!
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Was auch überall nicht so gut kommuniziert wird, ist der Umgang mit den Wörtern Lockdown und Shutdown. Eigentlich hatten wir in der Schweiz ein Herunterfahren also ein Shutdown, aber kein einsperren ein Lockdown. Was wir aber besser machen müssen in Zukunft, er muss viel smarter sein. Das sagt auch ein Nobelpreisträger, ein Smart Shutdown, sieht etwa anders aus. Immer sehr Zeitnah die neusten Daten einbeziehen Die Grenze zu Italien oder Versammlungen bis 200 verbieten, vieles ging aber zu weit.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Die Zellteilung ist auf keinem Kontinent schneller, das Durchschnittsalter in Japan, Italien und Deutschland liegt bei 47-50. In Indien bei etwa 29 und in Afrika noch viel tiefer, hier hat es einige Länder deren Gesamtbevölkerung Durchschnittsalter unter 20 ist. Diese 1,3 Milliarden Volk aus 55 Länder lässt sich also nicht mit dem Westen vergleichen. Nur schon die Temperatur ist Coronafeindlich, selbst Herr Dorsten bestätig, dass dieser Virus keine Hitze verträgt.
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